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adBlue: Was Sie über den Dieselzusatz wissen müssen

Ab Herbst 2014 gilt die Abgasnorm Euro 6. Um die neuen Grenzwerte zu schaffen, müssen viele Diesel Adblue tanken. Was steckt hinter dem Zusatzstoff? FIRMENAUTO klärt auf.

Autofahrer sind an Tankstellen ohne­hin schon verwirrt: Ultimate, V-Power, Maxx Motion oder Fuel Save – da weiß höchstens noch der Stammkunde der jeweiligen Mineralölkonzerne auf Anhieb, was er gerade in den Tank kippt. Nun kommt auch noch ein weiterer Zapfhahn mit der schönen Aufschrift Adblue ins Spiel. Auch hier haben die Marketingexperten am Namen gefeilt. Denn eigentlich handelt es sich um eine Harnstofflösung, wie sie beispielsweise in zahlreichen Handcremes zum Einsatz kommt – auch besser bekannt als Urea. Bei Dieselmotoren sorgt Adblue dafür, dass das Stickoxid fast komplett in unschädlichen Stickstoff und Wasser umgewandelt wird.

An vier Shell-Tankstellen (Ingolstadt, München, Sindelfingen und Wolfsburg) wird der Zusatzstoff zur Abgasnachbehandlung für Diesel-Pkw nun ­testweise für zwölf Monate angeboten. Bevor Ihre Fahrer aber auf die Idee kommen, das Zeug einfach mit dem Diesel in den Tank laufen zu lassen, klären wir lieber auf, was hinter Adblue steckt und wozu es benötigt wird.

32,5-prozentige Harnstofflösung

Ab September 2014 treten mit der Euro-6-Norm neue Abgasgrenzwerte in Kraft. Statt wie bei der bislang gültigen Euro-5-Norm soll der Stickoxidanteil dann von maximal 180 Milligramm pro Kilometer auf höchstens 80 Milligramm sinken. Zunächst gilt die neue Richtlinie nur für neue Typzulassungen. Ab 2015 müssen dann aber alle Neuwagen die schärferen Grenzwerte einhalten.

Während bei kleineren Fahrzeugen noch NOx-Speicherkatalysatoren ausreichen, um diese fit für die Euro-6-Norm zu bekommen, benötigen die größeren Modelle einen sogenannten SCR-Katalysator (selektive katalytische Reduktion). Von einem separaten Tank aus wird die 32,5-prozentige Harnstofflösung direkt vor dem Katalysator in den Abgasstrang gespritzt.

Einer der ersten Hersteller, der seine komplette Dieselpalette bis Ende 2013 mit SCR-Katalysatoren ausrüsten möchte, ist die PSA-Gruppe (Peugeot und ­Citroën). Bei den sogenannten Blue-HDi-Modellen verringert sich dadurch nicht nur der Stickoxidanteil um 90 Prozent, sondern auch der CO2-Ausstoß und Verbrauch um zwei bis vier Prozent. Mercedes hat bereits alle Diesel in den größeren Modellreihen mit einem SCR-Katalysator ausgerüstet.

Bei Lkw wird Adblue schon eingesetzt

Die Technik ist allerdings teuer, weshalb in Deutschland bislang noch nicht alle Hersteller ihre großen SUV und Limousinen mit Adblue-Zusatz anbieten. Flottenmanager sollten laut Professor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut aber schon jetzt auf Euro 6 wechseln. »Wer heute einen Euro-5-Diesel kauft, geht das große Risiko ein, im Jahr 2015 Zusatzabschreibungen leisten zu müssen und sich nur eingeschränkt in Großstädten bewegen zu können«, erklärt der Automobilexperte.

