Volvo ist wie der nette Nachbar von nebenan. Obwohl die Schweden bereits seit 2010 mehrheitlich zum chinesischen Autoriesen Geely gehören, verliert kaum mal einer ein schlechtes Wort über sie. Das dürfte sich auch mit dem neuen Volvo EX60 nicht ändern. Schließlich verkörpert er alle Attitüden, die man an Volvo schätzt: Er ist vollgepackt mit neuester Sicherheitstechnik, stilvoll im Auftritt sowie zukunftssicher in Technologie und Antrieb.
Überhaupt entwickelt sich die „60“ für Volvo immer mehr zur Glückszahl. 2025 war der XC60 erneut das meistverkaufte Modell der Marke und wird keineswegs sang- und klanglos durch den elektrischen Bruder ersetzt. Stattdessen fährt Volvo zweigleisig weiter. Der Verbrenner erhält noch einmal ein Facelift, das ihn vor allen Dingen an der Front dem neuen EX60 angleicht. Zudem soll der Plug-in-Hybrid eine elektrische Reichweite von deutlich über 150 Kilometern erhalten.
Elektro-SUV ab rund 52.940 Euro netto
Wer allerdings keine Lust mehr auf Tankstellen, Ölwechsel oder Verbrenner-Romantik hat, bekommt zu Preisen ab 52.941 Euro (alle Preise netto) mit dem EX60 nun einen Stromer, der Volvo in Punkto Antrieb auf ein neues Niveau hebt.

Nachts können die Scheinwerfer den Gegenverkehr ausschneiden, während der Rest der Fahrbahn taghell ausgeleuchtet bleibt.
Klare Linien und neue Lichttechnik
Optisch bleibt der EX60 dabei dem Volvo-Kurs treu. Die Front trägt weiterhin die „Thors Hammer“-Lichtsignatur, interpretiert sie aber feiner und technischer als bisher. Ohne Aggressionen, überzeichnete Kanten oder Designgebrüll. Statt klassischer Türöffner finden sich oben auf der Fensterleiste kleine Finnen im sogenannten Wing-Grip-Design, die auf Knopfdruck die Türen elektrisch öffnen. Ein Kunstgriff, der mehr gestalterischen Spielraum für die Seitenlinie lässt und Vorteile beim Cw-Wert bringen soll. Mit knapp drei Metern Radstand steht der EX60 satt auf der Straße. Die Proportionen stimmen. Kurze Überhänge, eine lange Dachlinie und das sauber gezeichnete Heck verleihen Eleganz statt Wucht.
Serienmäßig fährt der EX60 mit Matrix-LED-Scheinwerfern vor. Optional gibt es Pixel-LED-Technik mit über 25.000 einzeln steuerbaren Lichtpunkten. Nachts wird Gegenverkehr geschnitten, während der Rest der Fahrbahn taghell ausgeleuchtet bleibt.
Kleines Lenkrad, aber kein Head-up-Display
Im Innenraum wirkt der EX60 modern, ohne kalt zu sein. Materialien, Wertigkeit und Design verkörpern einen Stil, den Volvo perfektioniert hat. Ein großes und serienmäßiges Panorama-Glasdach bringt ordentlich Licht in die stylishe Stube und soll rund 80 Prozent der Sonneneinstrahlung blockieren, was wiederum die Klimaanlage entlastet. Optional lässt es sich elektrochromatisch abdunkeln. Das Cockpit hat Volvo radikal aufgeräumt. Helle Stoffe, offenporige Hölzer und eine Vielzahl recycelter Materialien erzeugen eine Atmosphäre, die mehr an ein skandinavisches Boutique-Hotel erinnert als an ein Auto.

Innen fällt das kleinere Lenkrad auf. Die Schweden orientieren sich hier offensichtlich an Peugeot und platzieren auch das Kombiinstrument höher und weiter hinten im Sichtfeld.
Google-System und Gemini an Bord
Laut Volvo ist der EX60 das bislang intelligenteste Auto der Schweden. Auf Knöpfe wird weitgehend verzichtet. Dominierendes Element ist der 15-Zoll-Zentralbildschirm im Format eines hochkant aufgestellten Tablets. Das System, das sich automatisch Over-the-Air updatet, arbeitet Google-basiert und hat den KI-Assistenten Gemini gleich mit an Bord geholt. Ein echter Buddy, mit dem man sich auf langen Touren trefflich über alles unterhalten kann. Die menschlichen Züge von Mister Gemini, der frei von der Leber losquasselt, sind fast schon beängstigend.
