Kia EV5 im Reisetest: Reichweite und Kosten

Kia EV5 auf großer Urlaubsfahrt
4.000 Kilometer: Was der EV5 wirklich kann

Zwei Wochen, rund 4.000 Kilometer und viel Campinggepäck: Der Kia EV5 musste auf dem Weg in die Bretagne zeigen, wie urlaubstauglich er ist. Bei Reichweite und Ladetempo gab es Überraschungen.

Weißer Kia EV5 an einer Fastned-Schnellladesäule unter einem Holzdach mit integrierten Solarmodulen.
Foto: SP-X/Mario Hommen

Mit einem Elektroauto in den Urlaub fahren? Selbst überzeugte E-Autofahrer sehen darin noch immer eine gewisse Herausforderung. Wir haben uns mit dem Kia EV5 dennoch auf einen zweiwöchigen, rund 4.000 Kilometer langen Trip in die Bretagne gewagt. Und dabei einige handfeste Vorteile entdeckt, die nicht nur den Urlaubskomfort erhöht, sondern auch die Reisekasse spürbar entlastet haben. Davon abgesehen erwies sich das Kompaktklasse-SUV als überzeugender Allrounder mit spritzigem Antrieb, viel Platz und ausgeprägten Familienauto-Qualitäten.

Kia EV5: Weniger futuristisch als seine Geschwister

Wie die anderen EV-Modelle von Kia ist auch der EV5 ein reinrassiger Stromer. Anders als die kleineren Schwestermodelle EV3 und EV4 setzt er allerdings auf eine leichter verdauliche, gefälligere Optik. Der Kia-typische Futurismus bleibt dezent und verleiht den stimmigen SUV-Proportionen gerade so viel Eigenständigkeit, dass der Koreaner nicht beliebig wirkt.

Platzangebot im Kia EV5: Reicht es für den großen Urlaub?

Auch im Innenraum geht es vergleichsweise konventionell zu. Der 4,61 Meter lange Fünfsitzer bietet reichlich Platz für Passagiere und Gepäck sowie die übliche Variabilität. Der 566 Liter fassende Kofferraum lässt sich laut Hersteller auf bis zu 1.650 Liter erweitern. Hinzu kommt ein 44 Liter großer Frunk unter der Fronthaube. Unser Urlaubsgepäck samt Campingausrüstung für drei Personen ließ sich problemlos verstauen. Damit der Blick durch den Innenspiegel nach hinten frei blieb, montierten wir zusätzlich eine Gepäckrolle auf einem Fahrradträger. Alternativ hätten wir auf dem Träger auch zwei Fahrräder mitnehmen können. Die Anhängerkupplung verträgt eine Stützlast von 100 Kilogramm. Der Stromer darf zudem bis zu 1,2 Tonnen gebremst an den Haken nehmen.

Kia EV5 mit geöffneter Heckklappe, umgeklappter linker Rücksitzlehne und Blick auf die Ladefläche sowie den Innenraum.
Kia

Der Kofferraum des EV5 ist geräumig. Das Gepäckabteil lässt sich klassisch erweitern.​

Bedienung und Infotainment: Wo der Kia EV5 überzeugt

Im Cockpit vertraut Kia auf das aus zahlreichen Modellen bekannte breite Bildschirmband, das die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad und das Infotainmentdisplay zwischen Fahrer und Beifahrer vereint. Die Bedienung erfolgt überwiegend über den Touchscreen und die berührungsempfindlichen Tasten darunter. Das funktioniert meist reibungslos, auch im Zusammenspiel mit Android Auto. Natürlich lassen sich die zahlreichen Funktionen des Kia-eigenen Infotainmentsystems nutzen. Uns gefiel es allerdings besser, das eigene Smartphone auf das Display zu spiegeln und so direkt auf Musikdienste und Google Maps zuzugreifen. Die Materialauswahl geht in Ordnung, auch wenn in den unteren Bereichen viel harter Kunststoff zum Einsatz kommt. Dafür gibt es in den Türen und der Mittelkonsole reichlich Ablagen, Getränkehalter, eine Ladeschale und USB-Anschlüsse.

218 PS im Kia EV5: So fährt sich das Elektro-SUV

Bei unserem Testexemplar handelte es sich um die Frontantriebsversion mit bereits stattlichen 160 kW/218 PS und 81 kWh großem Akku. Beschleunigung und Durchzug fallen entsprechend herzhaft bis souverän aus. Die auf 165 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit könnte manchen Linksspurfan allerdings ernüchtern. Im Alltag reicht das natürlich völlig aus. Zumal man im geräuscharm gleitenden und komfortabel abgestimmten EV5 der Reichweite zuliebe den Abstandstempomaten ohnehin eher auf 120 oder 130 km/h einstellt.

Stromkosten auf 4.000 Kilometern: Die überraschende Bilanz

Besonders sparsam, etwa im Vergleich zum kompakteren EV4, ist das SUV allerdings nicht. Wir waren häufig mit laufender Klimaanlage unterwegs und absolvierten viele Autobahnetappen. Nach gut 4.000 Kilometern zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von exakt 20 kWh auf 100 Kilometer an. Das kann sich angesichts des Fahrprofils durchaus sehen lassen. Zumal wir in Frankreich häufig an Schnellladern von Electra zu vergleichsweise günstigen Konditionen für 29 Cent pro Kilowattstunde Strom tanken konnten. Unsere Kostenbilanz fiel mit insgesamt rund 250 Euro für Fahrstrom jedenfalls erfreulich niedrig aus. Mit einem vergleichbaren Benziner oder Diesel wären mehr als doppelt so hohe Energiekosten angefallen. Die Urlaubskasse hat es gefreut.

