MHC Mobility hat europaweit die Marke von 50.000 Fahrzeugen überschritten. DACH-Chef Rainer Thies erklärt im Interview, was hinter dem Wachstum steckt und warum das Unternehmen mit Laufzeiten von drei bis 72 Monaten bewusst zwischen klassischer Autovermietung und Leasing positioniert ist. Zudem geht es um Restwertrisiken bei Elektroautos, elektrischen Nutzfahrzeugen, chinesischen Herstellern, eigene Werkstätten und steigende Anforderungen an ESG-Daten. Wo stößt das Modell an Grenzen? Und wie will MHC vom Wandel bei Flotten, Antrieben und Mobilitätsformen profitieren?
Was treibt MHC Mobility auf mehr als 50.000 Fahrzeuge?
Wir sind in allen drei großen europäischen Regionen gewachsen: in Benelux, Mittel- und Osteuropa sowie in der DACH-Region. Den größten Anteil hat Benelux mit rund 23.000 Fahrzeugen, gefolgt von Polen und Ungarn mit etwa 15.000 sowie Deutschland und Österreich mit rund 12.000 Fahrzeugen. Das Wachstum kam vor allem durch neue Kunden. Unser Modell liegt zwischen klassischer Autovermietung und Leasing. Diese Positionierung kommt bei Unternehmen gut an, gerade wenn sie neue Mobilitätsformen oder Elektrofahrzeuge zunächst erproben möchten.
Gehören die 50.000 Fahrzeuge MHC selbst?
Nein. Die 50.000 Fahrzeuge befinden sich im Eigentum unserer Gruppe. Reines Flottenmanagement spielt mengenmäßig eine untergeordnete Rolle. In Deutschland sind die Fahrzeuge in der Regel auch auf uns zugelassen. Dadurch können wir administrative Aufgaben übernehmen und gleichzeitig über das große Einkaufsvolumen attraktive Konditionen erzielen.
Warum vermietet MHC Fahrzeuge bis zu 72 Monate?
Unsere Laufzeiten reichen von drei bis 72 Monaten. Ab etwa 24 Monaten bewegen wir uns sehr nah am Full-Service-Leasing. Der Kunde kann dann sein Fahrzeug individuell konfigurieren und nach seinen Anforderungen zusammenstellen. Bei kürzeren Laufzeiten greift er in der Regel auf Fahrzeuge aus unserem verfügbaren Bestand zurück. Lange Laufzeiten von über 24 Monaten können beispielsweise bei Spezialfahrzeugen sinnvoll sein. Wir haben viele Kunden aus dem Service- und Dienstleistungsbereich, darunter Pflegedienste oder Transportunternehmen. Wenn ein Fahrzeug für die Beförderung von Menschen mit Behinderung umgebaut werden muss, lässt sich diese Investition über eine längere Laufzeit wirtschaftlicher darstellen. Das Gleiche gilt für Ausbauten, etwa für Handwerksunternehmen oder Paketdienste.

Rainer Thies verantwortet das Geschäft von MHC Mobility in Deutschland und Österreich. Europaweit umfasst der eigene Fahrzeugbestand inzwischen mehr als 50.000 Fahrzeuge.
Was unterscheidet Langzeitmiete vom Full-Service-Leasing?
Unsere Rate ist grundsätzlich als All-inclusive-Angebot ausgelegt. Sie enthält unter anderem Wartung, Verschleiß, Versicherung, Schadenmanagement und Unfallreparaturen. Entscheidend ist außerdem, dass wir bei den Laufzeiten flexibler sein können und Fahrzeuge nach einer Rückgabe erneut einsetzen.
Wann lohnt sich Langzeitmiete – und wann Leasing?
Das hängt stark vom Einsatzzweck ab. Unternehmen benötigen Flexibilität beispielsweise für Projekte, Auftragsspitzen, neue Mitarbeitende oder wenn sie eine Antriebsart erst testen möchten. Bei langfristig feststehendem Bedarf kann eine längere Laufzeit wirtschaftlicher sein. Entscheidend ist, dass Laufzeit, Fahrzeug und Nutzungsszenario gut zusammenpassen.
Warum werden TCO und ESG-Daten für Flotten wichtiger?
Die Kunden betrachten zunehmend die Gesamtkosten, also die TCO. Unsere Rate deckt bereits einen großen Teil dieser Kosten ab. Das macht die Gesamtkosten kalkulierbar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Reporting und Transparenz. Gerade größere Unternehmen erwarten zunehmend Angaben zu ESG-Kriterien und zur Entwicklung ihrer Elektromobilität. Allerdings lassen sich noch nicht alle Daten vollständig abbilden. Beim Laden eines Elektroautos ist beispielsweise nicht immer eindeutig feststellbar, ob tatsächlich Ökostrom verwendet wurde. Hier gibt es weiterhin Grenzen bei der Datenerhebung.
