Ladeinfrastruktur für gewerbliche Flotten wird komplizierter. Es geht längst nicht mehr nur um die Zahl der Ladepunkte, sondern um Netzanschlüsse, Lastmanagement, Batteriespeicher und die Frage, wie hohe Ladeleistungen am Standort überhaupt bereitgestellt werden können. Genau in diesem Markt will Tellus Power nun in Europa Fuß fassen. Das Unternehmen mit chinesischen Wurzeln ist nach eigenen Angaben seit 2010 aktiv und zeigte auf der Power2Drive Europe erstmals sein Portfolio für Europa.
Netzanschluss wird zum Engpass
Der Anbieter trifft auf einen Markt, in dem viele Unternehmen bereits erste Ladepunkte aufgebaut haben, nun aber vor größeren Anforderungen stehen. Flotten wachsen, Ladefenster werden enger, Netzanschlüsse bleiben begrenzt und Energiepreise schwanken. Für Depotbetreiber und Logistiker reicht es deshalb oft nicht, weitere Ladepunkte aufzustellen. „Die größten Hürden beim Depotladen liegen heute häufig nicht bei den Fahrzeugen oder Ladesäulen, sondern beim verfügbaren Netzanschluss“, sagt Konrad Eickhoff, DACH-Manager von Tellus Power. Lange Ausbauzeiten, begrenzte Installationskapazitäten sowie zusätzliche Transformatoren und Netzverstärkungen könnten schnell zum Engpass werden.
Speicher sollen Leistung puffern
Tellus Power setzt deshalb auf Systeme, die Ladeleistung, Batteriespeicher, Lastmanagement und bidirektionale Anwendungen verbinden. Das soll helfen, hohe Leistungen bereitzustellen, ohne Netzanschlüsse immer größer zu dimensionieren. Ob und wie stark sich dadurch Kosten senken lassen, hängt allerdings vom jeweiligen Standort, Netzanschluss und Nutzungskonzept ab. „Batteriespeichersysteme können Lastspitzen abfangen, erhöhen die verfügbare Ladeleistung und können einen teuren oder langwierigen Netzausbau teilweise vermeiden oder zumindest zeitlich verschieben“, sagt Eickhoff.
Laden mit Speicher und Lastmanagement
Ein Beispiel ist ein batterieintegrierter DC-Lader mit 280 kW Ladeleistung und 208 kWh integriertem Speicher. Der Anschluss erfolgt über 22 kW AC, zwei Ladekabel ermöglichen das gleichzeitige Laden von zwei Fahrzeugen. Unterstützt werden unter anderem OCPP-Protokolle, Ferndiagnose und Remote-Softwareupdates. Für Anwendungen mit höherer Ladeleistung nennt Tellus Power den DC AdVision Ultra Rapid Charger mit 300 bis 480 kW. Auch dieses System verfügt über zwei feste Ladekabel und ist laut Anbieter eichrechtszertifiziert. Gedacht ist es für Flotten- und Ladehub-Anwendungen, bei denen kurze Standzeiten und planbare Ladeprozesse wichtig sind.
Nicht jeder Standort braucht Maximalleistung
Dabei gehe es laut Eickhoff nicht darum, jeden Standort auf maximale Ladeleistung auszulegen. „Nicht jeder Ladevorgang benötigt 750 kW oder mehr: Pkw-Flotten und leichte Nutzfahrzeuge können häufig über längere Standzeiten mit geringerer Leistung laden, während Busse, schwere Nutzfahrzeuge und stark ausgelastete Logistikflotten höhere Ladeleistungen und kürzere Ladefenster benötigen.“
Neben festen Systemen zeigt Tellus Power mobile Schnelllader mit bis zu 80 kW. Sie sollen dort eingesetzt werden, wo Ladebedarf kurzfristig entsteht, Standorte noch im Aufbau sind oder ein finaler Netzanschluss noch fehlt. Genannt werden Pilotprojekte, temporäre Flotteneinsätze, Service- und Werkstattumgebungen.
V2G soll Standorte entlasten
Zum Portfolio gehören außerdem V2G- und V2X-fähige Systeme. Der AdVision V2G DC-Charger bietet zwei Ladeanschlüsse mit jeweils 60 kW. Bidirektionale Lösungen sollen Fahrzeuge nicht nur laden, sondern perspektivisch auch als dezentrale Speicher in Standort- und Netzkonzepte einbinden. Ergänzend bietet Tellus Power AC-Ladelösungen für Unternehmensstandorte, Immobilien, Parkflächen und halböffentliche Ladepunkte. Für Standorte mit größerem Energiebedarf nennt das Unternehmen zudem modulare Systeme, die Batteriespeicher, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur kombinieren.
Neben der Technik wird für den europäischen Markteintritt entscheidend, wie Tellus Power Betrieb, Wartung und Verfügbarkeit absichert. „Für Flottenbetreiber zählt nicht nur die maximale Ladeleistung, sondern vor allem, dass die Infrastruktur zuverlässig verfügbar ist“, sagt Eickhoff. Tellus Power setze deshalb auf Fernüberwachung, Remote-Diagnose und Softwareupdates. Parallel baut das Unternehmen nach eigenen Angaben lokale Strukturen mit europäischen Installations- und Servicepartnern auf. Offen bleiben konkrete Angaben zu Referenzkunden in Europa, Preisen, Lieferzeiten, Service-Struktur und Modellverfügbarkeit.








