Mitsubishi Pajero 18 Bilder Zoom

Fahrbericht Mitsubishi Pajero: Einer fürs Grobe

Es gibt billigere, wendigere und modernere Offroader als den Mitsubishi Pajero. Aber wenige, die mehr Charakter haben und geländegängiger sind.  

Würde John Wayne noch unter uns weilen, er hätte sein Pferd womöglich gegen einen Pajero eingetauscht. Der bullige Geländewagen ist eines der letzten echten automobilen Raubeine, eckig, kantig, ehrlich. Und er erfüllt, was er optisch verspricht. Bei Bedarf zieht er 3,5 Tonnen schwere Hänger, watet durch 70 Zentimeter tiefe Bäche und kraxelt bis zu 70 Prozent steile Feldwege hoch.

Dumm nur, dass solche Ausritte nicht unbedingt zu den Alltagsaufgaben eines Firmenwagens gehören. Trotzdem hat der 4,90 Meter lange Offroader treue Fans unter gewerblichen Käufern. Förster, Jäger, Bauunternehmer und alle anderen, die Arbeitsplätze abseits geteerter Straßen über Stock und Stein erreichen müssen, schwören auf seine solide Technik. Ihnen hilft das Allradsystem mit vier Fahrstufen: Je nach Einsatz wählt der Fahrer unter permanentem Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, starrem Antrieb mit 50:50-Kraftverteilung für steile Anstiege oder einem stark untersetztem Antrieb für ganz grobes Terrain.

Im Alltag fährt der Offroader mit Heckantrieb

Im Alltag jedoch bleibt der Wahlhebel auf 2H. Dann wird nur die Hinterachse angetrieben, auch zum Sprit sparen. Wobei sparen relativ ist. Denn unter der wuchtigen Haube des Mitsubishi arbeitet kein hubraumkastriertes und turbogeladenes Motörchen, sondern eine Vierzylinder-Wuchtbrumme mit sage und schreibe 3,2 Litern Hubraum. Mit der Folge, dass dieses Aggregat selten unter zehn, gerne auch zwölf und mehr Liter Diesel auf 100 Kilometer in seine Brennkammern schüttet. Natürlich ließe sich der Verbrauch um ein paar Liter senken, hätte die sanft schaltende Automatik sieben oder acht statt nur fünf Gänge. Oder wäre der Koloss etwas filigraner gebaut und würde weniger als 2,4 Tonnen wiegen. Oder hätte er nicht die Stirnfläche einer Schrankwand.

Doch dann wäre der Pajero nicht mehr das Auto, das er ist. Hubraum ist eben nur durch Hubraum zu ersetzen. Egal, ob mit schwerem Hänger am Haken oder beim Anfahren am 25 Prozent steilen Berg: Trotz verhältnismäßig bescheidenen 441 Nm Drehmoment braucht der Diesel kaum mehr als 2.000 Touren, um die Fuhre in Fahrt zu bringen. Dass er das akustisch entsprechend untermauert und sich wie ein Lkw anhört, darf nicht stören.

Ab 130 km/h tobt der Fahrtwind

Ebenso wenig wie der Fahrtwind, der ab Tempo 130 um die Frontscheibe tobt. Dann drehen wir einfach die 860 Watt starke Soundanlage lauter, auf dass der mächtige Subwoofer im Kofferraum endlich auf Betriebstemperatur kommt. Man könnte mit dem Pajero auch wesentlich schneller fahren, ohne dass ein mulmiges Gefühl aufkäme. Der Koloss hält sicher die Spur, bremst wirkungsvoll und federt passabel. Spaß macht das trotzdem nicht. Viel wohler fühlt man sich, wenn das Auto als Gleiter eingesetzt wird und die Landschaft wie in einem Film langsam hinter den steilen, großen Fenstern vorbeizieht.

So kantig wie außen sieht der Wagen auch innen aus. Design- und ergonomiemäßig wirkt der Innenraum, als stamme er noch aus dem letzten Jahrtausend. Da hilft auch der verschwenderische Umgang mit Leder und alufarbigem Zierrat wenig. Das Lenkrad etwa lässt sich nur in der Höhe verstellen, die harten Lederpolster geben keinerlei Seitenhalt. Dafür gibt es Platz in Hülle und Fülle und im üppig dimensionierten Kofferraum ist sogar eine dritte Sitzbank versenkt.

Assistenzsysteme? Fehlanzeige

Das Fehlen jeglicher Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, Spurhalter oder Abstandstempomat können wir verschmerzen. Braucht man im Gelände sowieso nicht. Doch Bedienung, Klang und Empfang des Radio-Navisystems sind leider ebenfalls echt retro. Über das Navi-Kauderwelsch kann man anfangs noch lachen, nach einer Weile nervt es nur noch, ebenso wie das schlecht erkennbare Display, der miese Empfang des DAB-Radios oder die eingeschränkte Sprachsteuerung.

Da tröstet höchstens, dass das "Multi Communication System", das ebenso im Kaufpreis von knapp 43.000 Euro netto enthalten ist wie alle andere Goodies, die Mitsubishi dem Auto auf den Weg gibt. Dazu gehören neben den Offroadhilfen und der Automatik unter anderem Xenon-Scheinwerfer, ein großes Panoramadach sowie 18-Zoll-Räder. Außerdem natürlich die Fünfjahres-Garantie, die speziell bei hartem Geländeeinsatz nicht hoch genug zu bewerten ist.

Und John Wayne? Der würde vermutlich auf das weichgespülte Komfort-Wischiwaschi verzichten und im 9.300 Euro billigeren Basismodell in den Sonnenuntergang fahren.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

26. Juli 2016
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