Weißer Kia EV5 an einer Electra-Ladestation mit geöffneter Fahrertür und einem Heckgepäckträger mit roter Reisetasche.
SP-X/Mario Hommen

Der Fahrradträger diente als externes Gepäckabteil.

Kia EV5: Wie weit kommt er auf der Autobahn wirklich?

Auch das Reichweitenpotenzial des EV5 ist ordentlich. Wer zügig und mit laufender Klimaanlage auf der Autobahn unterwegs ist, muss bei vollem Akku nach etwa 300 Kilometern mit dem nächsten Ladestopp rechnen. Abseits der Autobahn können es durchaus 400 Kilometer sein. Da wir an Schnellladern in der Regel weder bis 100 Prozent aufladen noch mit nahezu leerer Batterie ankommen wollten, fielen unsere Etappen allerdings meist kürzer aus. Oft lagen zwischen zwei Ladestopps nur 200 bis 250 Kilometer.

Ladeleistung des Kia EV5: Hier verliert er Zeit

Dabei gehört das Nachladen nicht unbedingt zu den Paradedisziplinen des Koreaners. Die maximale Ladeleistung von 150 kW ruft er meist nur kurz ab. Unser bester Ladestopp brachte 63 kWh in 42 Minuten in den Akku. Mehr Tempo gibt die 400-Volt-Architektur nicht her. Wer möglichst kurze Ladepausen wünscht, sollte sich daher eher nach einem Modell mit 800-Volt-Technik umsehen.

Camping mit dem Kia EV5: Ein Stromanschluss wird überflüssig

Vielleicht hätten wir den Verbrauch des EV5 sogar noch etwas drücken können, wenn wir seine V2L-Funktion weniger intensiv genutzt hätten. Im Frunk lag ein 230-Volt-Adapter bereit, der sich in die Ladebuchse stecken lässt und den Kia zur mobilen Stromquelle für externe Geräte macht. Da wir mehrfach auf Campingplätzen ohne Stromanschluss übernachteten, konnten wir auf diese Weise dauerhaft unsere elektrische Kühlbox betreiben. Zieht diese über mehrere Tage Energie aus der Traktionsbatterie, sinkt der Akkustand allerdings spürbar. Das mussten wir bei unserer Ladeplanung immer wieder berücksichtigen. Grundsätzlich bietet der große Akku jedoch genügend Reserven, um externe Verbraucher auch länger mit Strom zu versorgen. Gerade beim Camping erwies sich das als ausgesprochen praktischer Komfortgewinn.

Weißer Kia EV5 auf einer grünen Wiese neben einem aufgebauten Campingzelt, mit geöffneten Fahrzeugtüren und Campingausrüstung.
SP-X/Mario Hommen

Es gibt auch noch Campingplätze ohne Strom. Wer seinen selbst mitbringt, ist im Vorteil.

Fazit zum Kia EV5: Ein Reiseauto mit überzeugenden Qualitäten

Der EV5 ist ein vielseitiges und ausgewogenes Elektroauto, das für nahezu jedes Mobilitätsbedürfnis gerüstet scheint. Wir haben den Koreaner auf unserer Reise vor allem als geräumiges, komfortables und reichweitenstarkes Urlaubsauto schätzen gelernt. Dass wir dabei auch noch viel Geld bei den Energiekosten sparen konnten, machte die Sache umso erfreulicher.

Kia EV5: Welcher Preis und welche Ausstattung lohnen sich?

Allerdings verlangt Kia für diese Qualitäten zunächst eine ordentliche Investition. Bei 38.655 Euro (alle Preise netto) beginnt das Angebot mit der Basisversion Air. Die nächsthöhere Ausstattung Earth kostet mindestens 41.429 Euro und bietet die aus unserer Sicht unbedingt empfehlenswerte V2L-Funktion. Die Topversion GT-Line (ab 43.450 Euro) mit Massagesitzen, Harman-Kardon-Soundsystem und 19-Zoll-Rädern oder der optionale Allradantrieb (2.105 Euro) müssen es nicht unbedingt sein. Immerhin bleibt der Kia preislich noch deutlich unter dem Niveau des VW ID Tiguan, der mit großer 77-kWh-Batterie in der mittleren Ausstattung Life erst bei 43.151 Euro startet.

Kia EV5 – Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,61 Meter, Breite: 1,88 Meter (mit Außenspiegeln: ca. 2,13 Meter), Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,75 Meter, Kofferraumvolumen: 566 – 1.650 Liter E-Motor mit 160 kW/218 PS, Drehmoment: 295 Nm, 0-100 km/h: 8,4 s, Vmax: 165 km/h, Verbrauch: 16,9 – 17,8 kWh/100 km, Testverbrauch: 20,0 kWh/100 km, Akkugröße: 81,4 kWh, Reichweite: 505 – 530 km (WLTP), Ladeleistung: 150 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 30 Minuten, AC: 10-100 % in 7:20 Std.

Preis: ab 38.647 Euro.

Kia EV5 – Kurzcharakteristik

Warum: E-Antrieb und damit günstig im Unterhalt, viel Platz bei kompakten Maßen, ebene Ladefläche, hoher Fahrkomfort, V2L-Funktion

Warum nicht: kein 800-Volt-Bordnetz

Was sonst: VW ID Tiguan, Skoda Enyaq, Renault Scenic E-Tech