Innen fällt das kleinere Lenkrad auf. Die Schweden orientieren sich hier offensichtlich an Peugeot und platzieren auch das Kombiinstrument höher und weiter hinten im Sichtfeld. Das funktioniert überraschend gut und sorgt dafür, dass der Fahrer die wichtigsten Informationen praktisch permanent im Blick behält. Nur schwerlich kann es allerdings ein Head-up-Display ersetzen, das es für den EX 60 – völlig unverständlich – weder für Geld noch für gute Worte gibt.
Viel Platz im Fond und Kofferraum
Beim Platzangebot gehört der EX60 derweil zu den Besten im Segment. Vor allem im Fond überzeugt er mit enormer Beinfreiheit. Anders als viele Elektroautos zwingt er seine Passagiere nicht in eine unnatürlich hohe Sitzposition mit angewinkelten Knien. Die Füße passen bequem unter die Vordersitze. Der Kofferraum fällt mit 523 bis 1.647 Litern ebenfalls großzügig aus. Kinderwagen, Urlaubsgepäck oder Getränkekisten verschwinden problemlos im Heck. Hinzu bietet ein 58-Liter-Frunk zusätzlichen Stauraum unter der Fronthaube, hier finden Ladekabel oder kleinere Taschen Asyl. Und an Sicherheit mangelt es dem neuesten Volvo mit Sicherheit nicht. Neben all den Assistenten und Sensoren, die auf Antikollisionskurs programmiert sind, steht der neue multiadaptive Sicherheitsgurt exemplarisch für Volvos Safety-Strategie. Der Erfinder des Sicherheitsgurtes passt die Gurtkraft im Moment eines möglichen Aufpralls über hinterlegte Profile der jeweiligen Person an und soll so zum Beispiel das Risiko von Rippenbrüchen erheblich minimieren.

Der Kofferraum des EX60 fällt mit 523 bis 1.647 Litern ebenfalls großzügig aus. Kinderwagen, Urlaubsgepäck oder Getränkekisten verschwinden problemlos im Heck.
SPA3-Plattform mit 800-Volt-Technik
Im Tiefparterre setzt Volvo technisch auf die neue SPA3-Plattform, die speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt wurde. Sie ist eine Evolution der Bodengruppe vom ES90 und EX90 und nutzt 800-Volt-Ladetechnik. Drei Akkus mit 83, 95 und 117 kWh stehen in den Preislisten. Die Reichweiten gibt Volvo von maximal 660 Kilometern für das frontgetriebene Einstiegsmodell P6 (275 kW/374 PS) über 660 Kilometer für den Allradler P10 (375 kW/510 PS) bis zu erstaunlichen 810 Kilometern für den P10 AWD (500 kW/680 PS) an, der Ende des Jahres nachgereicht wird.
Die 800-Volt-Technik ermöglicht Ladeleistungen von 320 bis 370 kW. Damit soll der EX60 in gerade einmal 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden können. In zehn Minuten fließen theoretisch bis zu 340 Kilometer Reichweite in den Akku. Werte, die bislang fast ausschließlich absolute Hightech-Stromer aus China oder Korea erreichten.
Leiser Fahrkomfort trotz hohem Gewicht
Schon auf den ersten Kilometern zeigt sich, dass der Schwede es exzellent versteht, seine bis zu 2,4 Tonnen zu verschleiern. Die Masse fällt kaum negativ ins Gewicht und vor innerer Ruhe strotzt der Schwede ohnehin. Die aktive Geräuschunterdrückung sowie auffällig niedrige Abrollgeräusche machen ihn zu einem der leisesten Begleiter seiner Art. Wer möchte, kann per One-Pedal-Drive entspannt die Reichweite nochmals erhöhen. Und auch am Federungskomfort findet man kaum einen kritischen Ansatz.

Mit knapp drei Metern Radstand steht der EX60 satt auf der Straße. Die Proportionen stimmen. Kurze Überhänge, eine lange Dachlinie und das sauber gezeichnete Heck verleihen Eleganz statt Wucht.
