Honda Prelude: Hybrid-Coupé im Test

Test Honda Prelude e:HEV Hybrid-Coupé
Wie sportlich fährt der Hybrid?

Der neue Honda Prelude kombiniert Hybridtechnik mit sportlichem Coupé-Format. Warum das Konzept überraschend gut funktioniert und der Antrieb die Hauptrolle spielt, zeigt die erste Fahrt. Alle Infos mit großer Bildergalerie.

Honda Prelude Coupé e:HEV 2026
Foto: Honda

Vollhybridantriebe gelten als effizient und vernünftig – nicht unbedingt jedoch als emotionale Antriebsquelle für ein sportliches Coupé. Bei Honda sieht man das offenbar anders. Die Japaner kombinieren beim neuen Prelude einen seriellen Hybridantrieb mit einem bildhübschen Flachbau und versuchen dabei, Effizienz und Fahrspaß miteinander zu versöhnen. Dafür hat Honda tief in die Trickkiste gegriffen und dem in erster Linie vernunftbasierten und teilelektrischen Antrieb überraschend viele Emotionen eingehaucht.

Warum Honda keinen Elektro-Prelude bauen wollte

Wäre ein rein elektrischer Prelude nicht konsequenter gewesen? Honda-Technikexperte Ko Yamamoto winkt ab: „Dann wäre das Auto viel zu schwer.“ Ein Leichtgewicht ist der Teilzeitstromer zwar ebenfalls nicht. Rund 1,5 Tonnen bringt das Coupé auf die Waage. Dennoch bleibt er deutlich unterhalb der zwei Tonnen, die etwa ein rein elektrischer Roadster wie der MG Cyberster, der aktuell als eines der wenigen emissionsfreien Spaßgeräte in ähnlicher Preisregion unterwegs ist.

Klassisches Coupé ohne Design-Übertreibungen

Emotionen transportiert der Honda in jedem Fall. Der Prelude wirkt flach, breit und fast wie ein klassischer Hecktriebler. Erst der zweite Blick verrät, dass der Antrieb unter der Fronthaube sitzt. Honda verzichtet erfreulicherweise auf übertriebene Aggressivität im Design. Keine überzeichneten Kanten, keine effekthascherischen Lichtspiele. Stattdessen setzt das Coupé auf eine zeitlose, fast schon elegante Sportlichkeit. Das dürfte auch in zwanzig Jahren noch funktionieren, zumal man einen Prelude wohl kaum an jeder Straßenecke sehen wird. Der Honda trägt deshalb eine angenehm klassische Exoten-Aura zur Schau.

Honda Prelude Coupé e:HEV 2026
Honda

Technisch ist der Zweitürer eng mit dem Honda Civic verwandt.

Der Preis der Schönheit bleibt vergleichsweise moderat. Zwar verlangt der Einstieg wegen der niedrigen Dachlinie etwas Körpereinsatz, anschließend sitzt man vorne jedoch überraschend luftig. Hinten gibt es zwei Notsitze, die höchstens für Kinder taugen. Wer größer als 1,70 Meter ist, kommt in Zwangskontakt mit der flach abfallenden Heckscheibe. Der Kofferraum unter der großen Heckklappe fällt tief, aber eher flach aus. Für Wochenendgepäck oder kleinere Transportaufgaben reicht das Format dennoch gut aus. Die elegante Heckform fordert allerdings ihren Tribut bei der Rundumsicht, was eine Rückfahrkamera zumindest teilweise kompensiert.

Cockpit mit klassischen Bedienelementen

Das Sitzgefühl erinnert eher an einen Gran Turismo als an einen kompromisslosen Sportwagen. Man sitzt tief, aber nicht bodennah. Zusammen mit der guten Seitenführung und dem fahrerorientierten Cockpit entsteht dennoch ein angenehm sportliches Ambiente. Honda setzt weiterhin auf zwei physisch klar getrennte Bildschirme statt auf ein großes Panoramadisplay. Das Infotainment wirkt zwar nicht mehr ganz taufrisch, doch immerhin funktioniert die Integration von Android Auto tadellos. Entsprechend schnell fühlt man sich im Alltag zuhause.

Positiv fällt zudem die Materialqualität auf. Weiche Kunststoffe, sauber bezogene Türtafeln, griffige Schalter und angenehm wertige Oberflächen sorgen für einen hochwertigen Eindruck. Nichts klappert, nichts wirkt billig. Vor Knarzgeräuschen bleibt man auch auf Landstraßen zweiter und dritter Ordnung verschont.

Honda Prelude Coupé e:HEV 2026
Honda

Der Arbeitsplatz des Prelude ist leicht sportlich und alltagstauglich eingerichtet.

Fahrwerk profitiert vom Civic Type R

Genau dort fühlt sich der Prelude ohnehin am wohlsten. Kurvige Landstraßen liegen dem Flachbau. Viele Fahrwerkskomponenten stammen vom Honda Civic Type R, der längst bewiesen hat, dass Frontantrieb Fahrspaß keineswegs ausschließt. Die Lenkung arbeitet direkt, die Bremsen packen sauber zu und selbst der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Verzögerung gelingt ungewöhnlich harmonisch. Das kennt man von vielen Hybrid- und Elektroautos deutlich schlechter.

