Chery bereitet derzeit seinen Deutschlandstart für das erste Halbjahr 2027 vor. Zunächst sollen vier Modelle mit Hybrid- und Plug-in-Hybridantrieben angeboten werden. Deutschlandchef Patrick Reimers setzt dabei auf einen vorsichtigen Marktaufbau.
Herr Reimers, warum hat Chery Deutschland nicht gleich als ersten großen europäischen Markt gewählt?
„If you can make it here, you can make it anywhere“, hat schon Frank Sinatra gesungen. Das hat vielleicht andere chinesische Hersteller dazu gebracht, Deutschland gleich als Pilotmarkt für Europa zu wählen. Wir machen es aus unserer Sicht richtig herum: erst mal der Grundschulabschluss, dann das Abitur. Deshalb sind wir zunächst in Märkte wie Großbritannien, Polen und Spanien gegangen. Dort haben wir Erfahrungen gesammelt und innerhalb von zwölf Monaten Marktanteile zwischen etwa 1,5 und 2,5 Prozent erreicht. Mit diesem Lernprozess im Rücken gehen wir jetzt den nächsten Schritt nach Deutschland.
Was wollen Sie hier anders machen als andere neue Marken?
Ein ganz wesentlicher Punkt ist das Händlernetz. Gerade bei einer neuen Marke wollen Kunden einen lokalen Ansprechpartner, dem sie vertrauen, und zwar nicht nur beim Kauf, sondern auch später beim Service. Unser Ziel sind mindestens 30 aktive Händler im ersten Quartal 2027 und mindestens 100 Vertriebs- und Servicepartner bis zum Jahresende. Wir wollen erst die Strukturen und Prozesse schaffen und dann bundesweit starten.
Warum ist Ihnen das klassische Händlernetz so wichtig, wenn immer mehr Hersteller direkt verkaufen?
Natürlich wollen wir auch neue Vertriebs- und Kommunikationswege nutzen. Aber das Händlernetz bleibt für uns der Kern von Vertrieb und Service. Ein Auto kann man relativ schnell über den Preis verkaufen. Schwieriger ist es, langfristig Kundenzufriedenheit und Kundentreue aufzubauen. Dafür braucht man gerade bei einer neuen Marke lokale Ansprechpartner und einen funktionierenden Service.
Wofür soll Chery zwischen den vielen anderen chinesischen Marken stehen?
Chery ist die Kernmarke des Konzerns. Wir wollen Fahrzeuge anbieten, die modern aussehen und technologisch auf einem hohen Niveau sind, gleichzeitig aber funktional, praktisch und familientauglich bleiben. Sicherheit spielt ebenfalls eine große Rolle. Unsere Fahrzeuge haben bis zu 24 Assistenzfunktionen und sieben bis zehn Airbags. Bei der Positionierung schauen wir weniger auf andere chinesische Marken, sondern eher auf Hersteller wie Skoda, Hyundai oder Mazda, die sich in Europa über viele Jahre erfolgreich etabliert haben.
Zum Deutschlandstart bringen Sie nur Hybride und Plug-in-Hybride. Ein Elektroauto soll erst Ende 2027 folgen. Ist das angesichts des wachsenden Elektroauto-Markts nicht zu spät?
Wir sehen weiterhin eine deutliche Nachfrage nach Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Viele Kunden wollen elektrifiziert fahren, aber noch die Sicherheit eines Verbrennungsmotors haben. Deshalb liegt unser Fokus zunächst darauf. Wir investieren aber parallel in vollelektrische Modelle. Einen ersten Ausblick gibt der Tiggo 3, den wir auf dem Pariser Autosalon vorstellen werden. Weitere Elektroautos werden anschließend sukzessive in Europa folgen.
Etliche chinesische Hersteller versuchen derzeit, mit hohen Rabatten schnell Marktanteile zu gewinnen. Wird Chery da mitmachen?
Unsere Listenpreise sollen von Anfang an wettbewerbsfähig sein, auch wenn die endgültigen Preise noch nicht feststehen. Aber 2027 geht es uns nicht darum, mit kurzfristigen Aktionen künstlich hohe Zulassungszahlen zu produzieren. Damit würde man sehr schnell die Restwerte beschädigen, und davon haben weder Kunden noch Händler langfristig etwas. Wir wollen zunächst ein stabiles Händlernetz, funktionierende Prozesse und eine nachhaltige Marktposition aufbauen. Deutschland soll für Chery ein langfristiges Projekt sein.









