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Fahrbericht Honda HR-V: Comeback mit Magie

Richtig, den Honda HR-V gab es schon einmal. Allerdings nicht in dieser Form. Gefälliges Design, komfortabel, praktisch: Der Mini-SUV weiß zu überzeugen und zeigt nur wenige Schwächen.

Die Modellpalette mit Nischenmodellen aufblähen? Davon hält Honda nichts. Jazz, Civic und CR-V, ein Van, ein Kompaktwagen und ein SUV. Damit sah sich der japanische Hersteller in Europa lange Zeit breit genug aufgestellt. Doch den SUV-Boom wollte Honda dann doch nicht ignorieren. Seit letztem Herbst füllt deshalb der HR-V die Lücke unterhalb des wuchtigen CV-R.

Im Grunde machte der HR-V nur eine Pause. Denn von 1998 bis 2006 gab es das kleine SUV bereits. Vielleicht war Honda nur seiner Zeit voraus. Die Neuauflage sollte dennoch komplett anders aussehen. Vom kantigen Schuhschachtel-Design des Vorgängers distanzierte sich Honda – zum Glück. Die Fenster laufen beim neuen HR-V coupéhaft zusammen, das ganze Design fällt mehr rund als eckig aus. Ein moderner Stil, stark angelehnt an den des großen Bruders CR-V. Mit 4,29 Metern ist er aber gut 30 Zentimeter kürzer und spielt damit in der Liga der Mini-SUV rund um Mazda CX-3, Opel Mokka und Co.

"Magic Seats" und jede Menge Stauraum

Einfach nur den CR-V zu schrumpfen, war den Honda-Designern allerdings zu langweilig. Weshalb sie sich kleine Spielereien wie die senkrecht in die Fensterrahmen eingelassenen hinteren Türgriffe einfallen ließen. Wer an diesen zupft, gelangt zum üppig dimensionierten Fond. Nahezu barrierefrei können wir zur anderen Seite durchrutschen. Um die Beine herum bietet der kleine SUV ohnehin überraschend viel Platz. Großen Personen drückt allerdings der niedrige Dachhimmel die Frisuren platt.
Für ein Mini-SUV bringt der Honda auch im Heckabteil richtig viel Stauraum mit. Fast 400 Liter sind es bei aufrechter Rückbank. Liegt diese flach, passen über 1.500 Liter hinein. Die Fondlehnen klappen dabei in einem Rutsch mit den Sitzflächen vor, wodurch die ganze Bank gleichzeitig etwas in die Tiefe geht. Das Resultat des ungewöhnlichen Klappmechanismus ist ein durchgehend ebener Ladeboden. Sollen flache aber lange Gegenstände wie ein Fahrrad hinten rein, kann der Fahrer auch nur die Sitzflächen wie Kinositze aufstellen. Legt man zudem den Beifahrersitz um, passt sogar eine bis zu 2,45 Meter lange Biergarnitur rein. Simpel und doch so praktisch, oder wie es Honda in übertriebenem Marketing-Deutsch ausdrückt: Magic Seats.

7-Zoll-Touchscreen mit Garmin-Navi

Wichtiger ist natürlich, wie es sich vorne sitzt. Auch hier geht unser Daumen klar nach oben. SUV-typisch blicken Fahrer und Beifahrer etwas erhöht die Straße. Die flauschigen Stoffsitze mit seitlichem Kunstledereinsatz sind weich und gut geformt. Breite Wangen halten uns in schnellen Kurven fest im Sitz. Und trotz der sportlichen Coupéform passt auch die Rundumsicht. Wenn doch mal die breite C-Säule beim Rangieren nervt, zeigt dem Fahrer immer noch eine Rückfahrkamera an, was hinterm Wagen passiert.

Sollte nun allerdings auch noch Tageslicht durch das an sich tolle Panoramaglasdach fallen, ist der Fahrer nahezu im Blindflug unterwegs. Schon die kleinsten Sonnenstrahlen spiegeln sich im schräg ins Armaturenbrett eingesetzten 7-Zoll-Touchscreen. Das hat einen weiteren Nachteil: Trotz der großen Symbole im Infotainment-Menü vertippen wir uns aufgrund der Spiegelung des Öfteren. Außerdem reagiert die Touch-Oberfläche nicht sofort bei jeder Berührung. Was die Bedienung des ohnehin undurchschaubaren Infotainmentsystems weiter erschwert. An der Kartengrafik der Garmin-Navi gibt’s hingegen nichts auszusetzen.

Japaner in Spiele-Laune

Und auch sonst hinterlässt der HR-V einen ordentlichen Gesamteindruck. Sollte er auch, Honda hat uns einen Testwagen in der höchsten Ausstattungsvariante Executive zur Verfügung gestellt. An der Armaturenoberfläche, Mittelkonsole und Türen nimmt der SUV das Kunstleder der Sitze wieder auf. Um die Türgriffe herum hat Honda allerdings den gleichen Stoff wie für die Sitze verwenden, was weder optisch noch haptisch passt.

Da auch die Klimaautomatik über eine berührungssensitive Kunststoffoberfläche geregelt wird, ist die Mittelkonsole fast komplett tastenfrei. Umso überladener mit Funktionen ist dafür das Lederlenkrad. Neben der hoch angesetzten Mittelkonsole sitzt der Fahrer gut integriert im Cockpit. Lenkrad und Sitz sind weitreichend verstellbar. Der kleine Knüppel der Sechsgang-Schaltung erinnert etwas an einen Joystick einer Spiele-Konsole. Im Spielefieber waren die japanischen Ingenieure wohl auch bei der Gestaltung der Instrumententafel. Stets im Wechsel leuchtet der Tachorand je nach Fahrstil mal grün (alles okay) mal blau (Sie sollten langsamer fahren).

Wenig Power, hoher Preis

Immerhin versprüht der HR-V damit ein Hauch von Dynamik. Denn davon ist der 130 PS starke 1,5-Liter-Benziner weit entfernt. Im unteren Drehzahlbereich schwächelt der Sauger naturgemäß, im oberen wird er recht laut. Das Resultat ist eine defensive Fahrweise, die sich glücklicherweise an der Zapfsäule widerspiegelt: Genau 6,0 Liter verbrauchte der Fronttriebler auf unserer Normrunde und liegt damit nur knapp über Hondas Normverbrauch von 5,5 Liter.

Apropos Kosten. Letzte Disziplin: der Preis. Mit 17.000 Euro netto ist der Honda HR-V schon beim Einstiegspreis rund 1.500 Euro teurer als vergleichbare Basis-Versionen vom Mazda CX-3 und Opel Mokka. In der nahezu vollausgestatteten Executive-Variante müssen Flottenmanager mindestens 22.218 Euro hinlegen. Außer dem Panoramaglasdach, der Zwei-Zonen-Klimaautomatik und LED-Scheinwerfern sind dann auch Assistenten wie der Kollisionswarner mit City-Notbremsfunktion, der Spurhalteassistent und eine intelligente Geschwindigkeitsregelung an Bord, die sich über die Verkehrszeichenerkennung automatisch dem aktuell erlaubten Tempo anpasst.

Autor

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Honda

Datum

9. August 2016
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