Kia EV4 im Praxistest

Endlich ein Elektroauto für Vielfahrer
Kia EV4 überzeugt auf Langstrecke

Viel Platz, hohe Effizienz und eine Reichweite, die selbst lange Autobahnetappen entspannt erscheinen lässt: Der Kia EV4 zeigt im Praxistest, warum er für viele Dienstwagenfahrer interessant ist. Der Praxistest mit allen Infos und Bildergalerie.

Kia EV4 GT-Line 2025
Foto: Kia

Was muss ein Auto können? Für die einen sind es 300 km/h auf der linken Spur, andere wollen mit ihm über den Rubicon fahren. Die meisten Nutzer suchen jedoch einen bequemen, geräumigen, praktischen, leisen, variablen, bezahlbaren, antrittsstarken und zugleich sparsamen Pkw. All diese Eigenschaften vereint tatsächlich ein Auto: der Kia EV4 mit Steilheck und großem Akku. Wer einen ausgewogenen Pkw der Vernunft mit einem breiten Spektrum an Vorteilen sucht, wird hier ziemlich sicher fündig, wie ein mehrmonatiger Praxistest gezeigt hat.

Flache Karosserie, guter cw-Wert

Der EV4, das deutet der Name an, fährt natürlich rein elektrisch. Er tritt in der Golfklasse an. Die Steilheckversion misst 4,43 Meter in der Länge und 1,86 Meter in der Breite, fällt mit 1,49 Metern Höhe für ein Elektroauto jedoch erstaunlich flach aus. Den Koreanern ist es gelungen, ein mächtiges Batteriepaket unterzubringen, ohne der Karosserie die in dieser Klasse inzwischen üblichen zehn Zentimeter Höhenzuwachs aufzunötigen. Das zahlt auf die auch sonst an einigen Stellschrauben optimierte Windschlüpfrigkeit ein. Der flache Vorderwagen, bündig integrierte Türgriffe und weitere aerodynamische Kniffe sorgen für einen cw-Wert von 0,23. Zum Vergleich: Ein VW ID.3 kommt auf 0,27. Der Unterschied mag gering erscheinen, macht in der Praxis, vor allem bei höherem Tempo, jedoch einen echten Unterschied von fünf bis zehn Prozent bei der Reichweite aus.

Kia EV4 GT-Line 2025
Kia

Der Arbeitsplatz im EV4 bietet viel Platz, praktische Ablagen und eine zeitgemäße digitale Bühne.

Viel Raum im Elektro-Kompakten

Der EV4 ist nicht klein und entsprechend großzügig fällt sein Innenraum aus. In jeder Richtung sitzen die Passagiere luftig, können sich regelrecht herumlümmeln, statt sich ständig mit Fuß, Knie, Ellenbogen oder Haupthaar irgendwo zu schubbern. Auch langbeinige Erwachsene reisen auf der Rückbank bequem. Sogar drei Personen halten es dort dank fehlendem Mitteltunnel und breiter Sitzbank problemlos aus. Der Kofferraum fasst 435 bis 1.415 Liter und ist damit fast so groß und in jedem Fall so variabel wie der eines Kombis. Familie, Reise, Einkauf oder Umzug: Dieser Wagen ist für viele Einsatzszenarien bestens aufgestellt.

Cockpit mit breitem Bildschirmband

Auch digital. Beim Cockpit vertraut Kia auf das aus vielen Modellen bekannte breite Bildschirmband, das sowohl die Instrumente hinter dem Lenkrad als auch das Infotainment zwischen Fahrer und Beifahrer vereint. Die Bedienung erfolgt überwiegend über den Touchscreen oder die berührungsempfindlichen Tasten darunter. Das funktioniert meist reibungslos. Auch mit Android Auto. Natürlich kann man die zahlreichen Funktionen des Kia-Ökosystems nutzen. Uns gefiel es allerdings besser, das eigene Smartphone auf das Display zu spiegeln und so Musikdienste sowie bei Google Maps hinterlegte Navigationsziele direkt zu verwenden. Das erleichtert auch den Verzicht auf kostenpflichtige Online-Dienste von Kia.

Langstrecke mit wenig Verbrauch

Sein größtes Pfund sind die ausgewogenen Fahreigenschaften verbunden mit der hohen Reichweite. Von den 81,4 kWh Akkuinhalt der Long-Range-Version bleiben 78 kWh nutzbar. Die WLTP-Reichweite liegt jenseits der 600 Kilometer. In der Praxis hängt der Aktionsradius natürlich von vielen Faktoren ab. Positiv überrascht hat uns, dass man problemlos ohne Ladestopp etwa von Bonn nach Bremen fahren kann. Auf der Autobahn mit Tempo 130, frühlingshaften Temperaturen und aktivierter Klimaanlage lag der Verbrauch bei rund 19 kWh pro 100 Kilometer. Selbst wer häufiger längere Strecken und höhere Geschwindigkeiten fährt, wird mit dem EV4 nicht ständig von einer Rückkehr zum Verbrenner träumen. Auch Touren von München nach Hamburg lassen sich mit nur einer Ladepause bewältigen.