Der frontgetriebene P6 kommt mit einem analogen Standard-Stahlfahrwerk und frequenzselektiven Dämpfern. Damit reagiert der EX 60 gefühlt kaum weniger sensibel auf Straßenfehler als die adaptiven Dämpfer, die bei den Allradlern P10 und P12 montiert sind. Lediglich die spätere Cross-Country-Version mit etwas robusterer Offroad-Optik erhält eine elektronisch geregelte Luftfederung, die es erlaubt, das Fahrwerk zusätzlich zu der um zwei Zentimeter erhöhten Bodenfreiheit um weitere zwei Zentimeter anzuheben.
Volvo bleibt bei Tempo 180 km/h
Insgesamt bleibt der EX60 weitgehend neutral, stabil und angenehm berechenbar. Temperament ist ohnehin kein Thema, wenn bereits das Basismodell mit 275 kW/374 PS an die Startrampe rollt. Volvo-typisch bleibt die elektronische Abriegelung bei 180 km/h, selbst fürs Topmodell. Das mag nicht jeden begeistern, passt aber konsequent zur Marke. Auch als potenzielles Zugfahrzeug dürfte der EX60 überzeugen. Bei bis zu 2,4 Tonnen Anhängelast dürfen selbst größere Wohnwagen oder Bootsanhänger an den Haken. Volvo wäre nicht Volvo, wenn man diesen Punkt vergessen hätte.
Preise für den Volvo EX60
Preislich startet der EX60 bei 52.941 Euro. Nicht günstig, aber erstaunliche 4.202 Euro billiger als der XC60 Plug-in-Hybrid Für den stärkeren P10 werden 55.462 Euro fällig - ein moderater Aufschlag für Allrad und ein Plus von 100 kW/136 PS. Am Topmodell P12 hängt ein Preisschild von 60.504 Euro. Im gleichen Bereich dürfte der Cross Country liegen, der auf dem P10 aufbaut.
Technische Daten - Volvo EX60 P6
Fünftüriger Elektro-SUV mit Frontantrieb; Länge: 4.80 m, Breite (mit Außenspiegeln): 2.06 m, Höhe: 1.63 m, Radstand: 2.97 m. Kofferraumvolumen 523 - 1647 Liter, Elektroantrieb, Leistung 275 kW/374 PS), max. Drehmoment 480 Nm, 1 Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2189 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 83 kWh, max., DC-Ladeleistung 320 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 16.min, max. Reichweite 611 km (WLTP), Energieverbrauch 14,9 -18,0 kWh/100 km (WLTP), 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 180 km/h.
Preis: ab 52.933 Euro
Technische Daten - Volvo EX60 P10 AWD
Fünftüriger Elektro-SUV mit Allradantrieb; Länge: 4.80 m, Breite (mit Außenspiegeln): 2.06 m, Höhe: 1.63 m, Radstand: 2.97 m. Kofferraumvolumen 523 - 1647 Liter, Elektroantrieb, Leistung 375 kW/510 PS, max. Systemdrehmoment 790 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2350 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 95 kWh, max., DC-Ladeleistung 370 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 16 min, max. Reichweite 660 km (WLTP), Energieverbrauch 16,2 -19,2 kWh/100 km (WLTP), 0-100 km/h: 4,6 s, Vmax: 180 km/h. Preis: ab 55.454 Euro
Technische Daten - Volvo EX60 P12 AWD
Fünftüriger Elektro-SUV mit Allradantrieb; Länge: 4.80 m, Breite (mit Außenspiegeln): 2.06 m, Höhe: 1.63 m, Radstand: 2.97 m. Kofferraumvolumen 523 - 1647 Liter, Elektroantrieb, Leistung 500 kW/680 PS, max. Systemdrehmoment 790 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2405 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 117 kWh, max., DC-Ladeleistung 370 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 19 min, max. Reichweite 810 km (WLTP), Energieverbrauch 16,0 kWh/100 km (WLTP), 0-100 km/h: 3,9 s, Vmax: 180 km/h. Preis: ab 60.504 Euro.
Volvo EX60 - Kurzcharakteristik
Warum: Weil Stil und Technik über jeden Zweifel erhaben sind
Warum nicht: weil ein günstigeres Einstiegsmodell fehlt
Wann kommt er: ab sofort









