Der deutsche Automarkt zeigt im September zwei Gesichter. Während die Pkw-Neuzulassungen um neun Prozent steigen, geht es bei den Transportern um zwei Prozent bergab. Gemeinsam ist beiden Märkten der kräftige Zuwachs bei Elektrofahrzeugen. Allerdings profitieren davon längst nicht alle Vertriebskanäle. Der relevante Flottenmarkt stagniert bei Pkw wie Transportern, während vor allem private Elektroauto-Käufer für Wachstum sorgen. Benziner und Diesel verlieren in beiden Fahrzeugklassen an Boden.
Privatkunden sorgen für das Pkw-Plus
Insgesamt wurden im September 256.774 Pkw neu zugelassen, neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Saison- und arbeitstagbereinigt entspricht das einem Jahresvolumen von 3,15 Millionen Fahrzeugen, dem höchsten Wert seit Jahresbeginn. Der Aufschwung geht allerdings fast ausschließlich auf das Konto der Privatkunden. Sie steigerten ihre Neuzulassungen um 28 Prozent auf 103.462 Fahrzeuge und erreichten damit einen Marktanteil von 40 Prozent.
Der relevante Flottenmarkt brachte es dagegen auf gerade einmal 69.401 Fahrzeuge, ein Plus von einem Prozent. Seit Jahresbeginn liegt er sogar 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Autovermieter steigerten ihre Zulassungen um acht Prozent, der Handel reduzierte seine Eigenzulassungen um elf Prozent. Bei den Herstellern blieb das Volumen unverändert.
Dataforce sieht schmale Basis für das Wachstum
„Der September ist ein starkes Signal für den Pkw-Markt, doch das Wachstum steht noch auf einem schmalen Fundament. Es wird vor allem vom Privatmarkt und von der Elektromobilität getragen, während die gewerblichen Kanäle wenig Bewegung zeigen“, sagt Julian Litzinger, Automotive Analyst bei Dataforce.
Elektroautos erreichen 35 Prozent Marktanteil
Bei den Antrieben fällt die Verschiebung noch deutlicher aus. Rund 88.600 reine Elektroautos wurden im September neu zugelassen, 95 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Ihr Marktanteil erreichte 35 Prozent. Zusammen mit Plug-in-Hybriden verfügten damit rund 45 Prozent aller neuen Pkw über einen Ladeanschluss. Besonders stark legten Elektroautos im Privatmarkt zu. Dort stiegen die Zulassungen um 171 Prozent auf 50.418 Fahrzeuge. Damit war fast jeder zweite privat zugelassene Pkw rein elektrisch. Im relevanten Flottenmarkt wuchs die Zahl der Batterieautos um 54 Prozent auf 23.431 Einheiten. Ihr Anteil erreichte 33,8 Prozent.
Benziner und Diesel verlieren zweistellig
Bei den klassischen Verbrennern zeigt die Kurve dagegen nach unten. Benziner verloren im September 16 Prozent, Diesel 15 Prozent. Im Privatmarkt fielen die Rückgänge mit 26 beziehungsweise 27 Prozent noch deutlicher aus. Allerdings ist der September nicht das ganze Jahr. Von Januar bis September erreichten reine Elektroautos einen Marktanteil von 27 Prozent. Benziner liegen kumuliert mit 38 Prozent weiterhin vorn, Diesel kommen auf 17 Prozent. Der kräftige Elektro-Zuwachs im September hebt die Kräfteverhältnisse also noch nicht vollständig aus den Angeln.
Chinesische Automarken gewinnen Marktanteile
Mit der steigenden Elektro-Nachfrage gewinnen auch neue Wettbewerber an Bedeutung. Laut Dataforce haben neue und chinesische Anbieter ihren gemeinsamen Marktanteil auf rund sieben Prozent nahezu verdoppelt. Dazu zählen Marken wie BYD, MG, Leapmotor und Xpeng. Für die etablierten Hersteller wird der Wettbewerb damit härter. Allerdings profitiert die Nachfrage derzeit auch von Fördermaßnahmen und hohen Kraftstoffpreisen. Ob sich die hohen Elektro-Zuwächse dauerhaft halten lassen, bleibt abzuwarten.
Weniger erfreulich sieht es bei den Transportern und Pkw-Utilities aus. Im September wurden 38.358 Fahrzeuge neu zugelassen, zwei Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Besonders schwach entwickelte sich das Privatgeschäft mit einem Rückgang von 16 Prozent. Der relevante Flottenmarkt blieb mit einem minimalen Plus von 0,6 Prozent praktisch unverändert.
Elektrotransporter wachsen um 60 Prozent
Auch bei den Transportern verlieren die Verbrenner. Die Diesel-Zulassungen sanken um acht Prozent, Benziner büßten zwölf Prozent ein. Gleichzeitig stiegen die Neuzulassungen rein elektrischer Transporter um 60 Prozent. Ihr Marktanteil erreichte knapp 16 Prozent, nachdem er ein Jahr zuvor noch unter neun Prozent gelegen hatte. Trotzdem bleibt der Diesel die bestimmende Antriebsart. Rund 73 Prozent aller im September neu zugelassenen Transporter fuhren mit Selbstzünder. Bei Pkw sieht das inzwischen ganz anders aus.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick auf die ersten neun Monate. Während Elektroautos bei Pkw bereits 27 Prozent der Neuzulassungen ausmachen, liegt der Anteil bei Transportern erst bei zwölf Prozent.
Transportermarkt bleibt auch seit Jahresbeginn im Minus
Hinzu kommt die insgesamt schwache Marktentwicklung. Von Januar bis September wurden rund 371.000 Transporter zugelassen, etwa 9.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die steigende Nachfrage nach Elektrotransportern reicht bislang nicht aus, um die Rückgänge bei Diesel- und Benzinfahrzeugen auszugleichen.








