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Hohe Spritpreise: Keine Entspannung in Sicht

Nach Berechnungen des ADAC ist seit Dezember vergangenen Jahres der Preis für Benzin der Sorte E10 im Durchschnitt von 1,50 Euro auf 1,63 Euro gestiegen. Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum von 1,42 Euro auf 1,52 Euro.

Wenn das Fahrzeug Superplus oder eine der höheroktanigen Edelsorten bekommt, liegt der Preis auch gerne um 1,74 Euro. Ein Euro und vierundsiebzig Cent, das ist ziemlich genau der Betrag, den die Aktionäre von Exxon Mobile im vergangenen Jahr pro Aktie an Dividende bekamen. In diesem Jahr dürfte es mehr werden.

2011 war für das amerikanische Energieunternehmen ein Rekordjahr. Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf 486,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei 41,1 Milliarden Dollar oder 30,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Daimler erzielte 2011 ebenfalls ein Rekordergebnis und verdiente 6 Milliarden Euro.

Sparsam fahren und Preise vergleichen

Die Zahlen legen den Schluss nahe, das Geld von der Tankstelle fließe direkt in die Kassen der Ölmultis und die verdienen natürlich gerne mehr, wenn es der Markt hergibt. Angesichts des im Gleichschritt vollzogenen Auf und Ab der Spritpreise der verschiedenen Anbieter in Deutschland ist von einem Markt ohnehin nur bedingt zu reden, jedenfalls nicht von einem, der im Wettbewerb der Anbieter steht. Das Preisgebaren bringt zwar immer wieder auch das Bundeskartellamt auf den Plan, bislang jedoch ohne nennenswertes Ergebnis.

Auch der ADAC als oberster Schutzpatron deutscher Autofahrer ist angesichts der galoppierenden Preise macht-, aber nicht ganz ratlos. Die Experten aus München raten zu sparsamer Fahrweise und zu strengen Preisvergleichen. Selbst die gängigen Regeln, wonach der Spritpreis am Wochenende steigt und montagmorgens der günstigste Zeitpunkt zum Tanken sei, gelten nicht mehr. Zwar steigt der Preis Richtung Wochenende, derzeit scheint aber eher Mittwoch der beste Tanktag zu sein, wie ein Tankwart verrät.

Der Mineralölsteuersatz bleibt stabil

Fragt man den Mineralölwirtschaftsverband (MWV) nach den Gründen des aktuellen Preisbooms, bekommt man eine klassische marktkonforme Antwort. Die hohen Beschaffungskosten für Rohöl sind schuld. Tatsächlich stieg der Preis für das Fass Rohöl zuletzt auf 122 Dollar und damit so hoch, wie seit neun Monaten nicht mehr. Das ist allerdings kein Rekordpreis. 2008 kostete das Fass sogar 144 Dollar. Damals allerdings war der Euro 1,57 Dollar wert, heute liegt der Wechselkurs bei 1,32 Dollar für den Euro. Der Kursverfall des Dollar minderte vor vier Jahren den Preisanstieg des Rohöls. Diesmal verschärft der nachlassende Eurokurs für Europäer die Situation.

Nach Angaben des MWV kostet der Liter Benzin ab Raffinerie derzeit rund 60 Cent und damit mehr als 2008. Diesel liegt mit 65 Cent noch knapp unter den damaligen Werten. Hinzu kommen 65,5 Cent Mineralölsteuer für den Liter Benzin und 47,5 Cent je Liter Diesel. Diese Steuern sind in den vergangenen Jahren übrigens nicht gestiegen, anders als die Mehrwertsteuer. Die 19 Prozent für den Finanzminister kommen immer oben drauf und auf diesem Weg kassiert der Staat bei steigenden Preisen auch kräftig mit.

An den aktuell hohen Preisen ist auch die verstärkte Nachfrage nach Heizöl wegen der gerade überwunden Kältewelle schuld. Auch der wachsende Bedarf Asiens, der zum Teil aus europäischen Nordseeölfeldern bedient wird, wirkt preistreibend. Die politischen Rahmenbedingungen, vom MWV freundlich als weiche Faktoren bezeichnet, wirken zumindest nicht positiv auf die Preisentwicklung. Der angedrohte Importstopp für iranisches Öl in der EU dürfte nicht preissenkend wirken.

Sinkende Spritpreise sind nicht in Sicht

Der Gewinn der Ölmultis pro Liter Sprit an der Tankstelle ist übrigens gar nicht so hoch. Nach Angaben von Christophe de Margerie, dem Vorstandsvorsitzenden von Total, verdient sein Unternehmen an einem Liter gerade mal einen Cent, wenn man die Kosten der Wertschöpfungskette von Förderung, Raffinerien, Transport und Logistik abziehe. Das mag sogar sein. Dabei lässt der Franzose dezent außen vor, dass die Gewinne der Mineralölindustrie auch deshalb so hoch sind, weil sie an quasi jedem Punkt der Kette bereits mitverdienenden. Da ist der letzte Cent an der Tankstelle vielleicht gar nicht mehr entscheidend.

Nachlassende Preise sind auch wegen des steigenden Förderaufwandes der Konzerne nicht zu erwarten. Es ist einfach teurer, Öl aus Schiefersänden oder aus tiefen Meereslagen zu gewinnen als es einfach wie früher abzupumpen. Auf Nachsicht der Konzerne können die Verbraucher auch deshalb nicht hoffen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte Margerie, es sei eine enorme Illusion, wenn man den Leuten erzähle, die Konzerne könnten zugunsten niedriger Verbraucherpreise auf einen Teil ihrer Gewinne verzichten.

Autor

Foto

Bezold, Rosenberger, Choren, Daimler, Neste Oil, PE International, Shell, Volvo

Datum

7. März 2012
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