EU-Pläne: Verbrenner-Dienstwagen unter Druck

Neue Steuer-Pläne für Firmenwagen
Will die EU Elektro-Autos stärker bevorzugen?

Das Europäische Parlament berät über Vorgaben für saubere Unternehmensfahrzeuge. Berichten zufolge stehen auch Steuervorteile für Verbrenner-Dienstwagen zur Debatte.

EU-Flagge vor geparkten Elektroautos an einem Unternehmensstandort.
Foto: © Foregiss/Küppers via Canva.com

In Brüssel wird weiter über neue Regeln für Unternehmensflotten beraten. Offiziell geht es um einen Verordnungsvorschlag zu „Clean Corporate Vehicles“, den die EU-Kommission als Teil ihres Automotive Package eingebracht hat. Nach Angaben des Europäischen Parlaments soll der Vorschlag nationale Mindestanteile für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge bei neuen Unternehmenszulassungen großer Unternehmen festlegen.

Damit geraten Firmenwagen stärker in den Bereich europäischer Klimapolitik. Der Grund ist der Marktanteil: Unternehmenszulassungen machen nach Angaben des Europäischen Parlaments rund 60 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in der EU aus. Bei leichten Nutzfahrzeugen, Bussen und Lkw ist der Markt noch stärker gewerblich geprägt.

Berichte über Steuerpläne ab 2028

Über die offizielle Verordnung hinaus wird offenbar auch über steuerliche Anreize diskutiert. Nach Informationen des Handelsblatts, sollen EU-Staaten ab 2028 praktisch keine steuerlichen oder finanziellen Vorteile mehr für fossil betriebene Firmenwagen gewähren dürfen. Stattdessen könnten Vorteile stärker auf elektrische Fahrzeuge gelenkt werden.

Beschlossen ist das nicht. Die Vorschläge werden im Europaparlament und zwischen den Mitgliedstaaten beraten. Zudem liegt die Steuerhoheit grundsätzlich bei den einzelnen Ländern. Für Deutschland wäre ein solcher Vorstoß dennoch politisch und wirtschaftlich heikel, weil der Dienstwagenmarkt hier eine besonders große Rolle spielt.

Deutschland wäre stark betroffen

Viele Neuwagen deutscher Hersteller laufen zunächst als Firmenwagen oder Leasingfahrzeuge in den Markt und kommen später als junge Gebrauchte zu Privatkunden. Würden steuerliche Vorteile für Verbrenner-Dienstwagen zurückgefahren, könnte das die Modellwahl in Unternehmen verändern. Arbeitgeber könnten ihre Car Policies stärker auf elektrische Fahrzeuge ausrichten, Beschäftigte bekämen häufiger E-Autos statt Diesel oder Benziner angeboten.

Schon heute ist der steuerliche Abstand groß. Reine Elektro-Dienstwagen bis 100.000 Euro Bruttolistenpreis werden in Deutschland bei der privaten Nutzung mit 0,25 Prozent des Listenpreises versteuert. Für Verbrenner gilt im Regelfall weiterhin die Ein-Prozent-Regelung. Eine zusätzliche europäische Vorgabe würde diese bestehende Lenkungswirkung weiter verschärfen.

Folgen für Flotten und Gebrauchtwagenmarkt

Die Folgen würden nicht beim Neuwagenmarkt enden. Ein großer Teil junger Gebrauchtwagen stammt aus Firmen- und Leasingflotten. Bestellen Unternehmen künftig deutlich mehr Elektroautos, wächst mit zeitlicher Verzögerung auch das Angebot gebrauchter E-Fahrzeuge. Das könnte Privatkäufern mehr Auswahl bringen, aber zugleich den Druck auf Restwerte und Ladeinfrastruktur erhöhen.

„Made in Europe“ als zusätzlicher Hebel

Nach Handelsblatt-Informationen wird zusätzlich über sogenannte „Made in Europe“-Kriterien gesprochen. Steuerliche oder finanzielle Vorteile könnten demnach an europäische Wertschöpfung gekoppelt werden. Auch das Europäische Parlament nennt im Zusammenhang mit dem Vorschlag zu sauberen Unternehmensfahrzeugen Vorgaben, nach denen Mitgliedstaaten finanzielle Unterstützung für Firmenwagen und Vans nur dann gewähren sollen, wenn bestimmte europäische Herkunftskriterien erfüllt sind.

Für Hersteller wäre das ein industriepolitisch sensibles Signal. Europäische Marken könnten profitieren, wenn Förder- oder Steuervorteile stärker an regionale Produktion gebunden werden. Gleichzeitig müsste klar definiert werden, was als europäische Produktion gilt – etwa Endmontage, Batterie, Komponentenanteile oder Wertschöpfungstiefe.

Noch ist vieles offen

Derzeit bleibt der Ausgang des Verfahrens offen. Im Rat gibt es Vorbehalte gegen strengere Vorgaben für Unternehmensflotten, auch Deutschland hatte sich in früheren Debatten kritisch gezeigt. Im Parlament liegt das Dossier bei den Ausschüssen ENVI und TRAN; als Berichterstatter sind François Kalfon und Tiemo Wölken aus der sozialdemokratischen S&D-Fraktion benannt.