Firmenwagen-Studie: Kosten gehen vor Status

MHC-Umfrage zu Auswahlkriterien bei Firmenwagen
Kosten und Aufwand schlagen den Status

Firmenwagen werden offenbar nüchterner betrachtet. Eine Umfrage der MHC Mobility zeigt, welche Rolle Kosten, Serviceaufwand, Antriebe und Budgetspannen bei der Auswahl inzwischen spielen.

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Foto: Thomas Küppers

Der Firmenwagen bleibt in vielen Betrieben wichtig, aber die Begründung verschiebt sich. Für Fuhrparkmanager ist das relevant, weil Beschaffung, Car Policy und Antriebsmix weniger über Prestige laufen und stärker über Kosten, Einsatzprofil und Verwaltungsaufwand. Eine Omniquest-Umfrage im Auftrag von MHC Mobility unter 998 Berufstätigen in Deutschland zeigt, wie pragmatisch Firmenfahrzeuge inzwischen bewertet werden. Vom Statussymbol zum Arbeitsmittel

79 Prozent der Befragten aus Unternehmen mit Firmenfahrzeugen sehen beim Firmenwagen vor allem die notwendige Mobilität im Vordergrund, etwa für Außendienst, Technik oder andere Tätigkeiten. Nur 21 Prozent betrachten ihn in erster Linie als Benefit zur Motivation und Bindung von Mitarbeitenden. Auch die Vergabe folgt diesem Muster: 56 Prozent nennen Aufgabenbereich oder Notwendigkeit als Kriterium, 35 Prozent Position oder Vergütungsstufe. Nur 9 Prozent berichten, dass der Firmenwagen individuell im Arbeitsvertrag verhandelt wird.

„Der Firmenwagen ist in vielen Unternehmen kein Statussymbol, sondern eher ein Mittel zum Zweck“, sagt Rainer Thies, CEO von MHC Mobility. Für Fuhrparks ist daran vor allem die operative Lesart interessant: Wird das Fahrzeug nach Aufgabe vergeben, muss auch die Fahrzeugauswahl zur Nutzung passen – vom Außendienstwagen bis zum Servicefahrzeug.

Grafik der MHC-Mobility-Studie zu Auswahlkriterien bei Firmenwagen, darunter Kosten, Serviceaufwand und Konnektivität.
MHC Mobility

Bei der Auswahl eines Firmenwagens nennen Befragte laut MHC-Mobility-Studie vor allem geringe Kosten sowie wenig Aufwand für Wartung, Service und Versicherung. Das neueste Modell spielt nur eine geringe Rolle.

Kosten bleiben das stärkste Kriterium

Bei der Auswahl eines Firmenwagens stehen wirtschaftliche und praktische Kriterien vorn. 45 Prozent nennen geringe Kosten als einen der wichtigsten Faktoren. Fast gleichauf liegt der Wunsch nach möglichst wenig Aufwand für Wartung, Service und Versicherung mit 42 Prozent. Dahinter folgen technische Ausstattung und Konnektivität mit 33 Prozent, eine bekannte Marke mit 30 Prozent und hoher Komfort mit 29 Prozent. Hohe Motorleistung spielt mit 12 Prozent deutlich seltener eine Rolle. Das neueste Modell nennen nur 8 Prozent.

Damit verschiebt sich auch die Diskussion in der Beschaffung. Entscheidend ist nicht allein die monatliche Rate, sondern der Gesamtaufwand über die Nutzung hinweg. Wer Reifen, Wartung, Versicherung, Fahrzeugwechsel und Verfügbarkeit sauber einkalkuliert, kann Angebote besser vergleichen. MHC Mobility liest daraus eine steigende Nachfrage nach stärker serviceorientierten Modellen. Für die redaktionelle Einordnung bleibt aber: Die Studie zeigt vor allem, dass Fuhrparks Kostentransparenz und Prozessentlastung höher gewichten als Image oder Motorleistung.

