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Audi A4: Da steckt mehr drin

Dass sie ganz neu ist, sieht man der neunten, ab Herbst 2015 verkauften Generation des Audi A4 kaum an. Die wahren Überraschungen stecken unter dem Blech.

Den A4 darf man mit Fug und Recht als den Schwerarbeiter im Modellprogramm von Audi bezeichnen. Quasi als denjenigen, der das Geld herbeischafft. In den besten Jahren verkaufte Audi weltweit 400.000 Stück von dem Mittelklasse-Modell und im deutschen Dienstwagengeschäft liefert er sich ein ständiges Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Passat.

Da verwundert es kaum, dass die Chefs in Ingolstadt nichts riskieren wollten und die Designer kräftig ausbremsten, als die Neuauflage des A4 anstand. Ein paar straffere Linien hier, ein paar geglättete Falten dort – für Furore auf dem Firmenparkplatz wird die mittlerweile neunte Generation des A4 kaum sorgen.

Eher bei seinem Fahrer. War Audi im VW-Konzern bisher schon die Marke für die Perfektionisten, so treibt es der A4 auf die Spitze. Im positiven Sinne. Selbst in den ersten Testwagen, denen häufig noch die Unwägbarkeiten des Produktionsbeginns anzusehen sind, könnte man die Fugen mit dem Millimetermaß nachmessen. Jeder Schalter, jede Taste klickt oder rastet perfekt ein und die im Innenraum verbauten Materialien wirken wieder extrem hochwertig. Dazu trägt die in 30 Farbtönen verstellbare Innenraumbeleuchtung ebenso bei wie das virtuelle Cockpit mit der riesigen Landkarte zwischen den Instrumenten. Oder der je nach Ausstattung 8,3 oder 12,3 Zoll große chromgefasste Bildschirm, der selbstbewusst auf der Mittelkonsole thront.

Bester Cw-Wert aller Klassen

Zumindest im sogenannten Look and Feel wird der A4 also seinem Premiumanspruch gerecht. Doch was kann der Käufer noch erwarten, wenn er für seinen Dienstwagen mindestens 27.700 Euro netto über den Tresen des Händlers schiebt? Ein Auto, das es der Konkurrenz schwer macht. Wofür die Pressemappe gut 40 Seiten benötigt, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die 4,73 Meter lange Limousine ist eines der leichtesten, der sparsamsten und der sichersten Autos seiner Klasse. Er bringt bis zu 120 Kilo weniger auf die Waage als sein Vorgänger und pfeilt mit einem Cw-Wert von 0,23 laut Audi schnittiger durch den Wind als jedes andere Serienfahrzeug. Zusammen mit den überarbeiteten Motoren sowie Automatikgetrieben mit Freilauf drückt das den Verbrauch um bis 21 Prozent. Der 2.0 TDI Ultra etwa kommt mit 3,7 Litern aus (95 g CO2), einem Wert, den bisher nur Fahrzeuge der Golf-Klasse schaffen.

Hightech findet sich an allen Ecken und Enden. Das neue MMI Infotainment- und Bediensystem etwa. Auf Wunsch vernetzt sich der A4 per LTE und bringt über den Wlan-Hotspot bis zu acht Geräte ins Internet. Er versteht Apple Car Play ebenso wie Android Auto und spielt samt App zur Fahrzeugsteuerung bis zum Infotainmentsystem für die Rücksitze nun die gesamte Klaviatur der sogenannten Connectivity.

Beim MMI muss man umdenken

Wobei eingefleischte Audi-Fahrer künftig umdenken müssen. Denn Audi hat das System der vier um den Dreh-Drückregler platzierten Tasten aufgegeben. Stattdessen werden die Funktionen des eher in die Breite statt in die Tiefe aufgebauten Bedienmenüs über nur noch zwei Tasten aufgerufen. Neulinge kommen damit besser zurecht. Außerdem gibt der Fahrer Befehle auf unterschiedliche Arten ein: direkt über Sprache, klassisch per Drehknopf oder indem er mit dem Finger Buchstaben auf dessen Oberfläche kritzelt. „Wo kann ich tanken?“ versteht MMI ebenso wie „Nachricht an Frau Müller“ und schaltet dann auf die SMS-Funktion. Die hauseigene Schnittstelle hat Audi endlich über Bord geworfen. Telefone lassen sich über klassische USB-Buchsen anschließen oder sogar induktiv aufladen. Außerdem erlaubt Bluetooth nun, zwei Handys parallel zu koppeln.

