E-Flotten: Ohne Förderung droht die Bremse

E-Autos erstmals stärkster Antrieb
Doch ohne Förderung droht der Rückschritt

E-Autos sind erstmals der stärkste Antrieb im Flottenmarkt. Doch die Dataforce-Studie zeigt: Wirtschaftlichkeit treibt den Umstieg auf E-Autos. Gleichzeitig würden 54 Prozent der Unternehmen ohne Förderung langsamer elektrifizieren oder ganz aussteigen.

Mehrere Elektroautos der Volkswagen Gruppe laden an öffentlichen Ladepunkten.
Foto: Volkswagen Group Info Services AG

Elektroautos liegen im deutschen Flottenmarkt erstmals vor allen anderen Antrieben. Doch eine Dataforce-Studie zeigt: Ohne Förderung und Regulierung würden viele Unternehmen das Tempo drosseln.

94 Prozent der Großflotten fahren elektrisch

Die Elektrifizierung deutscher Firmenflotten schreitet deutlich voran. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten batterieelektrische Pkw im relevanten Flottenmarkt einen Anteil von 30 Prozent und lagen damit erstmals vor Diesel, Benzinern und Plug-in-Hybriden. Seit 2020 ist der BEV-Anteil kontinuierlich gestiegen, während vor allem der Diesel an Bedeutung verloren hat. In Großflotten mit mindestens 50 Fahrzeugen verfügen bereits 94 Prozent über mindestens ein Elektroauto.

Kosten schlagen Image

Der wichtigste Grund für den Umstieg ist laut einer Studie von Dataforce im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland nicht das Image, sondern die Wirtschaftlichkeit. 74 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen mit Elektrofahrzeugen im Bestand oder konkreten Anschaffungsplänen nennen Kostenersparnisse als entscheidenden Treiber. 59 Prozent bewerten die Gesamtkosten von E-Autos inzwischen günstiger als die von Verbrennern. Vorteile sehen die Befragten vor allem bei Energie, Steuern sowie Wartung und Verschleiß.

Der positive Trend hat jedoch eine Schwachstelle: Die Elektrifizierung trägt sich nach Einschätzung vieler Unternehmen noch nicht vollständig aus eigener Kraft. 54 Prozent der Firmen mit Elektrofahrzeugen würden ihre Umstellung ohne zusätzliche Förderung und Regulierung verlangsamen oder ganz stoppen. Nur 46 Prozent wollen ihre bisherige Strategie auch ohne staatliche Unterstützung unverändert fortsetzen.

Kleine Betriebe hängen stärker an Anreizen

Damit relativiert die Untersuchung die Aussage, allein wirtschaftliche Vernunft treibe den Markt. Zwar verbessert sich die Kostenrechnung für Elektroautos. Steuerliche Vorteile, Förderprogramme und politische Zielvorgaben bleiben jedoch wichtige Stützen. Ändern sich die Rahmenbedingungen kurzfristig, könnten Unternehmen Investitionen verschieben. Besonders abhängig von Förderung und Regulierung sind kleinere Betriebe. Bei ihnen spielen Zuschüsse und steuerliche Anreize eine größere Rolle als bei Großunternehmen, die ihre Flottenplanung häufig langfristiger an eigenen Nachhaltigkeitszielen ausrichten.

Beschaffung wird bis 2035 fast emissionsfrei

Vor allem größere Unternehmen zeigen sich dennoch zuversichtlich. Zwei Drittel der Flotten mit mindestens 50 Fahrzeugen halten es für wahrscheinlich, ab 2035 nahezu ausschließlich emissionsfreie Pkw zu beschaffen. Ein Viertel bezeichnet dies sogar als sehr wahrscheinlich. Die Angaben beziehen sich allerdings auf die künftige Beschaffung und nicht automatisch auf einen vollständig emissionsfreien Fahrzeugbestand.

Auch im Wettbewerb verschiebt sich das Bild. Hersteller deutscher Konzerne stellten im ersten Halbjahr 2026 noch 73 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos im Flottenmarkt. Gleichzeitig können sich 44 Prozent der Befragten vorstellen, künftig Modelle chinesischer Marken wie BYD oder XPeng einzusetzen. Besonders offen sind Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen gesammelt haben.

PHEV-Anteil soll deutlich sinken

Plug-in-Hybride profitieren weiterhin von steuerlichen Vorteilen, doch ihre Rolle dürfte schrumpfen. In großen Flotten verfügen derzeit noch 71 Prozent über mindestens einen PHEV. Bis 2030 planen nur noch 46 Prozent mit dieser Antriebsart. Dataforce verweist zudem darauf, dass Plug-in-Hybride bei geringer elektrischer Nutzung hohe Kraftstoffkosten verursachen können und ihr wirtschaftlicher Vorteil dadurch schwindet.

Die Studie zeichnet damit ein widersprüchliches Bild: Elektroautos sind im Flottenmarkt erstmals die stärkste Antriebsart und überzeugen zunehmend bei den Gesamtkosten. Gleichzeitig hängt das weitere Wachstum stark von verlässlicher Regulierung, steuerlichen Vorteilen und Ladeinfrastruktur ab. Der Durchbruch ist erreicht – selbsttragend ist die Entwicklung aber noch nicht.