Warum liegt der E-Auto-Anteil in Deutschland erst bei zehn Prozent?
Das hat viel mit unserer Kundenstruktur zu tun. Unser Vorgängerunternehmen Maske AG war stark im Nutzfahrzeuggeschäft und in der Baubranche verankert. Diese Branche gehört bis heute zu unseren größten Kundensegmenten. Dort kommt die Elektromobilität langsamer voran, weil das Angebot an geeigneten elektrischen Nutzfahrzeugen noch begrenzt ist und Anforderungen wie Reichweite, Nutzlast oder Anhängelast besonders wichtig sind. In Deutschland liegt der reine Elektroanteil bei etwa zehn Prozent, in Österreich bereits bei rund 25 Prozent. In Deutschland sehen wir deshalb noch erhebliches Potenzial und arbeiten hier mit Hochdruck daran, dieses Potenzial auch zu nutzen.
Wo stoßen elektrische Transporter und Pick-ups noch an Grenzen?
Das Angebot wächst, aber viele praktische Fragen sind branchenweit noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Ein Beispiel: elektrische Pick-ups oder Transporter mit hoher Anhängelast. Für Bauunternehmen ist es wichtig, dass sie einen Anhänger ziehen können. Gleichzeitig fehlen häufig belastbare Angaben zur Reichweite im Anhängerbetrieb. Auch das Laden wird schwieriger, etwa wenn das Gespann an der Ladesäule abgekoppelt werden muss. Deshalb wird die eigene Ladeinfrastruktur bei solchen Kunden wichtiger. Hier arbeiten wir mit Partnern zusammen. Über unsere Konzernschwester Lichtblick können wir Unternehmen bei entsprechenden Konzepten unterstützen.
Wie begrenzt MHC das Restwertrisiko bei Elektroautos?
Natürlich müssen wir sorgfältig kalkulieren, welchen Wert ein Fahrzeug zum geplanten Aussteuerungszeitpunkt noch haben wird. Ein Vorteil unseres Modells ist jedoch, dass wir Fahrzeuge mehrfach einsetzen können. Gibt ein Kunde ein Auto nach acht Monaten zurück, können wir es einem anderen Kunden anbieten und in einen weiteren Nutzungszyklus überführen. Wir unterliegen dabei nicht zwingend festen Rückkaufvereinbarungen. Ein Kunde kann ein Fahrzeug zunächst für sechs Monate mieten und es anschließend 36 oder 48 Monate weiterfahren. Umgekehrt können wir es bei einer Rückgabe erneut vermieten. Das verschafft uns zusätzliche Möglichkeiten, auf die tatsächliche Nachfrage und die Restwertentwicklung zu reagieren.
Welche chinesischen Automarken überzeugen bei MHC?
Der Anteil ist noch vergleichsweise gering, wächst aber. Wir nehmen neue Modelle ins Portfolio, sammeln eigene Erfahrungen und lassen Kunden die Fahrzeuge testen. Mit XPeng haben wir beispielsweise gute Erfahrungen gemacht, insbesondere mit dem G6. BYD hatte aus unserer Sicht einen schwierigeren Marktstart. Einzelne frühe Modelle waren nicht leicht zu vermarkten. Die Kunden verlangen chinesische Fahrzeuge noch nicht automatisch. Häufig sprechen sie uns gezielt darauf an oder unser Vertrieb bringt die Modelle aktiv ins Gespräch. Vorbehalte nehmen aber ab, wenn Fahrzeugqualität und TCO überzeugen. Die wettbewerbsfähigen Listenpreise vieler chinesischer Modelle können dabei ein starkes Argument sein.

MHC Mobility setzt auf eigene Werkstätten: Wartung, kleinere Reparaturen und weitere Servicearbeiten übernimmt das Unternehmen mit eigenen technischen Mitarbeitenden.
Was nimmt MHC Fuhrparkverantwortlichen konkret ab?
Wir betreiben in Deutschland neun MHC Mobility Center mit eigenen technischen Mitarbeitenden und Werkstätten. Dort übernehmen wir unter anderem Wartungen, Reifenwechsel, Klimaanlagenchecks und kleinere Reparaturen. Bei Garantiefällen oder Spezialarbeiten greifen wir auf Hersteller- und Partnerwerkstätten zurück. Für Fahrzeuge mit Wartungspaket bieten wir im Umkreis von 25 Kilometern um die Standorte einen Hol- und Bringservice an. Die fahrzeugbezogenen Kosten sind bereits in der monatlichen Mietrate enthalten. Bei Bedarf stellen wir Ersatzwagen bereit, zunehmend auch Elektroautos. So verbinden wir einheitliche Qualitätsstandards mit einer Betreuung vor Ort.









