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Fahrbericht Opel Karl: Ein ganzer Karl

Günstig, geräumig und grundvernünftig – so will Opel kühl kalkulierende Fuhrparkbetreiber in seinen neuen Kleinstwagen Karl locken. Ab 7.983 Euro netto ist das Einstiegsmodell zu haben – wenn auch nur mit einem Benzinmotor.

Jürgen Keller ist stolz auf den Nachwuchs in Opels Kleinwagen-Familie: „Wir haben jetzt das stärkste Portfolio im gesamten Kleinwagenmarkt“, sagt der deutsche Vertriebsdirektor. Wobei die Grenzen, und damit mögliche Kannibalisierungseffekte zu Adam oder auch Corsa, schon sehr fließend und auch verbal schwer zu retuschieren sind. So ist der 3,68 Meter kurze Karl, der ausschließlich als Fünftürer zu haben ist, knapp zwei Zentimeter kürzer als der Adam, der nur als „dreitüriger Viersitzer“ angeboten wird. Und wo der Adam mit seinen unzähligen Farben und Features als „Individualisierungs-Champion“ gilt, gibt es für den Karl gerade mal zehn Lackierungen und drei Ausstattungslinien plus standardisierte Optionspakete. Karl-Kunden „kaufen den Wagen so wie er beim Händler steht“, glaubt der Vertriebschef.

Ausreichend Platz für vier Personen

Wobei der knuffige Kleinstwagen, benannt nach dem ersten Sohn des Firmengründers Adam Opel, kein hässliches Entlein ist. Mit freundlich lächelndem Grill, großen Scheinwerfern und dynamischen Kniffen im Blech macht der 1,48 Meter hohe Fünftürer mit seinen extrem knappen Überhängen eine leicht Van-artige Figur. Das schafft gut Platz für vier Personen, auf kurzen Strecken auch mal für fünf – die dann allerdings den Körperkontakt nicht scheuen sollten. Der Einstieg durch die großen Türausschnitte gelingt gut und auch die Kopffreiheit ist in dieser Klasse bemerkenswert. Für den Kofferraum bleiben klassentypisch nur mickrige 195 Liter übrig, die durch asymmetrisches Umklappen der Rücksitzlehnen (nur Serie in Topausstattung) aber auf maximal 1.013 Liter erweitert werden können.

So gewohnt deutsch sein Name ist, so fremdartig erscheint das Cockpit. Eine scharfkantige Hartplastik-Landschaft wie aus frühen Modellen koreanischer Bauart zeigt, wo die Controller den Rotstift ansetzten. Immerhin soll in den deutschen Ausführungen, so heißt es, die Instrumententafel noch unterschäumt sein, damit es sich nicht ganz so billig anfühlt. Aufhübschen lässt sich das Interieur aber auch durch Chrom- und Klavierlack-Elemente oder einem Lederlenkrad mit Chrom-Speiche.

Vorausgesetzt, man greift zur Topausstattung Exklusiv für 10.840 Euro, zu der weitere Goodies wie ein Fahrspurassistent, Nebelscheinwerfer, Klimaautomatik oder 15-Zoll-Aluräder gehören. Den größten Zuspruch mit rund 80 Prozent erwartet Opel-Mann Keller jedoch von der mittleren Version Edition für 8.950 Euro, unter anderem mit Tempomat- und -limiter, Lenkrad-City-Modus zum einfachen Rangieren, elektrischen Fensterheber sowie höhenverstellbarer Lenksäule und Fahrersitz ausgestattet.

Nur ein Benziner mit 75 PS

Einfach und kostengünstig, sowohl für Hersteller wie für Halter, fällt auch der Antrieb aus. Der Karl ist vorerst nur mit einem 75 PS starken Dreizylinder-Benziner zu haben. Und während das gleiche Einliter-Triebwerk in Adam und Corsa noch von einem Turbolader befeuert wird, muss sich der Karl mit der Sauger-Variante zufriedengeben. Doch auch wenn 15,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 die Spritzigkeit der aufgeladenen Version vermissen lassen. Im Stadtverkehr reicht die Kraft allemal, um munter im Ampel- und Spurenhopping mitzuhalten.

Ist das Motörchen erst einmal durch das gut gestufte Fünfganggetriebe auf Drehzahl gebracht, schnurrt es laufruhig vor sich hin. Zumal Fahrwerk und Lenkung, bewusst auf Komfort getrimmt, ohnehin keine wilden Manöver zulassen. So gefahren, könnten auch die avisierten 4,5 Liter (oder 104 g/km CO2) Normverbrauch drin sein, die bei unserer Proberunde noch um die 5,5 Liter pendelten. Mit Eco-Paket (250 Euro, 210,08 Euro), das aerodynamische Front- und Dachspoiler sowie rollwiderstandsarme Reifen enthält, hat Opel im Labor auch 4,3 Liter (99 g/km CO2) ermittelt.

Ein weiterer Motor, gar mit Erd- oder Flüssiggas als Kraftstoff wie es die Konkurrenten VW Up oder Kia Picanto anbieten, ist vorerst nicht in Sicht. Ein automatisiertes Getriebe wie in Adam oder Corsa, schon eher, wenn auch noch nicht bestätigt. Dafür aber ab Herbst ein neues IntelliLink-Infotainment-System, mit dem sich durch einfaches Einstöpseln des Smartphones (via Android Auto oder Apple CarPlay) Funktionen wie Navigation, Textnachrichten und Entertainment-Apps über das Bordmenü steuern lassen. Zur gleichen Zeit soll es dann auch Opels OnStar geben, wo 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen im Jahr ein persönlicher Online- und Service-Assistent zu Diensten steht und der Karl zum WLAN-Hotspot wird, an den sich bis zu sieben Geräte koppeln lassen. So wird aus dem Kleinstwagen-Karl am Ende doch noch ein ganzer Oberklasse-Kerl.

Autor

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Opel

Datum

5. Juni 2015
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