Ford Pro setzt auf Spezialisten

Ford Pro wächst
Ford erweitert Pro-Geschäft

Ford Pro erweitert sein Nutzfahrzeugangebot um zwei Spezialisten und baut zugleich digitale Werkstattdienste für Flottenkunden in Europa deutlich aus.

Ford Ranger Super Duty auf unwegsamem Gelände mit starker Verschränkung.
Foto: Ford

Ford Pro bleibt Europas Gewinnbringer

Manche Familien kennen das: Das eine Kind ist der Überflieger, glänzt in der Schule, quasi ein Selbstläufer. Das andere das Sorgenkind, das den Eltern schlaflose Nächte bereitet und viel Unterstützung bei der Entwicklung braucht. Bei Ford verhält es sich genauso: Während die Pkw-Sparte als Dauerbaustelle mit einer neuen Produktoffensive nach Anschluss sucht, ist Ford Pro das Rückgrat des Europageschäfts und hält den Konzern mit seinen gewinnträchtigen Nutzfahrzeugen über Wasser. Doch selbst der Primus steht ständig unter Druck – neue Anbieter drängen ins Segment, die Elektrifizierungsquote stagniert, die Kundenanforderungen wachsen. Seine Marktführerschaft nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen will Ford jetzt mit zwei neuen Fahrzeugen für die Nische, kombiniert mit dem Ausbau des wachsenden Digitalservices.

Ranger Super Duty für schwere Aufgaben

Mit dem Ranger Super Duty zielt Ford auf einen Markt, der sich in Europa gerade erst entwickelt. Dank des serienmäßig verstärkten Fahrwerks zieht der Pick-up-Gigant bis zu 4,5 Tonnen und kann bis zu zwei Tonnen laden. Mit zusätzlichem Unterbodenschutz, permanentem Allrad und hoher Bodenfreiheit ist das Riesenbaby laut Ford perfekt für die "anspruchsvollsten Einsätze der Welt" geeignet: Rettungsdienste, Forstwirtschaft, Bergbau und nicht zuletzt dem Militär – einem Sektor der Zeitenwende mit wachsender Relevanz.

Ford Ranger Super Duty zieht Anhänger mit Minibagger auf Teststrecke.
Ford

Dank des serienmäßig verstärkten Fahrwerks zieht der Pick-up-Gigant bis zu 4,5 Tonnen und kann bis zu zwei Tonnen laden.

Militär und Rettungsdienste als Zielgruppe

"Europäische Regierungen und Umrüster suchen zunehmend nach Serienfahrzeugen, die extreme Anforderungen erfüllen", sagt Hans Schep, Chef der Nutzfahrzeugsparte von Ford Europe. "Gerade der Verteidigungssektor wächst stark, getrieben von neuen NATO-Richtlinien und der aktuellen Weltlage. Mittelfristig führt das zu umfangreichen Ausschreibungen über mehrere Jahre und erheblichen Stückzahlen." Gefallen finden an dem Schwerlast-Pick-up mit V6-Diesel samt Spitzenleistung von 209 PS sowie 600 Nm Drehmoment sollen Kunden, für die herkömmliche Pick-up-Varianten schlicht nicht ausreichen.

Elektrischer Transit City für urbane Einsätze

Weit weniger martialisch, dafür ebenso nischig ist das zweite Modell, das demnächst Fords Nutzfahrzeugangebot ergänzt. Der City ist das fünfte Modell der Transit-Reihe - ein rein elektrischer Transporter, den es als Fahrgestell mit Einzelkabine im 1-Tonnen-Segment für Umbauten aller Art sowie als Kastenwagen mit zwei Radständen und Höhen gibt.

Weißer Ford Transit City L2H2 Kastenwagen vor modernem Industriegebäude.
Ford

Bewusst simpel gehalten, soll der Transit City den Einstieg in die Elektromobilität für Kleinstbetriebe und städtische Dienstleister erleichtern.

Ford setzt auf kleinere Batterien

"Typischerweise fahren städtische Gewerbetreibende 100 bis 150 Kilometer am Tag, nicht mehr", sagt Schep. „Eine große, reichweitenstarke Batterie ist teuer und schwer, was direkt auf die Nutzlast durchschlägt - immer mehr Kunden verstehen diese Abwägung.“ Das Fahrzeug, das von einem Joint Venture in China produziert wird, soll mit der Antriebskombination aus 150-PS-Elektromotor und 56-kWh-Batterie Strecken von rund 250 Kilometern ermöglichen und kommt noch in diesem Jahr in den Handel.

Vernetzte Flotten liefern Fahrzeugdaten

Doch Ford versteht sich längst nicht mehr nur als Fahrzeughersteller. Softwareprodukte und damit verbundene Serviceleistungen sollen langfristig 25 Prozent des Spartengewinns beisteuern. Die technische Basis dafür ist ein Telematikdienst, der seit 2019 in jedem Nutzfahrzeug der Amerikaner verbaut wird: Mehr als eine Million Fahrzeuge sind heute angebunden und erzeugen Unmengen an Daten, die zentral ausgewertet werden, um drohende Defekte zu erkennen und Werkstatttermine proaktiv zu initiieren – noch bevor ein Fahrzeug ausfällt. Laut Ford ermöglichte das System allein im vergangenen Jahr zusätzliche Einsatztage im Millionenbereich.

Werkstätten werden zu Flottenmanagern

Bislang war dieses Angebot großen Flotten vorbehalten, die direkt von Ford betreut wurden. Jetzt vollzieht das Unternehmen einen nächsten Schritt: Infrastruktur und Software werden auf die 800 Service-Partner in Europa ausgerollt. "Das ist der eigentliche Gamechanger", sagt Schep. "Wir machen unsere angeschlossenen Center zu Flottenmanagern." Für die Werkstätten bedeutet das System eine drastische Reduktion der Reparaturzeit von der Fahrzeugannahme bis zur Ausgabe, weil alle Vorbereitungen im Vorfeld erledigt werden könnten - was die Werkstattkapazität praktisch verdopple.

Kürzere Standzeiten für Flottenkunden

Und für die Kunden: "Standzeit ist der zweitgrößte Kostenfaktor beim Betrieb einer Flotte – noch vor Kraftstoff und Wartung", erklärt Schep. Erste Pilotprojekte hätten gezeigt, dass 80 Prozent der anstehenden Reparaturen proaktiv erkannt werden und die Standzeiten damit um bis zu 50 Prozent sinken.