Zum kompromisslosen Kurvenräuber wird der Prelude dennoch nicht. Dafür fehlt ihm etwas letzte Schärfe. Das passt allerdings gut zum Charakter des Wagens, der eher sportlicher Gran Turismo als Hardcore-Sportgerät sein will.

Hybridantrieb mit 184 PS Systemleistung

Auch der Antrieb schlägt in diese Kerbe. Das Hybridsystem kombiniert zwei E-Motoren mit einem Zweiliter-Benziner. Das Trio liefert 135 kW/184 PS Systemleistung, was einen Sprint auf Tempo 100 in 8,2 Sekunden erlaubt. Schnell genug also, aber nicht brachial. Wer auf der linken Spur gerne dauerhaft den Platzhirsch gibt, wird sich allerdings anderweitig umsehen müssen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 188 km/h, laut Tacho kratzt der Prelude knapp an der 200er-Marke.

Honda Prelude Coupé e:HEV 2026
Honda

Ein schönes Detail ist die dezent wirkende, sich über die gesamte Breite des Hecks erstreckende Rückleuchte.

Simulierte Gangwechsel sorgen für Emotionen

Seine eigentliche Besonderheit liegt ohnehin woanders: im Zusammenspiel aus Antrieb, Sound und Getriebe. Honda simuliert über das eigentlich einstufige e-CVT eine Achtgang-Automatik, inklusive Schaltrucken, Drehzahlsprüngen und akustischer Dramaturgie. Im Sport- und GT-Modus fühlt sich das Coupé tatsächlich erstaunlich authentisch an. Beim Hochschalten sackt die Drehzahl hörbar ab, beim Herunterschalten jubelt der Verbrenner wie bei einem Zwischengasstoß kurz auf. Gleichzeitig nimmt die Steuerung minimal Leistung zurück, wodurch kleine Zugkraftunterbrechungen entstehen. Das Ergebnis wirkt deutlich emotionaler, als man es von einem Hybridantrieb erwarten würde. Wer allerdings den besonderen VTEC-Moment alter Preludes erwartet, bei dem der Vierzylinder beim Umschalten auf ein schärferes Nockenprofil plötzlich eine motorradartige Emotionalität entwickelt, könnte dennoch ein wenig enttäuscht sein.

Überraschend niedriger Verbrauch trotz Sport-Inszenierung

Angesichts der Akustik könnte man einen durstigen Antrieb erwarten. Doch genau hier liegt eine der Stärken des Honda-Konzepts. Trotz der Sport-Inszenierung bleibt der Prelude effizient. Auf Landstraße und Autobahn mit Richtgeschwindigkeit pendelte sich der Testverbrauch bei 6,4 Litern ein. In der Stadt wird das Coupé noch sparsamer. Dort fährt der Honda häufig elektrisch und gewinnt viel Energie zurück. Werte unter fünf Litern sind dann durchaus realistisch.

Prelude bleibt ein teures Nischenmodell

Trotz der Spar-Allüren: Ein Schnäppchen ist der Prelude leider nicht. Mindestens 41.597 Euro (alle Preise netto) ruft Honda auf. Dafür gibt es allerdings bereits eine umfangreiche Ausstattung und vor allem ein Auto mit Seltenheitswert. Außerdem: Günstigere Alternativen existieren in diesem Segment nicht. Außer vielleicht bei Honda selbst: Wer die Hybridtechnik mag, aber mehr Alltagstauglichkeit sucht, findet zumindest im Civic eine deutlich rationalere und rund 9.750 Euro günstigere Lösung. So charmant, eigenständig und verwegen wie der Prelude ist der fünftürige Technikbruder allerdings nicht.

Honda Prelude Coupé e:HEV – Technische Daten

Zweitüriger, viersitziges Sport-Coupé der Kompaktklasse; Länge: 4,53 Meter, Breite: 1,88 Meter, Höhe: 1,35 Meter, Radstand: 2,60 Meter, Kofferraumvolumen: 264 bis 760 Liter

Hybridantrieb mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner und E-Motor, 135 kW/184 PS, maximales Drehmoment: 315 Nm, Frontantrieb, Ein-Gang-Automatik mit Acht-Gang-Doppelkupplung-Simulation, 0-100 km/h: 8,2 Sek., Vmax: 188 km/h, Normverbrauch: 5,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 117 g/km; Testverbrauch: 6,4 l/100 km

Preis: 41.597 Euro

Honda Prelude Coupé e:HEV – Kurzcharakteristik

Warum: Fahrspaß, Aura, Verbrauch

Warum nicht: Fahrleistungen

Was sonst: Mazda MX-5, Subaru BRZ, Toyota Supra, BMW 2er Coupé