Green NCAP CO2-Test: E-Autos im Lebenszyklus

Öko-Ranking von Green NCAP im Check
CO2-Lebenszyklus: E-Autos nicht immer vorn

Vom elektrischen Kleinwagen bis zur Business-Limousine: Green NCAP-Testergebnisse zeigen, warum manche Stromer schwächeln und wo konventionelle Antriebe im CO2-Ranking überraschend punkten können.

Green-NCAP-Grafik mit sieben getesteten Automodellen auf einer Straße vor Bergkulisse.
Foto: Green NCAP

Flottenmanager und Dienstwagenfahrer entscheiden nicht nur nach Leasingrate, Marke oder Reichweite. Gerade User-Chooser können bei der Fahrzeugwahl durchaus umweltbewusst handeln – zumindest dann, wenn sie belastbare Informationen bekommen. Doch daran hakt es oft. Die gemeinnützige Initiative Green NCAP versucht, diese Lücke mit einer Nachhaltigkeitsbewertung über den gesamten Lebenszyklus zu schließen. Die Organisation betrachtet nicht nur Verbrauch und lokale Emissionen, sondern auch Rohstoffe, Produktion, Energieversorgung und Recycling.

Damit rücken Punkte in den Vordergrund, die in der Dienstwagenentscheidung oft nur indirekt auftauchen: Fahrzeuggewicht, Batteriegröße, reale Effizienz und die Frage, wie viel Energie ein Auto tatsächlich über sein Leben hinweg benötigt.

Kriterien für die reale Lebenszyklusbilanz

Die Ergebnisse zeigen: Elektroautos liegen in der aktuellen Bewertung vorn. Doch daraus folgt nicht automatisch, dass jedes E-Auto die bessere Wahl ist. Green NCAP macht vielmehr sichtbar, dass effiziente, kompakte Fahrzeuge in der Lebenszyklusbilanz besonders stark abschneiden. Große Akkus, hohes Gewicht und ungünstige Einsatzbedingungen können die Bilanz dagegen belasten – auch wenn am Auspuff keine Emissionen entstehen. Die sieben hier neu vorgestellten Modelle ergänzen eine Datenbank von inzwischen fast 200 getesteten Fahrzeugen. Alle Ergebnisse sind über greenncap.com abrufbar.

Jeep Avenger Electric (5 Sterne, 96 %):

Top-Lebenszyklus für das kleine E-SUV. Unter milden Realbedingungen verbraucht er schätzungsweise 16,4 kWh/100 km, im Kältetest bei minus sieben Grad steigt der Wert jedoch auf 24,8 kWh. Das zeigt zwei Seiten einer Bilanz: Der reale Einsatz bleibt entscheidend, besonders bei vielen Winter- oder Kurzstrecken.

Mini Cooper E (5 Sterne, 95 %):

Ein Paradebeispiel für Effizienz durch Kompaktheit. Mit 1.561 kg Gewicht und einer kleinen 36,6-kWh-Batterie erreicht er sensationelle 9,7 von 10 Punkten im Energieeffizienz-Index (117 g CO₂-Äq./km). Wer planbare Strecken ohne riesige Langstreckenreserve fährt, fährt hiermit umweltfreundlicher als mit schweren Riesen-Akkus.

Renault 5 E-Tech (5 Sterne, 94 %):

Der elektrische Kleinwagen glänzt dank seiner leichten Plattform (1.453 kg) mit minimalen Umwelteinflüssen bei Produktion und Betrieb. Ideal für den Stadtverkehr, den regionalen Einsatz oder als Poolfahrzeug, sofern kleinere Fahrzeuge in die Car Policy passen.

Citroën C3 Hybrid (3,5 Sterne, 62 %):

Das Mildhybrid-System spart vor allem im Stadtverkehr Kraftstoff, der ökologische Vorsprung gegenüber reinen Benzinern bleibt jedoch begrenzt. Eine pragmatische Zwischenlösung für Fuhrparks ohne Ladeinfrastruktur, aber kein großer Schritt zur Dekarbonisierung.

Dacia Sandero TCe 100 (3 Sterne, 59 %):

Der einfache Benziner beweist, dass "günstig und konventionell" nicht automatisch katastrophal sein muss. Er punktet mit geringem Gewicht und solider Real-Effizienz. Für strenge CO₂-Ziele reicht es wegen der fossilen Emissionen über den Lebenszyklus dennoch nicht.

VW Passat 1.5 eTSI (3 Sterne, 52 %):

Auf der Autobahn zeigt sich der Benziner zwar besonders effizient, verursacht im Betrieb aber kontinuierlich CO₂ (Treibhausgaswertung: 3,4 von 10 Punkten). Als Langstreckenläufer praktisch, gerät er in einer echten Lebenszyklus-Klimabilanz gegenüber E-Autos ins Hintertreffen.

BMW 520i Mildhybrid (2,5 Sterne, 46 %):

Trotz hochwirksamer Abgasreinigung belasten das hohe Fahrzeuggewicht (1.805 kg) und der fossile Kraftstoff die Treibhausgaswertung massiv (2,7 von 10 Punkten). Das zeigt exemplarisch, warum große Verbrenner in modernen Nachhaltigkeitsratings unter Druck geraten.

Kriterien für den ökologischen Fußabdruck

"Batteriegröße, Fahrzeuggewicht und die Nachhaltigkeit der Energieversorgung prägen den ökologischen Fußabdruck eines Autos", sagt Dr. Aleksandar Damyanov, Technical Manager Green NCAP. Die Bewertung soll zeigen, welche Modelle über den gesamten Lebenszyklus hinweg die geringsten Umweltauswirkungen haben.

Für User-Chooser kann diese Transparenz wichtig werden. Wer ein umweltverträglicheres Dienstwagenmodell wählen will, braucht mehr als Reichweite, Ladeleistung und Listenpreis. Ein kleines, effizientes E-Auto kann in der Bilanz besser dastehen als ein schweres Verbrennerfahrzeug; ein großes Elektroauto mit viel Batterie ist umgekehrt nicht automatisch die nachhaltigste Lösung.