Nissan Driving Safety Academy 5 Bilder Zoom

Nissan Driving Safety Academy: Von Experten lernen

Von der richtigen Fahrweise bis zur korrekten Ladungssicherung. Experten der Nissan Driving Safety Academy zeigen auf dem Nürburgring, wie man mit Nutzfahrzeugen richtig umgeht.

Mit vollem Tempo rasen wir auf die Dunlop-Kehre zu, bremsen stark ab und lehnen uns in den überhöhten 180-Grad-Bogen hinein. Der Wagen neigt sich stark zur Seite und drängt nach außen. Die darauffolgende Links-Rechts-Kurvenkombination brettern wir mit über 80 Sachen durch, hoppeln dabei leicht über die rot-weiß-gestreiften Curbs. mit Vollgas geht es den Hatzenbach hinunter. Unser Schwingsitz kann jetzt kaum noch innehalten. Wir galoppieren auf die letzte ­Kurve vor der Zielgeraden zu, zirkeln den 6,20 Meter langen Transporter mit quietschenden Reifen um das lang gezogene Eck und düsen mit durchgedrücktem Gasfuß und Tempo 120 über die Ziellinie. "Das war’s. In der nächsten Runde fahren wir zurück in die Box", funkt uns eine Stimme irgendwo aus dem Inneren des Kastenwagens zu.

Handwerker auf der Rennstrecke

Nach und nach trudeln die Boliden in der Boxengasse des Nürburgrings ein. Porsche oder Ferrari sucht man hier vergebens, stattdessen reiht sich die gesamte Nutzfahrzeug-Kolonne von Nissan hintereinander auf – Navarra, NV200, Primastar, Cabstar und mittendrin wir mit unserem weißen NV400 mit langem Radstand. Die Fahrer: 75 Handwerker, die per Ausschreibung den Weg in die Eifel zur Nissan Safety Driving Academy – einem Fahrsicherheitstraining speziell für Handwerker – gefunden haben. Die erste Trainings-Session, eine schnelle Runde auf dem Ring, haben wir bereits hinter uns. Sie sollte den Handwerkern verdeutlichen, dass Nutzfahrzeuge keine Sportwagen sind und deshalb auch nicht auf die linke Autobahnspur gehören. Nach den eben gesammelten Erfahrungen mit den Fliehkräften widerspricht nun keiner mehr.

Der zweite wichtige Punkt an diesem Tag ist das Thema Ladungssicherung. "Hier gibt es noch viele Wissenslücken", verrät Nissan-Instrukteur Viktor Hoesch und demonstriert dies an einem kurzen Praxisbeispiel. Er stellt zwei Getränkekisten auf die Ladefläche eines Cabstar. Eine Kiste ist leer, die andere voll. "Welche davon knallt bei einer Vollbremsung als erste auf die Kabinenrückwand?", fragt Hoesch die Teilnehmergruppe. Ratlose Blicke. Hoesch lässt den Versuch durchführen, ohne die Lösung vorwegzunehmen. Der Wagen beschleunigt auf 5 km/h und macht dann eine Vollbremsung. Beide Kisten nehmen gleichzeitig Fahrt auf und knallen im selben Moment auf die Rückseite der Fahrerkabine. Erstauntes Kopfnicken. "Egal ob Sie volle oder leere Kisten transportieren, beide setzen sich mit der gleichen Geschwindigkeit in Bewegung", untermauert Hoesch den Versuch nochmals mit Worten und ergänzt: "Es stimmt aber natürlich, dass eine volle Kiste beim Einschlag einen weitaus größeren Schaden anrichtet, weil sie mehr Masse hat. Trotzdem muss auch leichtes Ladegut richtig gesichert werden." Gerade das unterschätzen viele Fahrer. In der nächsten Lektion geht es um das "Wie".

Ladung gehört an die Stirnwand

Eine einfache Rutschmatte könne schon Wunder bewirken. Am besten sei es aber, die Ladung möglichst nahe an die Stirnwand zur Fahrerkabine zu schieben, verrät der Fachmann. Bei einem Aufprall kann sie sich dadurch nicht mehr groß in Bewegung setzen. Das klappt bei großem Ladegut leicht. Doch wie sichert man am besten einen Haufen loser Gegenstände? Die Experten raten zu einem großen Netz, das mit Klemmgurten fixiert wird. Vor allem bei zerbrechlicher Ware können Ratschengurte großen Schaden anrichten und Gegenstände leicht zerquetschen.

Nachdem wir die Ladung ordnungsgemäß festgezurrt haben, dürfen wir wieder ans Steuer. Slalomfahrt ist angesagt. Die Aufgabe: mit den dicken Nissan möglichst zügig um die Pylonen schwingen. Noch wichtiger ist dabei aber, dass keiner der Kegel umfliegt. Der Tipp vom Instrukteur: "Schaut weit nach vorne und peilt nicht nur die nächste Pylone an." Vorausschauendes Fahren zähle schließlich nicht nur beim Spritsparen zum A und O, sondern auch beim Lenken. "Wer  früher lenkt, der lenkt auch weniger", lautet Hoeschs Fazit.

Die richtige Sitzposition ist entscheidend

Bevor es losgeht, gibt Hoesch noch eine Einweisung in die richtige Sitzposition. "Zum Lenken gehören immer zwei Hände. Die Knie müssen wie die Ellenbogen einen leichten Winkel aufweisen und der Rücken sollte gerade sein." Wichtig, um im Ernstfall optimal reagieren zu können. Unter den wachsamen Augen der Instrukteure geht es endlich wieder auf die Teststrecke. Kaum haben wir die erste Markierung passiert, schallt schon Hoeschs Stimme leicht verärgert aus dem Funkgerät: "Auch wenn es Ihnen schon langsam aus den Ohren herauskommt. Beide Hände gehören ans Lenkrad. Und machen Sie auch gleich den Rücken gerade." Noch mal wollen wir uns nicht ermahnen lassen. Und siehe da, nach sieben flott gefahrenen Runden stehen noch alle Kegel.

Letzte Übung: Vollbremsung. Hoesch stellt die Gruppe mit einer Frage auf die Probe: "Wie weit liegt der Bremsweg bei einem 80-Tonner auseinander, wenn er beladen und wenn er unbeladen unterwegs ist?" Bedröppeltes Schweigen. "Er ist nahezu gleich lang", löst Hoesch auf. Im beladenen Zustand hat nicht nur das Gewicht zugenommen, sondern auch die Reibungsenergie der Reifen. Das bedeutet: egal ob beladen oder unbeladen, bei einer Vollbremsung sollte man immer voll in die Eisen steigen. Mit dieser Erkenntnis geht es zur letzten Prüfung. Mit 80 Sachen steuern wir auf die Pylonenwand zu. Sobald die Ampel auf Rot umspringt, treten wir das Bremspedal mit voller Kraft durch, bis das ABS eingreift und die Warnblinker automatisch aufleuchten. "Sehr gut, genauso will ich das sehen", funkt uns Hoesch ein letztes Mal zu. Zurückfunken konnten wir leider nicht. Also machen wir es auf diesem Weg: "Danke schön und bis zum nächsten Mal."

Autor

Foto

© Wolfgang Groeger-Meyer

Datum

28. Mai 2013
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