Im Stau kann der Fahrer die Hände vom Steuer nehmen

Matrixscheinwerfer, Head-up Display, Radar an Front und Heck, vorausschauende Kamera, Sensoren rundum: Auf bis zu 30 elektronische Helfer mag sich der Fahrer im Notfall verlassen. Erkennt der Wagen ein Hindernis, berechnet die Technik eine geeignete Ausweichspur, wobei er Abstand, Breite und Versatz des vorausfahrenden Fahrzeugs einbezieht. Mit einem kurzen Ruck warnt er den Fahrer und hilft ihm, um das Hindernis herum zu lenken.

Mit einem Radartempomaten kann er im Stau die Hände vom Steuer und den Fuß von den Pedalen nehmen. Sein Wagen lenkt, bremst und beschleunigt bis 65 km/h selbstständig. Wie schon im Q7 lassen sich Verkehrszeichenerkennung und Tempomat sogar mit dem Navisystem verknüpfen. Dann hält sich das Auto an Tempolimits und bremst vor Kurven ab. Klingt gut, funktioniert aber nur bedingt. Denn mit Tempo 50 über eine kurvige Landstraße oder mit 25 km/h durch einen Kreisverkehr zu schleichen widerspricht doch arg dem Charakter dieses Autos.

Das Fahrwerk kann einiges mehr. Speziell mit den in sportlicher oder komfortabler Auslegung erhältlichen adaptiven Dämpfern (je 823 Euro) erlaubt es die sportlich schnelle Fortbewegung, ohne es mit der Härte zu übertreiben, bietet aber gleichzeitig hohen Langstreckenkomfort. So schafft es Audi, mit dem A4 theoretisch alle Firmenwagenfahrer anzusprechen, wobei der Schwerpunkt allerdings auf der Komfort-Fraktion liegen dürfte. Die sollte unbedingt die Akustikverglasung mitbestellen (126 Euro). Sie senkt den Geräuschpegel im Innenraum auf das Niveau des Audi A8 und lässt das ebenfalls empfehlenswerte Soundsystem von Bang & Olufsen (958 Euro) erst richtig zur Geltung kommen.

Es muss nicht immer ein Diesel sein

Überhaupt ist der A4 ein leises Auto, was auch an der besseren Geräuschdämmung der Motoren liegt. Dass unter der Haube ein Diesel nagelt, lässt sich mehr erspüren als hören. Lediglich die Sechszylinder knurren gewollt etwas vernehmlicher. An denen will Audi weiterhin festhalten, dem allgemeinen Downsizing zum Trotz. Warum auch nicht? Der 2.0 TDI mit nun 150 beziehungsweise 190 PS entwickelt zwar völlig ausreichenden Schub und passt für das Gros der Dienstwagen. Das ist die Pflicht. Für die Kür hat Audi den 3.0 TDI. 42.100 Euro teuer, mit Allradantrieb und blitzschneller Achtgangautomatik, bieten seine 272 PS adäquaten Antrieb auch für anspruchsvolle Vertriebsmitarbeiter oder Abteilungsleiter, die bisher womöglich im A6 unterwegs waren.

Mit den neuen Benzinern zeigt Audi außerdem, dass es im Flottengeschäft nicht immer Diesel sein muss. Dank geändertem Brennverfahren kommt beispielsweise der 190 PS starke 2.0 TFSI Ultra (32.941 Euro) auf einen Normverbrauch von nur noch 4,8 Liter (109 g CO2). Der mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelte Motor hängt gut am Gas, macht wirklich Laune und ließ sich auf einer ersten Testrunde mit rund 6,5 Litern bewegen. Und er kostet gut 1.000 Euro weniger als der 2.0 TDI mit 190 PS.

Bei so viel Lob fällt es schwer, irgendetwas Negatives über den neuen A4 zu sagen. Möglicherweise ist der A4 dem einen oder anderen Fahrer zu perfekt, zu glatt. Doch Audi legt bald nach: Der Kombi steht schon in den Startlöchern und auch bei den Motoren können die Ingolstädter noch eine Schippe drauflegen. Und für die ganz Vernünftigen wird es sogar eine Version mit Erdgasantrieb geben.

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Audi

Datum

22. September 2015
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