Denza Z9GT: BYDs Fahrassistenz im Paris-Test

BYDs Assistenzsystem im Praxistest
Wie souverän fährt der Denza durch Paris?

Der Denza Z9GT soll mit BYDs Fahrassistenz auch schwierige Stadtsituationen bewältigen. Eine Testfahrt in Paris führt zum Arc de Triomphe – und zeigt neben Fortschritten auch klare Grenzen.

BYD Intelligent Drive Tech 2027
Foto: Rudolf Huber/SP-X

Ein Software-Update – mehr ist nicht nötig, um die „intelligente Antriebstechnik“ CNOA in Aktion zu setzen. Die Hardware ist bei der ersten autonomen Speerspitze in Gestalt des Z9GT von BYD-Nobeltochter Denza schon ab Werk installiert. Dabei geht es um eine Rundum-Vollausstattung aus LiDAR-Sensor, Radarsensoren und am Fahrzeug montierten Kameras. Die Aktivierung des Systems erfordert nur einen Impuls an einem Lenkradhebel, dann kann es schon losgehen. Wir starten am Denza-Showroom im Herzen von Paris und biegen nach wenigen Metern in die zur werktäglichen Mittagszeit heillos verstopfte Avenue des Champs-Élysées ein. Das Gewimmel ist beeindruckend, Pkw- und Transporterfahrer liefern sich im Verein mit offenbar todessehnsüchtigen Roller-, Motorrad- und Fahrradpiloten einen heißen Kampf um jeden Zentimeter Verkehrsfläche.

Baustelle erzwingt den ersten Eingriff

Dass auch noch eine temporäre Baustelle kurz vor dem Arc de Triomphe die per Navigation gewählte Fahrspur blockiert, erfordert das erste Eingreifen des hinterm Steuer sitzenden BYD-Mitarbeiters: Dieses Hindernis hatte die CNOA-Sensorik offenbar nicht auf dem Schirm. Aber gar kein Problem: Schließlich ist der Mensch hinter dem Lenkrad bei Level 2+ obligatorisch. Und er trägt nach wie vor die volle Verantwortung.

BYD Intelligent Drive Tech 2027
BYD

Intelligent Drive: Der Mensch hinter dem Lenkrad muss nur noch in Notsituationen eingreifen.

Arc de Triomphe: ein Härtetest ohne Spuren

Jetzt kommt der echte Härtetest. Der Kreisverkehr um den Arc de Triomphe gilt völlig zu Recht als eine der heißesten Adressen im europäischen Straßenverkehr. Auf dem Display des Z9GT wird zwar so etwas Ähnliches wie Fahrspuren angezeigt. Aber auf dem Kopfsteinpflaster sind keinerlei Markierungen zu erkennen. Hier zählen Durchsetzungskraft und eine gewisse Geschmeidigkeit. Wer zu viel bremst, hat schon verloren. Eine komplizierte Situation für das elektronische System. Denn das ist in erster Linie auf Sicherheit ausgelegt. Wenn andere Verkehrsteilnehmer gegen die Regeln verstoßen oder mitunter sehr spontane Richtungsänderungen durchführen, hält sich CNOA dezent zurück. Wie soll das in diesem Monster-Kreisel klappen?

Beim Abbiegen wird es eng

Die Spannung im Fahrzeug ist jedenfalls hoch, nicht nur bei den Gästen, sondern auch beim Chauffeur und bei einer in Reihe zwei mitfahrenden BYD-Ingenieurin. Zunächst läuft alles nach Plan und ziemlich flüssig. Beim Versuch, mehrere Spuren nach rechts durchzustoßen, um den Kreisverkehr wieder zu verlassen, wird es dann aber doch noch interessant. Der Denza fährt nach menschlichem Verständnis zu weit, die Ausfahrt ist eigentlich schon passiert. Dank eines kühnen Schwenks in eine Lücke und der unfreiwilligen Kooperation einiger etwas irritiert blickender Verkehrsteilnehmer wird das Zwischenziel aber doch noch unversehrt erreicht – ohne Ehrenrunde. Für den Beobachter auf dem Beifahrersitz ist die Situation ein bisschen irritierend – ein Mensch würde das Problem sicher anders angehen. Obwohl: Letztlich zählt ja das Ergebnis – und dass alle heil geblieben sind.

BYD Intelligent Drive Tech 2027
BYD

Autonom durch Paris: Die Teststrecke führt auch am berühmtesten Wahrzeichen der Stadt vorbei.

Auch der Zebrastreifen wird zur Hürde

Bei der weiteren Fahrt durch die französische Metropole mit deutlich geringeren Anforderungen wächst das Vertrauen in die Technik, leicht getrübt wird dieser Eindruck allerdings doch noch einmal: Ein Jugendlicher will auf einem etwas verblichenen Zebrastreifen über die Straße gehen, die Sensorik erfasst ihn erst so spät, dass ein kräftiger Bremseingriff nötig wird. Auch das hätte ein aufmerksamer Mensch am Steuer wohl eleganter hinbekommen.

Was die Beta-Version bereits kann

Aber der Automat im Denza ist ja auch noch ein Lernender, eine Beta-Version der Intelligent Drive Tech von BYD. Er sammelt Tag für Tag neues Wissen, um nach Abschluss seiner Ausbildung und nach der Freigabe durch die Zulassungsbehörden mehr Komfort beim alltäglichen Stopp-and-Go-Generve zu bieten. Oder um Ortsfremden das Fahren in so krassen Verkehrssituationen wie in der Innenstadt von Paris zu erleichtern. Klar ist jedenfalls: Wenn man nicht an den Basiseinstellungen herumdoktert, bleibt man dauerhaft von Blitzer-Fotos verschont: „God's Eye“ hält sich strikt an Tempolimits – ganz im Gegensatz zu gefühlt allen anderen Verkehrsteilnehmern bei der Runde durch die Pariser City.