Arval-Barometer: Fuhrparks suchen Spielraum

Fuhrparks suchen Wege aus dem Kostendruck
Warum Gebrauchte im Fuhrpark wichtiger werden

Energiepreise und Restwerte erhöhen den Druck. Das Arval-Barometer zeigt, warum Unternehmen bei Flotten stärker mit Gebrauchten, E-Modellen und längeren Laufzeiten arbeiten können.

Fuhrparkmanager prüft Fahrzeuge auf einem Firmenparkplatz mit einem Tablet.
Foto: KI-generiertes Symbolbild: ChatGPT

Hohe Energiepreise, unsichere Lieferketten und offene Fragen zu Restwerten setzen Unternehmensflotten unter Druck. Für Fuhrparkmanager reicht es deshalb immer weniger, nur Anschaffungspreis, Laufzeit und Kraftstoffkosten gegeneinander zu rechnen. Entscheidend wird, wie flexibel ein Unternehmen Fahrzeuge beschafft, nutzt, verlängert oder ersetzt.

Das Arval Mobility Observatory Fuhrpark- und Mobilitätsbarometer 2026 zeigt dabei keinen Rückzug aus der betrieblichen Mobilität. 92 Prozent der Unternehmen erwarten stabile oder wachsende Flotten. Gleichzeitig verändern sich die Mittel: 46 Prozent setzen bereits Gebrauchtfahrzeuge ein, weitere 39 Prozent planen das. Elektrifizierte Fahrzeuge nutzen 70 Prozent der Befragten, 63 Prozent nennen fehlende Ladelösungen weiter als größte Herausforderung.

Gebrauchte werden Teil der Flottenstrategie

Gebrauchtfahrzeuge sind damit nicht mehr nur ein Thema für Rückläufer und Restwerte. Sie werden zu einem Werkzeug, um Kosten zu senken, Wartezeiten zu überbrücken und Mobilitätsbedarf schneller abzudecken. Gerade bei E-Autos können gebrauchte Fahrzeuge helfen, Einsatzprofile, Ladeprozesse und Nutzerakzeptanz mit überschaubarem Risiko zu testen.

Arval sieht darin einen grundlegenden Wandel. „Flotten entwickeln sich zunehmend vom Kostenblock zum aktiven Steuerungsinstrument. Unternehmen reagieren nicht mit Zurückhaltung, sondern mit Anpassung. Breiter, flexibler und wirtschaftlich differenzierter“, sagt Katharina Schmidt.

Ladeinfrastruktur bleibt der Engpass

Bei der Elektrifizierung geht es nicht nur um den Vergleich von Stromer und Verbrenner. Ein E-Auto passt nur dann in die Flotte, wenn Einsatzprofil, Ladeinfrastruktur, Abrechnung und interne Abläufe zusammenpassen. Das Barometer zeigt: Der Engpass liegt häufig nicht im Fahrzeug, sondern im Zusammenspiel von Standortladen, öffentlichem Laden, Heimladen und Organisation.

Auch die längere Nutzung vorhandener Fahrzeuge gewinnt an Bedeutung. Laut Barometer bleiben Fahrzeuge inzwischen im Schnitt 5,5 Jahre in der Flotte, zuvor waren es 4,9 Jahre. Das kann Unternehmen stabilisieren, wenn Lieferzeiten, Restwerte oder Energiepreise schwer kalkulierbar sind. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Daten, um Betriebskosten und Fahrzeugzustand belastbar zu bewerten.

Nils John 2025
Arval Deutschland

Nils John von Arval sieht Gebrauchtwagen-Leasing, flexible Laufzeiten und Auto-Abo-Modelle als Bausteine, um Flotten wirtschaftlicher und beweglicher zu steuern.

Batteriezustand macht Restwerte planbarer

Besonders bei gebrauchten Elektrofahrzeugen wird die Batterie zur entscheidenden Bewertungsgröße. Arval verweist auf Praxisdaten zum Aviloo State of Health, wonach die durchschnittliche Batteriekapazität nach rund 70.000 Kilometern bei etwa 93 Prozent liegt. Wenn sich Batteriezustand und Kapazitätsentwicklung besser beurteilen lassen, werden auch Restwerte und Gesamtbetriebskosten verlässlicher kalkulierbar.

„Die Batterie ist keine Blackbox mehr, sondern eine kalkulierbare Größe. Das schafft Vertrauen und macht Restwerte sowie Gesamtbetriebskosten besser planbar. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch die Verlängerung bestehender Fahrzeuge ein effektives Instrument ist, um Stabilität in einem volatilen Marktumfeld zu sichern“, sagt Katharina Schmidt, Head of Consulting and Arval Mobility Observatory.

Mobilität wird breiter gesteuert

Der Wandel betrifft nicht nur Antriebe. Neben dem Dienstwagen rücken auch Pendelwege, Dienstreisen, Fahrradleasing, öffentliche Verkehrsmittel, Fahrgemeinschaften und Mobilitätsbudgets stärker in die Planung. Aus dem klassischen Fuhrpark wird damit schrittweise ein System aus mehreren Mobilitätsbausteinen.

Für Unternehmen bedeutet das mehr Steuerungsaufwand. Dekarbonisierung, ESG-Anforderungen, Kostenkontrolle und Arbeitgeberattraktivität müssen in ein Modell passen. Dafür braucht es Daten, klare Zuständigkeiten und die Möglichkeit, zwischen Neuwagen, Gebrauchtwagen, Vertragsverlängerungen und flexiblen Modellen zu wechseln.

Leasinglaufzeiten werden zum Stellhebel

Arval verweist in diesem Zusammenhang auf Gebrauchtwagen-Leasing über Arval Re-Lease, flexible Modelle wie Arval Flex und Leasinglösungen zur Steuerung von Laufzeiten, Verfügbarkeit und Restwertrisiken. „Entscheidend ist nicht das einzelne Fahrzeug, sondern die Fähigkeit, Mobilität flexibel und wirtschaftlich zu managen“, sagt Nils John, Senior Mobility Lead bei Arval Deutschland.

Das Barometer zeigt damit vor allem eines: Mobilität bleibt für Unternehmen zentral, wird aber stärker über Daten, Laufzeiten, Einsatzprofile und Verfügbarkeit gesteuert. Wer nur auf Einzelkosten schaut, übersieht die eigentliche Aufgabe. Der Fuhrpark wird nicht kleiner gedacht, sondern professioneller organisiert.