Škoda erweitert sein Elektro-Angebot nach unten. Der Epiq ist das bislang kleinste Elektro-SUV der Marke und soll vor allem Käufer ansprechen, denen ein Elroq bereits zu groß oder zu teuer ist. Zugleich besetzt Škoda damit eine für Flotten interessante Position unterhalb des Elroq – etwa für Außendienst, Poolfahrzeuge oder als elektrischen Dienstwagen mit geringerem Platzbedarf. Gleichzeitig bringt er vieles mit, was die größeren Elektro-Škodas erfolgreich gemacht hat.
Testroute: 180 Kilometer in den Bergen
Für die erste Ausfahrt stand ein Epiq 55 in der Ausstattung Selection bereit. Die Strecke führte vom Münchner Flughafen über Kochelsee und Walchensee bis ins österreichische Telfs. Rund 180 Kilometer mit vielen Landstraßen, Steigungen und engen Kurven – also eine brauchbare Gelegenheit, sich nicht nur mit Verbrauch und Komfort, sondern auch mit Fahrwerk und Assistenzsystemen zu beschäftigen.

Im Fond bietet der Škoda Epiq eine gute Kopffreiheit, vor den Knien wird es dagegen enger – hier machen sich die kompakten Abmessungen des Elektro-SUV bemerkbar.
Mit 4,17 Metern Länge bleibt der Epiq überschaubar und nimmt auf der Straße ungefähr die Fläche eines VW Golf ein, nutzt seinen Innenraum aber gut aus. Vorne gibt es auch für größere Fahrer ausreichend Platz. Hinten fällt vor allem die gute Kopffreiheit auf, während es vor den Knien knapper wird – hier merkt man dann doch, dass der Epiq technisch aus der Kleinwagenfamilie des VW-Konzerns stammt.
Warum der Kofferraum-Vergleich hinkt
Der Kofferraum wird mit 475 Litern angegeben. Unter dem in zwei Höhen einsetzbaren Ladeboden befindet sich außerdem ein rund 40 Zentimeter tiefes Fach, in dem beispielsweise Ladekabel verschwinden können. Allerdings wird dieser zusätzliche Raum bei der offiziellen Volumenangabe mitgerechnet. Einen Frunk hatte der Testwagen nicht. Im Laufe der Produktion soll ein etwa 25 Liter großes Fach unter der Fronthaube hinzukommen, viel mehr als ein Ladekabel dürfte dort allerdings kaum Platz finden.

Der Kofferraum des Škoda Epiq fasst offiziell 475 Liter. Mitgerechnet wird allerdings auch das rund 40 Zentimeter tiefe Staufach unter dem variablen Ladeboden – dort lassen sich etwa Ladekabel unterbringen.
Im Innenraum fällt zunächst die Materialauswahl auf. Skoda kombiniert sechs unterschiedliche Oberflächenstrukturen, viele Flächen sind weich ausgeführt. Hartplastik findet sich unter anderem oben an den Türverkleidungen – das fällt angesichts des insgesamt guten Eindrucks zwar auf, ist in dieser Fahrzeugklasse aber auch keine große Überraschung. Die Sitzposition passt, die Rundumsicht ist trotz der recht kräftigen A-Säulen gut, und auch die Sitze hinterließen auf der längeren Teststrecke einen angenehmen Eindruck.

Das zentrale Display des Škoda Epiq bietet eine frei konfigurierbare Schnellzugriffsleiste. Für Klima und wichtige Funktionen setzt Škoda zusätzlich weiterhin auf separate Tasten.
Tasten bleiben, Spracheassistentin hat teilweise geschwächelt
Das zentrale Display ist groß, die zahlreichen Menüs sind logisch aufgebaut. Häufig verwendete Funktionen können per Drag & Drop in eine Schnellzugriffsleiste gelegt werden. Erfreulich ist, dass Skoda nicht alles in den Touchscreen verbannt hat – für Klima und einige weitere Funktionen gibt es weiterhin eine eigene Tastenleiste. Weniger gut funktionierte auf der Testfahrt die Sprachbedienung: Bereits bei der Frage, wie sich die Rekuperation einstellen lässt, kam das System nicht weiter. Besser machte es die Navigation: Nach Eingabe eines weiter entfernten Ziels berechnet das System passende Ladestopps und zeigt dazu Informationen wie Ladeleistung und Verfügbarkeit an. Dafür braucht der Epiq allerdings eine Internetverbindung, die in einigen engeren Alpentälern nicht immer vorhanden war.
Spätes Untersteuern, direkte Bremse
Auf den kurvigen Straßen zwischen Seefeld und Telfs bleibt der Epiq lange neutral und geht in schneller gefahrenen Kurven schließlich ins Untersteuern – ein Fahrwerk, das erkennbar auf Sicherheit statt auf Sportlichkeit ausgelegt ist. Trotz der höheren Karosserie hält sich die Seitenneigung in Grenzen, auch die Lenkung passt zum Charakter des Autos: ausreichend direkt und präzise, ohne künstlich sportlich wirken zu wollen. Die Bremse spricht direkt an, der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Verzögerung ist im Pedalgefühl kaum spürbar.
Bis ungefähr 110 km/h bleibt es im Innenraum angenehm ruhig, bei höherem Tempo nehmen die Windgeräusche merklich zu. Trotz eines cw-Werts von 0,275 gehört die Aeroakustik damit nicht unbedingt zu den Stärken des Epiq.

