Wer schon mal 20 Stunden im Monat mit Excel-Tabellen und Flottenberichten verbracht hat, weiß: Das ist keine Verwaltung, das ist ein zweiter Job. Genau da will Ford Pro ansetzen und schickt seinen KI-Assistenten Ford Pro AI jetzt nach Europa.

Digitale Dienste verknüpfen Fahrzeuge, Apps und Flottendaten. Ford Pro baut sein Softwaregeschäft aus und integriert den KI-Assistenten direkt in die Telematikplattform.
Das kostet Ford Pro AI
Das System steckt direkt in Ford Pro Telematics, kostet keinen Aufpreis und beantwortet Fragen zu Fahrzeugen und Flotten in normaler Sprache – ganz ohne separate Einrichtung. Das Telematik-Abo selbst schlägt laut Ford mit rund neun bis zwölf Euro pro Fahrzeug und Monat zu Buche, je nach Funktionsumfang und Flottengröße. Eine eigenständige Nutzung ohne Telematics-Abo ist nicht vorgesehen.
„Wir wollen die menschlichen Fähigkeiten der Flottenmanager erweitern, nicht ersetzen“, sagt Jeremy Gould, Director Ford Pro Solutions Europe. Vor allem kleinere Unternehmen träfe das Problem hart: Dort gibt es oft gar keinen eigenen Fuhrparkmanager, sondern jemanden, der die Flotte nebenbei zu Finanzen, Einkauf oder dem operativen Geschäft mitbetreut. „Flottenmanager müssen viele verschiedene Aufgaben bewältigen – von Personalwesen und Disposition bis hin zu Wartung, Budgetierung und Kundenservice“, so Gould weiter.

Ford Pro Telematics bündelt Fahrzeug-, Lade- und Nutzungsdaten in einer zentralen Plattform. Ford Pro AI soll solche Flotteninformationen künftig per Texteingabe leichter auswertbar machen.
So viel Zeit kostet Flottenverwaltung
Eine Ford-Befragung von rund 200 Flottenverantwortlichen in Deutschland und Großbritannien zeigt das Ausmaß: Bei solchen „Hybrid-Managern“ frisst die Flottenverwaltung fünf bis zehn Prozent der Arbeitszeit – macht 15 bis 20 Stunden im Monat. Jeder ungeplante Ausfall kostet zusätzlich im Schnitt 2,4 Stunden Verwaltungsarbeit, in mittleren und größeren Flotten sogar bis zu 2,7 Stunden je Vorfall. 60 Prozent der Befragten beschäftigen sich sogar täglich mit der Erfassung und Auswertung der Gesamtbetriebskosten.
Flottendaten per Chat abfragen
Statt mehrere Ansichten zu öffnen, Filter zu setzen und Daten nach Excel zu exportieren, tippt man die Frage einfach ins Eingabefeld der Telematikplattform: Welche Fahrer hatten die meisten Tempoverstöße? Welche Fahrzeuge standen wochenlang ungenutzt herum? Welches Auto war außerhalb der Betriebszeiten unterwegs? Wie lange stand ein Fahrzeug am Einsatzort, und welche Fahrzeuge bewegen sich außerhalb eines definierten Gebiets?
Die KI erstellt auch Tabellen und E-Mails
In der Produktdemo lieferte das System auf Anfrage sofort eine Rangliste der drei Raser mit den meisten Verstößen – inklusive Aufschlüsselung und Link zum zugrunde liegenden Bericht. Ergebnisse lassen sich weiter eingrenzen, als Tabelle anzeigen oder als CSV exportieren. Sogar Entwürfe für interne E-Mails schreibt der Assistent auf Wunsch gleich mit. „Wir bewegen Telematik von der reinen Berichterstattung hin zu Erkenntnissen“, bringt es Gould auf den Punkt.
Ausgewertet werden unter anderem Fahrverhalten, Fahrzeugauslastung, Standortverläufe, Leerlaufzeiten, Kraftstoffverbrauch und Wartungsbedarf – auch aktive Motorwarnungen, anstehende Ölwechsel oder erhöhter Verschleiß lassen sich abfragen. Das Ganze funktioniert markenübergreifend, nicht nur mit Ford-Transportern, sondern auch mit Pkw und Fahrzeugen anderer Hersteller, sofern die Daten über Ford Pro Telematics verfügbar sind. Bei Ford-Modellen greift die Plattform allerdings auf zusätzliche Hersteller- und Zustandsdaten zu und liefert dadurch präzisere Ergebnisse. „Einer der großen Vorteile einer Herstellerplattform ist der Zugriff auf umfangreichere Fahrzeugdaten“, sagt Gould.
Diese Funktionen fehlen noch
Zum Start bleibt Ford Pro AI reaktiv: Der Assistent beantwortet Fragen und wertet vorhandene Daten aus, überwacht die Flotte aber nicht selbstständig und schlägt auch nicht unaufgefordert Alarm. Die Zahl der Anfragen ist laut Ford nicht begrenzt, eine Sprachsteuerung fehlt zum Marktstart jedoch ebenso wie eine echte vorausschauende Wartung, die Defekte schon vor der ersten Warnmeldung erkennt. Manche Antworten bleiben zudem recht allgemein – auf die Frage nach Wegen zur Kraftstoffkostensenkung nannte die KI im Briefing etwa schlicht weniger Leerlauf und die Auswertung von Fahrverhaltensdaten.
„Wir stehen hier erst am Anfang. Es gibt noch sehr viel, was wir in diesem Bereich tun können“, räumt Gould ein. Künftig sollen weitere Daten aus Service, Finanzierung und zusätzlichen Ford-Pro-Angeboten einfließen, auch externe Datenquellen könnten eine größere Rolle spielen. Eine eigene Schnittstelle für die KI-Funktionen fehlt noch, die zugrunde liegenden Telematikdaten lassen sich aber bereits per API in andere Unternehmenssysteme übertragen.
KI-Antworten nicht ungeprüft übernehmen
Ford betont zudem, dass KI-generierte Antworten fehlerhaft sein können und Nutzer die Ergebnisse anhand der verfügbaren Daten prüfen sollten. Vertrauliche, geschäftskritische oder sensible personenbezogene Informationen gehören nicht in den Chat. Bestehende Rollen und Zugriffsrechte aus Ford Pro Telematics werden übernommen – niemand sieht also plötzlich mehr Fahrzeugdaten als vorher freigeschaltet.
Ford wächst mit digitalen Diensten
Der Ausbau passt ins Bild: Ford treibt sein Geschäft mit digitalen Diensten konsequent voran. Ende des zweiten Quartals 2026 zählte der Hersteller weltweit mehr als 900.000 aktive kostenpflichtige Software-Abonnements – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.








