Dienstwagen-Check: 160 von 249 mit roter Karte

Dienstwagen-Check 2026 der Politik
160 von 249 Dienstwagen über dem CO2-Grenzwert

Der 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe zeigt: 160 von 249 Dienstwagen von Bund und Ländern überschreiten den CO2-Flottengrenzwert. Größter Treiber ist der Plug-in-Hybrid.

Doppelter Auspuff mit sichtbarem Abgasausstoss eines dunklen Verbrenner-Fahrzeugs – Symbolbild für CO2-Ausstoss bei Dienstwagen
Foto: © hirun via Canva.com

Die politische Rhetorik zum Klimaschutz und die tatsächlich gefahrenen Dienstwagen von Bund und Ländern klaffen weiter auseinander. Der 20. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt: 160 von 249 untersuchten Dienstwagen deutscher Spitzenpolitikerinnen und -politiker überschreiten mit ihrem realen CO2-Ausstoß den EU-Flottengrenzwert. Der Anteil an Verbrennern steigt gegenüber dem Vorjahr wieder, während der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge auf 36 Prozent sinkt. Größter Treiber ist der Plug-in-Hybrid: Mit 42 Prozent stellt er inzwischen die häufigste Antriebsart in den Fuhrparks der Amtsträger.

Dienstwagen der Bundesministerinnen und -minister 2026
0,97 MByte

196 und 262 Gramm: Die Schlusslichter

Bei den Bundesministerien liegen Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien mit jeweils 196 Gramm CO2 je Kilometer am Ende der Skala. Unter den Länderchefs teilen sich Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm den letzten Platz – alle drei fahren sondergeschützte Audi A8 L Security mit Benzinantrieb.

Der Grund für den Rückschritt liegt vor allem im Nutzungsverhalten der Plug-in-Hybride: Sie kommen im Schnitt auf 179 Gramm CO2 je Kilometer und stoßen damit fast dreimal so viel aus wie reine Elektroautos mit durchschnittlich 62 Gramm. Der Grund: Nach den zugrunde gelegten Annahmen fahren die Fahrzeuge nur zu 11 Prozent elektrisch, zu 89 Prozent läuft der Verbrennungsmotor. Selbst reine Verbrenner-Dienstwagen liegen mit 193 Gramm nur wenig höher als der Plug-in-Hybrid-Durchschnitt.

Vom Elektroauto zurück zum Plug-in-Hybrid

Besonders deutlich wird der Rückschritt bei mehreren neu beschafften Fahrzeugen. Die Staatsminister und Staatsministerinnen im Auswärtigen Amt, Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn, sind von ihren bisherigen Elektroautos auf Plug-in-Hybride umgestiegen. Auch Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank, Finanzsenator Andreas Dressel und Sachsens Umweltstaatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch haben ihre Elektroautos gegen Plug-in-Hybride getauscht und überschreiten damit nun den Flottengrenzwert.

„Es ist völlig absurd, dass die Regierungspolitikerinnen und Regierungspolitiker im Jahr 2026 den Anteil von Dienstwagen mit Verbrennungsmotor sogar noch steigern", kommentiert DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Zwei von drei Dienstwagen in unserer Abfrage fahren mit klimaschädlichem Verbrennungsmotor – das ist eine Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik."

Von 134 auf 50 Gramm: Es geht auch andersherum

Dass sich die CO2-Bilanz eines Dienstwagens auch deutlich verbessern lässt, zeigt Hamburgs Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein: Durch den Wechsel auf ein Elektroauto senkte sie den Ausstoß ihres Dienstwagens von 134 auf 50 Gramm CO2 je Kilometer. Die sparsamsten Dienstwagen in der Bundesregierung und unter den Ministerpräsidenten fahren Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan mit 64 Gramm sowie Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir mit 66 Gramm CO2 je Kilometer.

Top 5 der meistgenutzten Dienstwagen 2026 (PDF)
0,78 MByte

Auch beim Vergleich der Umweltministerinnen und -minister zeigen sich große Unterschiede: Bremens Senatorin Henrike Müller verzichtet ganz auf einen Dienstwagen und nutzt stattdessen ein Dienstrad. Das sparsamste Fahrzeug unter den Ressortchefs fährt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer mit 50 Gramm CO2 je Kilometer, während Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann mit 192 Gramm – wie bereits im Vorjahr – das Schlusslicht bildet.

Berlin vorn, Sachsen-Anhalt und MV ganz hinten

Im Vergleich der 16 Landesregierungen liegt Berlin mit durchschnittlich 99 Gramm CO2 je Kilometer vorn, gefolgt von Baden-Württemberg (109) und Schleswig-Holstein (112) – nur diese drei Länder erreichen zumindest eine gelbe Karte. Am Ende der Tabelle stehen wie im Vorjahr Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die weiterhin vollständig auf batterieelektrische Dienstwagen verzichten. Unter den Bundesministerien schneiden nur das Umwelt-, Innen-, Entwicklungs- und Arbeitsministerium mit einer grünen Karte ab. Im Parteienvergleich erhält einzig Bündnis 90/Die Grünen eine grüne Karte, die parteilosen Amtsträger eine gelbe – alle übrigen Parteien liegen im roten Bereich.

Auch ein Blick auf die in den Fuhrparks am häufigsten vertretenen Modelle zeigt die Kluft zwischen den Antriebsarten: Unter den Elektroautos kommt der BMW i7 xDrive60 auf 69 Gramm CO2 je Kilometer, der sparsamste Audi A6 Sportback e-tron auf 52 Gramm. Bei den Plug-in-Hybriden reicht die Spanne der Top 5 von 182 Gramm (BMW 750e xDrive, BMW M760e xDrive) bis 202 Gramm (Audi A8). Reine Verbrenner-Dienstwagen liegen mit 169 bis 198 Gramm in einer ähnlichen Größenordnung wie die Plug-in-Hybride – trotz vorhandener Batterie und Steckdose.

So hat die DUH die Werte ermittelt

Für die Erhebung hat die DUH von Januar bis Juni 2026 rund 249 Dienstwagen von Amtsträgerinnen und Amtsträgern in Bund und Ländern abgefragt. Fahrzeuge des Bundeskanzlers, des Vizekanzlers sowie der Minister für Verteidigung, Inneres und Äußeres fließen nicht in die Wertung ein. Die reale CO2-Bilanz von Plug-in-Hybriden ermittelt die DUH über einen reichweitenspezifischen Utility-Faktor unter Annahme eines elektrischen Fahranteils von rund 11 Prozent. Die DUH fordert Bund und Länder auf, bei jeder Neubeschaffung konsequent auf effiziente vollelektrische Fahrzeuge umzusteigen und klimaschädliche Plug-in-Hybride künftig aus den Dienstwagenflotten zu verbannen.