Grafik zur MHC-Mobility-Studie: Elektroauto und Benziner liegen bei künftigen Antrieben im Firmenfuhrpark gleichauf.
MHC Mobility

Bei den bevorzugten künftigen Antriebsarten im Firmenfuhrpark liegen Elektroautos und Benziner laut MHC-Mobility-Studie jeweils bei 46 Prozent. 59 Prozent nennen mindestens eine elektrifizierte Antriebsform.

E-Auto und Benziner liegen gleichauf

Beim künftigen Antriebsmix ergibt sich kein klares Entweder-oder. Elektroautos und Benziner werden jeweils von 46 Prozent als bevorzugte künftige Antriebsart im Firmenfuhrpark genannt. Hybride, also HEV und PHEV, kommen auf 31 Prozent, Diesel auf 29 Prozent. Zugleich bevorzugen 59 Prozent der Befragten aus Unternehmen mit Firmenfahrzeugen mindestens eine elektrifizierte Antriebsform – batterieelektrisch oder hybrid.

Für Mobilitätsmanager bedeutet das: Der Fuhrpark wird nicht automatisch rein elektrisch, aber auch nicht einfach konventionell bleiben. Vielmehr dürfte der Mix stärker nach Einsatzprofil, Ladeoptionen, Kostenrahmen und internen Vorgaben sortiert werden. Die Zahlen sprechen eher für parallele Lösungen als für eine einzige Antriebsstrategie.

Balkendiagramm der MHC-Mobility-Studie zu monatlichen Firmenwagenbudgets in Unternehmen.
MHC Mobility

Die monatlichen Budgets pro Firmenfahrzeug unterscheiden sich laut MHC-Mobility-Studie deutlich. 37 Prozent der Befragten berichten von variierenden Budgets je nach Position oder Fahrzeugtyp.

Budgets bleiben uneinheitlich

Auch bei den monatlichen Budgets zeigt die Umfrage große Unterschiede. 37 Prozent geben an, dass das Budget je nach Position oder Fahrzeugtyp stark variiert. 30 Prozent nennen 500 bis 699 Euro pro Monat und Firmenfahrzeug. 14 Prozent liegen bei 300 bis 499 Euro, 10 Prozent bei 700 bis 899 Euro. 5 Prozent kalkulieren mit 900 Euro und mehr, 4 Prozent mit weniger als 300 Euro.

Für die Car Policy ist das ein heikler Punkt. Unterschiedliche Budgets können unterschiedliche Aufgaben abbilden, müssen aber nachvollziehbar geregelt sein. Sonst entstehen Grauzonen zwischen notwendigem Mobilitätsbedarf, Vergütungslogik und individueller Erwartung. Gerade wenn Elektroautos, Hybride, Benziner und Diesel parallel in der Flotte laufen, wird die Vergleichbarkeit der Kosten schwieriger.

Infografik der MHC-Mobility-Studie zur Bedeutung von Firmenwagen und zur Vergabe nach Bedarf oder Position.
MHC Mobility

Die MHC-Mobility-Studie zeigt: 79 Prozent der Befragten sehen beim Firmenwagen die notwendige Mobilität im Vordergrund. Bei der Vergabe zählen vor allem Aufgabenbereich oder Notwendigkeit.

Firmenwagenpolitik wird kleinteiliger

Die Studie zeigt damit weniger das Ende des Firmenwagens als seine sachlichere Begründung. Fahrzeuge bleiben ein wichtiges Instrument betrieblicher Mobilität, werden aber stärker nach Zweck, Kosten und Aufwand bewertet. Für Anbieter steigt der Druck, nicht nur Fahrzeuge bereitzustellen, sondern transparente Budgets, passende Laufzeiten und integrierte Services abzubilden.

Für Fuhrparkverantwortliche ist die Konsequenz konkreter: Die Car Policy muss erklären, wer warum welches Fahrzeug bekommt, welche Antriebe zu welchen Einsätzen passen und welche Kostenbestandteile in die Entscheidung einfließen. Genau dort entscheidet sich, ob der Firmenwagen intern als Werkzeug verstanden wird – oder weiter als Statusfrage diskutiert wird.