Wer am Firmenstandort mehr E-Autos laden will, denkt meist zuerst an mehr Anschlussleistung. Eine Auswertung der Ladeplattform Monta stellt diese Annahme infrage. Grundlage sind über 1,5 Millionen anonymisierte Ladevorgänge aus den ersten sieben Monaten 2026 – und die zeigen ein anderes Bild, als man erwarten würde.
21 Prozent laden morgens – nur 12,4 Prozent am Abend
21 Prozent aller Ladevorgänge starten zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Die klassische Feierabendspitze zwischen 18 und 20 Uhr bringt es dagegen nur auf 12,4 Prozent. Das oft beschworene Szenario – nach Dienstschluss stöpseln alle gleichzeitig ihr Auto an und die Leitung wird knapp – lässt sich in den Zahlen jedenfalls nicht wiederfinden.
Ob und wie stark sich das auf Firmenflotten übertragen lässt, bleibt allerdings offen. Monta weist den Anteil von Firmenwagen oder Arbeitsplatz-Ladungen im Datensatz nicht gesondert aus.
Acht Stunden Standzeit verändern die Rechnung
Für die Planung von Ladeinfrastruktur zählt letztlich weniger, wie viele Autos gleichzeitig auf dem Hof stehen, sondern wann sie wieder gebraucht werden und wie viel Energie sie bis dahin brauchen. Ein Dienstwagen, der acht Stunden parkt, muss nicht die ganze Zeit mit voller Leistung laden.
Lastmanagement kann teuren Netzausbau verschieben
Genau hier setzt dynamisches Lastmanagement an: Statt jede Wallbox dauerhaft auf Maximalleistung laufen zu lassen, verteilt das System die verfügbare Leistung nach Fahrzeuganzahl, Netzanschluss und tatsächlichem Bedarf. In vielen Fällen lässt sich so ein teurer Netzausbau zumindest hinauszögern.
16,2 statt 23,1 kWh – aber mit Einschränkung
Bei aktiviertem Smart Charging lag der durchschnittliche Energiebezug je Ladevorgang laut Monta bei 16,2 kWh, ohne Steuerung bei 23,1 kWh – ein Unterschied von knapp 30 Prozent. Das heißt aber nicht automatisch, dass Smart Charging den Verbrauch eines E-Autos um ein Drittel senkt: Die Daten sagen nichts darüber aus, ob sich Fahrzeugtyp, Ausgangsladestand oder Standzeit zwischen den beiden Gruppen unterscheiden. Für die Belastung des Netzanschlusses zählt ohnehin weniger die geladene Gesamtenergie als die gleichzeitig abgerufene Leistung.
Zeitversetztes Laden senkt die Leistungsspitze
Der eigentliche Hebel für Unternehmen liegt also in der Steuerung: Laden mehrere Dienstwagen zeitversetzt oder mit reduzierter Leistung, muss der Anschluss nicht auf den theoretischen Maximalbedarf aller Ladepunkte ausgelegt sein – vorausgesetzt, Abfahrtszeiten und Prioritäten fließen in die Steuerung mit ein. Monta bietet neben dem Lastmanagement auch eine strompreisabhängige Verschiebung von Ladevorgängen an und ist auf die Anforderungen des § 14a Energiewirtschaftsgesetz vorbereitet, kann also entsprechende Steuersignale der Netzbetreiber verarbeiten.
Wallboxen müssen nicht gleichzeitig Vollgas geben
Trotzdem wird intelligentes Lastmanagement laut Monta bislang nur bei einem kleinen Teil der Ladevorgänge in Deutschland genutzt – eine genaue Quote nennt das Unternehmen nicht. Für Fuhrparkverantwortliche bleibt damit vor allem eine Erkenntnis hängen: Nicht jede Wallbox muss rund um die Uhr Vollgas geben. Wer Standzeiten und Abfahrtszeiten seiner Fahrzeuge kennt, kann die vorhandene Leistung klüger verteilen, als es der Blick auf die reine Ladepunktzahl nahelegt.






