Octopus: E-Auto-Leasing per Gehaltsumwandlung

E-Auto-Leasing per Gehaltsumwandlung
Octopus verspricht bis zu 40 Prozent Ersparnis

Statt klassischem Dienstwagenanspruch bietet Octopus Electric Vehicles Beschäftigten E-Autos per Gehaltsumwandlung, ähnlich wie beim Jobrad – mit bis zu 40 % Ersparnis gegenüber dem Privatleasing.

Achim Hirsch von Octopus Electric Vehicles vor einem gelben Elektroauto mit den pinken Octopus-Maskottchen.
Foto: Octopus Electric Vehicles

E-Autos per Gehaltsumwandlung: Octopus Electric Vehicles startet in Deutschland mit einem Angebot, das den klassischen Dienstwagen nicht ersetzen, aber für viele Beschäftigte eine neue Tür öffnen soll. Der Ansatz erinnert an das Jobrad-Prinzip – nur mit deutlich höheren Raten, mehr steuerlichen Details und einem E-Auto statt E-Bike.

30 bis 40 Prozent günstiger als Privatleasing?

Für Unternehmen ist die Idee auf den ersten Blick verlockend: Sie können Mitarbeitenden ein E-Auto anbieten, ohne daraus einen klassischen Dienstwagenanspruch zu machen. Octopus spricht in der Vollkostenbetrachtung von rund 30 bis 40 Prozent Ersparnis gegenüber Privatleasing, in Einzelfällen auch mehr.

Wie aus einem Leasingangebot tatsächlich 30 bis 40 Prozent Ersparnis werden sollen, erklärt Achim Hirsch, General Manager von Octopus Electric Vehicles Deutschland, vor allem mit der Vollkostenrechnung. Octopus bündelt Fahrzeug, Versicherung, Wartung, Reifen und Service und nutzt dafür Einkaufs- und Rahmenkonditionen. „Wenn man private Leasingangebote inklusive Versicherung, Reifen und Service ehrlich zusammenrechnet, kommen schnell ganz andere Monatskosten heraus", sagt Hirsch. Gerade bei E-Autos könne die Versicherung für Privatkunden stark ins Gewicht fallen.

345 statt 560 Euro: ein Rechenbeispiel

Ein Beispiel für ein Kompaktklasse-Modell, gerechnet nach Angaben von OEV: monatliche Gesamtkosten von 345 statt 560 Euro netto. Zugrunde liegen 6.000 Euro Bruttogehalt, Steuerklasse 1, Wohnort Bayern, zehn Kilometer Pendelstrecke sowie zwei Jahre Laufzeit mit 10.000 Kilometern pro Jahr. Möglich wird das durch die Entgeltumwandlung aus dem Bruttogehalt, die reduzierte Dienstwagenbesteuerung für batterieelektrische Fahrzeuge und gebündelte Kosten für Versicherung, Wartung und Reifen. Arbeitgeber können zudem ihre durch die Bruttolohnumwandlung entstehenden Einsparungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen ganz oder teilweise in die Rate einbringen – müssen es aber nicht.

Ein zusätzlicher Benefit ohne klassischen Dienstwagenanspruch klingt gut, ganz ohne Vorbereitung funktioniert das Modell aber nicht. Arbeitgeber müssen HR, Payroll und gegebenenfalls Fuhrpark einbinden. Die Entgeltumwandlung muss wie beim Jobbike in die Gehaltsabrechnung integriert werden. Außerdem sind Mindestlohnuntergrenzen, weitere Entgeltumwandlungsmodelle und individuelle Steuerdaten zu berücksichtigen. „Zu sagen, es entsteht gar kein Aufwand, wäre nicht richtig", sagt Hirsch. Wenn das System einmal aufgesetzt sei, falle der Aufwand aber deutlich geringer aus.

