Firmenauto: Fahrbericht Mitsubishi ASX

Nissan hat es vorgemacht. Dort hat der freche Crossover Qashqai den drögen Almera in der Kompaktklasse abgelöst. Die gleiche Strategie verfolgt jetzt Mitsubishi mit dem ASX. Obwohl die Japaner in der Kompaktklasse noch die Lancer-Modelle anbieten, dürften die Chancen für diesen Crossover nicht schlecht stehen. Er könnte ein Verkaufsrenner werden – als VW Golf der anderen Art. Denn der ASX reizt Interessierte vor allem damit, ein besonderes Auto zum volkstümlichen Preis  fahren zu können. Die TechnikStammt weitgehend vom erfolgreichen SUV Outlander. Beide Modelle teilen sich weitgehend die gleiche Plattform; fast 70 Prozent der Teile sind identisch. Daher besitzt der 34 Zentimeter kürzere ASX auch den langen Radstand des Outlander von 2,67 Metern. Doch der Neuling kommt mit den moderneren Motoren und erstmals von Haus aus mit Start-Stopp-Automatik. Neben serienmäßigem ESP gibt es gleich sieben schützende Luftsäcke, darunter einen noch nicht so häufigen Fahrer-Knieairbag. Vorbildlich. Das elektronisch gesteuerte Allradsystem mit drei wählbaren Fahrprogrammen stammt ebenfalls vom größeren Bruder. Der InnenraumDas leicht veränderte Cockpit kennen wir bereits aus dem Outlander, oder aus dem Lancer. Man blickt auf sehr gut ablesbare Instrumente (ab Version Invite gibt’s die schöne High Contrast Instrumentierung mit farbigem Display) in einem zumindest zum Teil hinterschäumten Cockpit, das trotz seines recht hohen Hartplastikanteils einen soliden Eindruck macht. Vorn herrschen großzügige Platzverhältnisse; im Fond ordentliche für zwei Erwachsene. Viel besser als in einem nur zehn Zentimeter kürzeren VW Golf; die größere Höhe schafft eben zusätzlichen Raum. Der Kofferraum (419 bis 1.219 Liter Volumen) ist für ein solches Auto zwar nicht üppig, aber gut zu beladen. Und mit einem Handgriff lässt sich die geteilte Rücksitzlehne umklappen; es entsteht eine ebene Ladefläche von 995 mal 1.510 Millimetern. Die reicht dann sogar für zwei Fahrräder, wenn deren Vorderräder ausgebaut worden sind. Das FahrerlebnisDas beginnt bereits mit dem bequemen Einstieg nach innen; viel angenehmer als das Reinplumsen in ein konventionelles Auto mit sportlich-tiefer Sitzanlage. Beim Aussteigen wird dieser Komfortunterschied noch größer. Man genießt die hohe Sitzposition. Der Diesel läuft im Stand recht kernig, ist aber ordentlich gedämmt. In Fahrt ist sein Brummen zwar stets präsent, aber nie aufdringlich, und bei höherem Tempo ist er kaum noch von einem rau laufenden Benziner zu unterscheiden – Mitsubishis Ingenieure haben in nur zweieinhalb Jahren einen tollen Motor konstruiert. Störend nur die zu spitz ausgelegte Kupplung: Der Pedalweg ist so extrem kurz, dass der SUV beim Anfahren erstmal einen unschönen Satz macht. Daran muss man sich erst gewöhnen. Dafür lässt sich das eigens für den ASX entwickelte Sechsganggetriebe schnell und exakt bedienen (Eine Sechsgang-Wandlerautomatik soll 2011 folgen). Trotz der beim Testwagen montierten schicken 17-Zoll-Räder erweist sich die Federung des ASX mit ihrer bewussten Komfortauslegung als wohltuend. Anders als die sehr straffe Abstimmung des ähnlich gestrickten Skoda Yeti. Der lässt sich zwar spritziger um Ecken jagen als der Mitsubishi. Aber wer braucht das schon im Alltag? Besser so: Mit seiner weichen Lenkung sowie der gut gedämmten Motor- und Fahrgeräusche gibt sich der ASX als angenehmes Reiseauto für vier Personen plus ausreichend Gepäck, mit dem sich lange Etappen in hohem Tempo auf der Autobahn abspulen lassen.     