Auf der rund 170 Kilometer langen Testfahrt kam der Škoda Epiq 55 auf 15,3 kWh/100 km. Der Wert ist allerdings nur eine Momentaufnahme.
Bei den Assistenzsystemen hinterließ vor allem der adaptive Tempomat einen guten Eindruck. Auf der Teststrecke wechselte das System zuverlässig zwischen Tempolimits von 50, 70 und 80 km/h, beschleunigte danach selbstständig wieder und bremste entsprechend ab. Das vermittelte während der gesamten Fahrt ein sicheres Gefühl. Auch der Spurhalteassistent überzeugte: Er greift zwar spürbar ein, sobald der Epiq von der Spur abweicht, wirkt dabei aber nicht nervös oder überkorrigierend, wie es bei manchen Wettbewerbern der Fall ist.
Kleine Extras mit langer Tradition
Auch bei den Kleinigkeiten bleibt Skoda seiner „Simply Clever"-Linie treu. In der Fahrertür steckt ein ausklappbarer Regenschirm, in der Heckklappe ein Eiskratzer. Dazu kommen eine Tasche fürs Ladekabel, Flaschenhalter in allen vier Türen, Kleiderhaken an den B-Säulen und ein Easy-Open-Getränkehalter im Mitteltunnel – Details, die im Testalltag zwar nicht den Ausschlag geben, aber die hohe Ausstattungsdichte für den Einstiegspreis unterstreichen.
Drei Leistungsstufen ab 25.900 Euro
Der Einstieg erfolgt mit dem Epiq Essence 35 für 25.900 Euro. Damit ist er der günstigste vollelektrische Skoda und liegt deutlich unter dem bisherigen elektrischen Einstiegsmodell Elroq 60. Epiq 35 und Epiq 40 nutzen eine 38,5-kWh-LFP-Batterie mit rund 310 Kilometern WLTP-Reichweite; der Epiq 35 leistet 85 kW (115 PS), der Epiq 40 kommt auf 99 kW (135 PS). Für Vielfahrer ist der Epiq 55 interessanter: Sein Motor leistet 155 kW (211 PS), die Batterie hat 55 kWh brutto beziehungsweise rund 52 kWh nutzbare Kapazität, je nach Ausführung werden bis zu 441 Kilometer WLTP-Reichweite angegeben. Gleichstrom lädt der Epiq mit maximal 105 kW, Wechselstrom mit 11 kW.
Auf der Teststrecke lag der Verbrauch nach rund 170 Kilometern bei 15,3 kWh/100 km, doch das ist sicherlich nicht repräsentativ.
Zwei Jahre Garantie, acht für die Batterie
Skoda gewährt zwei Jahre Herstellergarantie ohne Kilometerbegrenzung, in Österreich sind es drei Jahre. Hinzu kommen drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung. Für die Hochvoltbatterie gelten acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer – gerade bei Fahrzeugen mit hoher jährlicher Laufleistung ist die Kilometergrenze für die TCO-Betrachtung relevant. Zusätzlich lässt sich die Fahrzeuggarantie kostenpflichtig verlängern: Je nach gewähltem Paket ist eine Absicherung von bis zu fünf Jahren oder 150.000 Kilometern möglich.
Welche Version zum Einsatzprofil passt
Welche Version sinnvoll ist, hängt stark vom Einsatzprofil ab. Für kurze und planbare Strecken reichen die kleineren Akkus eher aus, wer den Epiq regelmäßig auf längeren Strecken einsetzen möchte, bekommt mit dem 55-kWh-Modell deutlich mehr Reserven.





