Manchmal braucht es eine längere Pause, um sich wieder daran zu erinnern, wie gut etwas funktioniert. Ja, der Dieselmotor zum Beispiel. Schon nach wenigen Kilometern im Opel Astra wird klar, warum der Selbstzünder über Jahrzehnte als idealer Antrieb für Vielfahrer galt: Er zieht kräftig aus niedrigen Drehzahlen, reagiert spontan aufs Gas und ist mittlerweile kaum noch zu hören. Eigenschaften, die im Wettlauf um Elektroantriebe und Hybride beinahe in Vergessenheit geraten sind.
Was der 130-PS-Diesel besser macht als erwartet
Unter der Haube des Kompaktfahrzeugs arbeitet ein 1,5 Liter großer Vierzylinder. Kein Neuling, der Motor wird seit Jahren bei Opel und den Schwestermarken des Stellantis-Konzerns eingesetzt. Dessen 96 kW/130 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment sind keine Werte, die einen vom Hocker reißen. Doch schon das erste Überholmanöver zeigt: Mehr Leistung ist nicht nötig. In 10,6 Sekunden beschleunigt der Astra auf Tempo 100, bei 209 km/h ist Schluss. Und weil Opel den Motor serienmäßig mit einer komfortablen Achtgangautomatik kombiniert, ist klar, worauf es hier ankommt: entspanntes Cruisen. Auf der Landstraße rollt der Wagen in der Regel mit weniger als 2.000 Touren. Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, schaltet der Motor in den Segelmodus und rollt nahezu ungebremst mit Leerlaufdrehzahl weiter.

Der 1,5 Liter große Vierzylinder mit 96 kW/130 PS kostet mindestens 29.445 Euro netto.
Welche Kompaktwagen noch mit Diesel erhältlich sind
Allerdings ist der Astra Diesel fast schon ein Exot. Kleinwagen mit Selbstzünder sind schon lange verschwunden. Die aufwendige Abgasreinigung steht dort in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Preis der Autos. Und auch in der Kompaktklasse halten nur noch einige Hersteller an ihm fest. Bei den Volumenmodellen sind neben Opel Astra und Peugeot 308 unter anderem Seat Leon, Skoda Octavia und VW Golf weiterhin mit Diesel erhältlich. Auch Audi, BMW und Mercedes halten hier am Selbstzünder fest. In der Mittelklasse, wo der Anteil der Firmenwagen und damit der Vielfahrer besonders hoch ist, bleibt die Auswahl größer, etwa mit VW Passat und Skoda Superb sowie zahlreichen Modellen der Premiummarken.
Fragt sich nur, wie lange noch. Die nächste Hürde heißt Euro 7. Die strenge Abgasnorm gilt ab Ende November dieses Jahres für komplett neue Modelle. Ein Jahr später müssen alle Neuwagen die Vorgaben erfüllen. Zwar werden die eigentlichen Abgasgrenzwerte kaum verschärft. Die Hersteller müssen allerdings nachweisen, dass die Abgasreinigung über einen längeren Zeitraum funktioniert, und zusätzliche Überwachungssysteme einbauen. Kosten, die sich auf den Preis niederschlagen werden. Ob die Kunden dann noch mitspielen, wird sich zeigen. Bei Opel jedenfalls fahren momentan immerhin noch rund 30 Prozent aller Astra mit Selbstzünder vom Band.
Was Opel beim Astra noch einmal verändert hat
Für seinen Endspurt, der Astra ist schon fünf Jahre alt, hat ihn Opel noch einmal aufgefrischt, wenn auch eher behutsam. Einige Retuschen an der Front, darunter ein beleuchteter Opel-Blitz, sowie neue Felgen und Farben sollen wieder Schwung in den Verkauf bringen, der im ersten Halbjahr fast 25 Prozent unter dem Vorjahr lag. Wichtigste technische Neuerung ist das Matrix-Licht mit über 50.000 Leuchtelementen, die je nach Verkehrssituation automatisch angesteuert werden.

Innen gibt es neue Bildschirmgrafiken, andere Dekore und Materialien sowie überarbeitete Sitze.
Innen beschränkt sich die Überarbeitung auf neue Grafiken für die Bildschirme, andere Dekore und Materialien und Änderungen an den Sitzen. Eine Vertiefung in der Sitzfläche soll den Druck auf das Steißbein verringern. Der Dieselantrieb selbst wurde nicht angetastet, was in diesem Fall kein Nachteil ist. Mehr war wohl auch nicht nötig, denn der Nachfolger ist bereits beschlossen. Er soll auf der neuen Stellantis-Plattform STLA ONE basieren und erneut in Rüsselsheim entwickelt und gebaut werden. Einen Termin und Angaben zu den Antrieben nennt Opel noch nicht.
Warum der Diesel teurer als der Hybrid ist
Preislich ist der Diesel allerdings eine Ansage: Der Astra kostet als Selbstzünder mindestens 29.445 Euro netto und damit 1.387 Euro netto mehr als der Hybrid mit 107 kW/145 PS. Auch auf dem Papier spricht zunächst einiges für den elektrifizierten Benziner. Beide verbrauchen nach WLTP um die 5,0 Liter.

Nach WLTP liegt der Verbrauch wie beim Hybrid bei rund 5,0 Litern.
Wo die Achtgangautomatik den Unterschied macht
Der Preisabstand relativiert sich allerdings, denn beim Diesel gehört die sehr komfortabel arbeitende Achtstufenautomatik zur Serienausstattung. Der Hybrid kombiniert seinen Benziner und den kleinen Elektromotor dagegen mit einem elektrifizierten Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten und Lastwechseln erreicht es nicht die Geschmeidigkeit der klassischen Automatik. Der Hybrid ist stärker, günstiger und auf dem Papier sauberer. Beim Fahrkomfort liegt dennoch der Diesel vorn.
Vier Liter zeigen das Langstreckenpotenzial
Und beim Verbrauch? Nach knapp 100 zurückhaltend gefahrenen Kilometern über Landstraßen und kurze Autobahnabschnitte zeigt der Bordcomputer exakt 4,0 Liter je 100 Kilometer an. Man könnte also nonstop von München nach Flensburg fahren. Eine kleine Erinnerung daran, warum der Selbstzünder so lange das Maß der Dinge für Langstreckenfahrer war.
Opel Astra 1.5 Diesel – Technische Daten
Fünftüriger, fünfsitzige Schrägheck-Limousine der Kompaktklasse; Länge: 4,37 Meter, Breite: 1,86 Meter (mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 422–1.339 l
1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 300 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, Achtgang-Automatik, 0-100 km/h: 10,6 s, Vmax: 206 km/h, Normverbrauch: 4,9-5,0 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 130-132 g/km
Preis: ab 29.445 Euro netto (Edition)
Opel Astra 1.5 Diesel – Kurzcharakteristik
Warum: sparsam, spritzig und fast schon sportlich
Warum nicht: teuer, unsicherer Restwert
Wann kommt er: ist im Handel