Kia EV4 GT-Line 2025
Kia

Der EV4 Fünftürer ist etwas über 4,40 Meter lang und ragt damit schon leicht über das klassische Kompaktformat hinaus.

Ladeleistung und Schnellladen im Test

Die kann allerdings etwas länger ausfallen. Kia hat dem Wettrüsten um 800-Volt-Systeme beim EV4 eine Absage erteilt und stattdessen auf die günstigere 400-Volt-Technik gesetzt. Zwischenzeitlich lassen sich am Schnelllader knapp 130 kW abrufen, wobei die Ladekurve über längere Zeit im dreistelligen Bereich bleibt. Ab 80 Prozent Akkustand wird es allerdings zäh. Bei einem Ladestopp benötigten wir an einem überdimensionierten 300-kW-Lader 51 Minuten, um 64 kWh nachzuladen. Hier gibt es Wettbewerber mit größeren Akkus und mehr Ladeleistung. Angesichts der hohen Effizienz erscheint der von Kia gewählte Kompromiss für Langstrecken dennoch akzeptabel.

Stromkosten bleiben niedrig

Wer unterwegs beispielsweise für 46 Cent pro Kilowattstunde lädt, kommt mit rund neun Euro 100 Kilometer weit. Mit Hausstrom sind es weniger als sechs Euro. Wer in der Stadt sparsam unterwegs ist, schafft die gleiche Distanz sogar für vier bis fünf Euro. Bei den Betriebskosten hat ein vergleichbarer Verbrenner jedenfalls klar das Nachsehen.

Ausgewogener Antrieb, frühe Elektronik

Dabei ist der EV4 auch fahrdynamisch erfreulich ausgewogen. Der Durchzug des 150 kW/204 PS starken Frontmotors ist ordentlich. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in weniger als acht Sekunden. Bei 170 km/h ist allerdings Schluss. Um dieses Tempo zu erreichen, muss sich der Koreaner keineswegs anstrengen. Das konventionelle Fahrwerk hinterlässt einen stimmigen Eindruck. Kein Poltern, keine übertriebene Härte, keine unangenehm synthetische Lenkung. Der Unterbau bleibt im Alltag in jeder Hinsicht unauffällig. Und das ist gut so. Wer dennoch Lust verspürt, etwas zügiger über Landstraßen zu fahren, könnte dem Koreaner sogar gewisse sportliche Anlagen attestieren. Hier spielt natürlich der tiefe Schwerpunkt seine Trümpfe aus. Gleichzeitig macht das Gewicht von mindestens 1,9 Tonnen ebenso auf sich aufmerksam wie die Elektronik, die allzu forschen Manövern frühzeitig Einhalt gebietet. Der EV4 wirkt dabei eher so, als würde er das sportliche Gehabe nur vorspielen.

Kia EV4 GT-Line 2025
Kia

Das Design des EV4 hat eine progressive Note, die allerdings nicht jedem zusagt.

Preis steigt mit großer Batterie

Bodenständig bleibt er beim Preis, allerdings nicht ganz bei unserem Testwagen. Bei 31.597 Euro (alle Preise netto) geht es mit der kleineren 58-kWh-Batterie los. 36.336 Euro kostet die Variante mit großem Akku. Für die von uns getestete GT-Line werden allerdings schon 41.546 Euro aufgerufen. Dann sind Nettigkeiten wie Premium-Soundsystem, 19-Zoll-Räder, Smartphone-Schlüssel und Wärmepumpe an Bord. Ganz voll ist der EV4 damit allerdings noch nicht. Glasdach, Park-Paket mit elektrischen Sitzen und elektrischer Heckklappe, Remote-Parkfunktion sowie das Connect-Paket für V2L und V2X treiben den Wunschlos-glücklich-Preis auf rund 45.378 Euro. Dafür bekommt man dann allerdings auch ein Auto, das dem Ideal eines perfekten Allrounders ziemlich nahekommt.

Kia EV4 – Technische Daten

Fünftürige, fünfsitzige Kompaktlimousine; Länge: 4,43 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 435-1.415 Liter

E-Motor mit 150 kW/204 PS, Drehmoment: 283 Nm, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 170 km/h, Verbrauch: 16,2 kWh/100 km, Akkugröße: 81,4 kWh, Reichweite: 584 km, Ladeleistung: 128 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 31 Minuten, AC: 10-100 % in 7:15 Std., Verbrauch: 15,8/100 km; Testverbrauch: 17,5 kWh/100 km

Preis: ab 41.546 Euro.

Kurzcharakteristik – Kia EV4

Warum: stimmiges Gesamtpaket bei Antrieb/Batterie, viel Platz

Warum nicht: relativ hoher Preis für die Variante mit viel Reichweite

Was sonst: Opel Astra, Cupra Born, VW ID.3