Adblue an sich ist gar nichts Neues. Bei Lkw wird der Zusatzstoff schon länger eingesetzt, um die Stickoxidwerte der Nutzfahrzeuge zu senken. Ein Brummifahrer rechnet ungefähr mit einem Adblue-Verbrauch von etwa fünf Prozent vom normalen Dieselverbrauch. Das entspricht bei einem schweren Lkw rund 1,4 Liter auf 100 Kilometer. Dementsprechend gut ausgebaut, ist das Adblue-Netz für Lkw. Aufgrund der erhöhten Durchflussgeschwindigkeit von Lkw-Zapfsäulen sind diese aber nicht für Pkw geeignet.

Adblue wird beim Kundendienst aufgefüllt

Bei Pkw rechnen die Hersteller mit rund 0,1 Liter Adblue pro 100 Kilo­meter. Planmäßig soll die Harnstoff­lösung so bei der turnusmäßigen Wartung von der Werkstatt hinzugefügt werden. Sprich nach rund 20.000 bis 30.000 Kilometern. Und im Notfall soll es die Harnstofflösung auch in den Tankstellenshops zwischen Motoröl und Scheibenwischwasser als Flaschen­ware geben.

Wozu dann das Pilotprojekt mit den Adblue-Zapfsäulen? Zurzeit sind rund 200.000 Diesel-Pkw und -Transporter mit der SCR-Technik in Deutschland unterwegs, bis 2020 könnten aber schon drei von vier neuen Autos mit Selbstzünder eine Adblue-Versorgung benötigen. Shell und die Hersteller Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW wollen anhand dieses Pilotprojekts also lieber schon heute damit beginnen, die technisch unterschiedlichen Betankungssysteme der Hersteller aufeinander abzustimmen. Vorteil für uns Kunden: Wir haben dann genügend Zeit, uns an den schönen neuen Namen zu gewöhnen.

Service

Abgasnorm Euro 6

Funktionsprinzip der SCR-Technologie: Adblue ist eine wässrige Harnstofflösung, die in einem Zusatztank mitgeführt wird. Die Motorelektronik steuert im Betrieb die Dosierung so, dass die im Abgasstrom enthaltenen schädlichen Stickoxide immer auf die richtige Menge an Reaktionspartnern treffen. Dazu wird das wassergelöste Adblue in das heiße Abgas eingedüst und hydrolisiert zu Ammoniak (NH3), das dann im nachgeschalteten SCR-Kat die Reduktion der Stickoxide zu unschädlichem Stickstoff und Wasser veranlasst.

Adblue

Zehn Fragen zehn Antworten

Was ist Adblue?
Eine wässrige Harnstoff­lösung, die den Stickoxidanteil der Dieselmotoren um 90 Prozent senkt.

Hat Adblue weitere Vorteile?
Ja, der Kraftstoffverbrauch sinkt um bis zu fünf Prozent.

Wo befindet sich Adblue?
In einen separaten Tank, meist in der Reserveradmulde.

Wie groß ist der Tank?
Zwischen 20 und 30 Liter.

Wie lange reicht der Tank?
20.000 bis 30.000 Kilometer. Im Schnitt werden 0,1 Liter Adblue auf 100 Kilometer benötigt.

Muss ich Adblue nachfüllen?
Im Normalfall ist die Tankgröße so ausgelegt, dass der Hersteller selbst bei der Inspektion nachfüllt. Sollte es vorher leer gehen, entweder über einen Tankstutzen oder einen speziellen Zugang im Kofferraum.

Werde ich gewarnt, bevor der Tank leer ist?
Ja, der Bordcomputer weist rechtzeitig darauf hin.

Kann ich auch ohne Adblue fahren?
In der Regel nicht. Das Starten des Motors ist dann nicht mehr möglich.

Wo bekomme ich Adblue?
Bei Autohändlern, Zubehörshops oder auch bei vielen Tankstellen.

Wie viel kostet Adblue?
5,87 Euro für einen Fünf- Liter-Kanister (Shell). Allgemein gilt: je größer der Kanister, desto billiger.

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13. November 2013
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