Die MotorenAb sofort ist der ASX mit dem 150 PS starken Dieselmotor lieferbar. Dieser 1,8-Liter-Vierzylinder ist der weltweit erste Selbstzünder mit variabler Ventilsteuerung. Ein fülligerer Drehmomentverlauf ist die Folge; schon ab 1.500 Touren liegen 250 Newtonmeter an, die bis 4500 Touren nicht abfallen. Das Maximum von 300 Newtonmetern liegt zwischen 2.000 und 3.000 Umdrehungen pro Minute an. Zwar geht dieser Diesel unter 2.000 Touren subjektiv noch etwas verhalten zur Sache, doch ab 2.000 zieht er kräftig durch, ohne seine Stimme ungebührlich zu erheben. Einer der gegenwärtig wohl besten Diesel. Die serienmäßige Start-Stopp-Automatik funktioniert tadellos; sanft geht der Vierzylinder an der Ampel aus, und ohne Ruck springt er wieder an. Besser als bei vielen Modellen der Konkurrenz. Die Schaltanzeige mahnt, rechtzeitig den Gang zu wechseln. Der Normverbrauch liegt bei 5,5 Liter. Auf einer 130 Kilometer langen Testrunde mit bewusst vorausschauender, aber keineswegs langsamer Fahrweise zeigt der Bordcomputer unglaubliche 4,1 Liter an! 2011 folgt ein davon abgeleiteter, günstiger Einstiegsdiesel mit 116 PS und 300 Newtonmeter. Und im September startet ein ganz neuer sparsamer Benziner, ebenfalls mit variabler Ventilsteuerung. Der 1,6-Liter leistet 117 PS und soll nur 5,9 Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen. Er kann  nur als Fronttriebler bestellt werden; der Diesel für 1.458 Euro Aufpreis auch mit elektronisch gesteuertem Allradantrieb. Die PreiseDer Mitsubishi ASX startet bei 14.572 Euro, das ist exakt der Basispreis des frontgetriebenen Skoda Yeti mit 105 PS. Und bei beiden Modellen ist da noch nicht mal eine unabdingbare Klimaanlage an Bord. Die gibt es, wie viele andere Ausstattungsdetails, nur in den teureren Ausstattungslinien. Inform, Invite, Intense oder Instyle. Ab Intense sind zum Beispiel ein Panorama-Glasdach sowie spezielle Xenon-Scheinwerfer mit sehr großem Lichtwinkel serienmäßig. Instyle lässt überhaupt keine Wünsche offen; vom Navisystem mit 10-GB-Musikdatenbank über beheizbare Ledersitze bis hin zur sehr guten 710-Watt-Soundanlage von Rockford Fosgate ist alles drin, zu einem vergleichsweise moderatem Preis ab 21.214 Euro. Unser Tipp indes ist der ASX 1.8 DI-D+ in der  Ausstattungsversion Invite (ab 17.002 Euro) mit Alu-Rädern, Klimaautomatik und der sehr schönen High-Contrast-Instrumentierung mit LCD-Farbdisplay. Auch das Auge fährt mit! Und bei dieser Version bietet Mitsubishi die limitierte Intro-Edition mit einem Preisvorteil von 810 Euro an (17-Zoll-Alus, abgedunkelte hintere Seitenscheiben, Außenspiegel mit LED-Leuchten). Der ähnlich ausgelegte Nissan Qashqai mit 114 PS startet zwar erst bei 15.787 Euro, hat da jedoch bereits Klimaanlage und Aluräder an Bord. Also liegt er auf ähnlichem Preisniveau wie der vergleichbare Mitsubishi ASX mit 117 PS. Und der entsprechende VW Golf mit 122 PS? Der kostet 17.784 Euro, also 2.430 Euro mehr als der geräumigere Mitsubishi ASX. Das FazitDieser Mitsubishi sollte nicht nur im neuen Szene-Revier der modischen Kompakt-Crossover vom Schlage eines Skoda Yeti und Nissan Qashqai schnell Boden gut machen. Auch viele, die derzeit noch mit Golf und Co oder deren Kombiversionen liebäugeln, könnte er zu Extra-Überlegungen bewegen. Da er fast 2.500 Euro weniger kostet, könnte er sogar hierfür eine reizvolle Alternative sein. Und für Platz brauchende Dienstwagenkunden wäre er auch ein Ersatz des obligatorischen Kombis. Ab 2012 wird der französische PSA-Konzern Mitsubishi jährlich 50.000 ASX abkaufen, um den Crossover – wie schon beim größeren Outlander – als Citroen und Peugeot zu vermarkten. 

Datum

2. Juli 2010
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