Wer haftet? Octopus übernimmt Zulassung und Pflichten

Auch die Rollenverteilung ist für Fuhrparkverantwortliche relevant. Octopus vermietet das Fahrzeug an das Unternehmen, die Überlassung an den Mitarbeiter regelt der Arbeitgeber. Zugelassen werden die Fahrzeuge auf Octopus. Nach Angaben des Anbieters übernimmt Octopus damit auch zentrale Pflichten rund um Halterhaftung, Führerscheinkontrollen, Fahrereinweisung, UVV und Service. Für Unternehmen bleibt dennoch wichtig, die genaue Rollenverteilung vertraglich sauber zu prüfen.

Ein wichtiger Punkt ist die Frage, was passiert, wenn sich die Lebenssituation ändert – oder ein Arbeitsverhältnis endet. Für Arbeitgeber ist das entscheidend, weil ein zusätzliches Mobilitätsangebot nicht zum Kostenrisiko werden soll. Octopus will solche Fälle absichern: Nach Hirschs Angaben kann das Fahrzeug bei aktiver oder passiver Kündigung mit 30 Tagen Frist zurückgegeben werden. Auch für längere Erkrankungen, Elternzeit oder andere Sonderfälle seien Lösungen vorgesehen. So soll das Modell für Unternehmen kalkulierbar bleiben und Beschäftigte vor einer Leasingfalle schützen.

Rundum-Paket mit 250 Euro Ladeguthaben

Octopus vermarktet das Angebot als Rundum-Paket. Enthalten sind neben dem Fahrzeug unter anderem Zustellung, Versicherung, Wartung, Inspektion, HU/TÜV, Reifenpaket, Pannenhilfe und ein jährliches Ladeguthaben von 250 Euro über Electroverse. Laut Anbieter lässt sich die Ladeapp an mehr als 1,4 Millionen Ladepunkten in Europa nutzen. Eine Anzahlung oder Bereitstellungsgebühr verlangt Octopus nach eigenen Angaben nicht. Zusätzlich können Mitarbeiter Stromtarife von Octopus Energy nutzen. Eine Wallbox-Lösung aus dem Konzern gibt es zwar, sie ist aber noch nicht Bestandteil des deutschen Standardpakets.

Zum Start nennt Octopus 67 Modelle von 14 Herstellern, darunter BMW, BYD, Cupra, Ford, Kia, Mercedes, MG, Mini, Polestar, Renault, Smart, Tesla, Xpeng und Zeekr. Die Auswahl reicht vom Kleinwagen bis zum Van. „Die Mitarbeiter sollen die Wahl haben", sagt Hirsch. Unternehmen können das Portfolio aber einschränken, etwa wenn bestimmte Marken nicht gewünscht sind.

Auch VW-Handel steigt mit e.loop ein

Octopus ist mit dem Ansatz nicht allein. Auch VGRD Fleet, der Großabnehmerbereich der Volkswagen Group Retail Deutschland, bringt mit e.loop ein Mobilitätsangebot per Entgeltumwandlung auf den Markt. Das Modell funktioniert ebenfalls ähnlich wie ein Jobrad und soll Beschäftigten den Zugang zu Elektro- und Hybridfahrzeugen ermöglichen.

Anders als VGRD kommt Octopus nicht aus dem Großkunden- und Handelsumfeld, sondern aus der Energie- und E-Mobility-Welt. OEV gehört zur Octopus Energy Group und bringt ein in Großbritannien erprobtes Modell nach Deutschland. International verweist der Anbieter auf mehr als 8.000 Arbeitgeberkunden und rund 50.000 vermittelte Fahrzeuge.

Entscheidend wird die Praxis

Am Ende wird sich das Modell nicht an der schönen Analogie zum Jobrad messen lassen, sondern an der Praxis: Stimmen Rate, Risikoabsicherung und Verwaltungsaufwand, kann die Entgeltumwandlung beim Auto eine Lücke schließen. Dann wäre sie für Unternehmen ein zusätzlicher Mobilitätsbaustein und für Beschäftigte ein günstigerer Weg zum E-Auto.