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Fahrbericht Audi Q7: Der Dicke macht jetzt auf schlank

Chefs mit Offroad-Ambitionen, bitte anschnallen: Im Juni kommt der nagelneue Audi Q7. Der SUV hat kräftig abgespeckt und glänzt mit zahlreichen Innovationen.

Seit 2005 ist der Audi Q7 auf dem Markt. Ziemlich lange, deshalb war es nun an der Zeit das Dickschiff der ersten Generation würdig in seinen Ruhestand zu verabschieden. Der Neue will mit weniger Gewicht, modernen Motoren sowie einer Armada an Assistenzsystemen alles besser machen. Mit seinem 272 PS starken 3.0 TDI startet der Q7 bei netto 51.176 Euro. Der Preis lässt sich mit vielen verführerischen Extras locker ins Unermessliche steigern.

Leichter bis ins kleinste Detail

Der neue Q7 wirkt allem Anschein nach um einiges flacher, obwohl er es in Wirklichkeit gar nicht ist. Bullig und kantig ist sein Auftritt und man sieht es dem Fünf-Meter-Dickschiff überhaupt nicht an, dass ihm zuvor eine strenge Schonkost verabreicht wurde. Überflüssige Pfunde an Karosserie, Fahrwerk oder im Innenraum flogen einfach über Bord. Die Fitnesskur ging bis ins kleinste Detail, überall wurde abgespeckt. So besteht die Außenhaut aus einem Verbund aus Aluminium und Stahl. Selbst das Bremspedal haben sich die Ingolstädter vorgeknöpft, welches jetzt über ein Kilogramm leichter ist.

Summa summarum brachten die Maßnahmen eine Gesamtersparnis von 325 Kilo. Das ist schon mal eine Menge Holz gegenüber dem Alten. Pardon, wir meinten natürlich Leichtbau. Der Q7 ist jetzt das leichteste SUV im Kreise seiner Mitbewerber BMW X5 oder Mercedes ML. Trotzdem mutiert er nicht gleich zum Light-Produkt, denn der Koloss bringt weiterhin fast 2,1 Tonnen

Virtuelles Cockpit auch für den Q7

Innen erwartet der Q7 seine Gäste, so wie man es von einem Audi erwartet: Klar gegliedert, penibel verarbeitet und hochwertig. Für 504 Euro gibt es statt der analogen Instrumente jetzt auch das virtuelle Cockpit, ähnlich wie man es bereits vom Audi TT her kennt. Das 12,3 Zoll große TFT-Display glänzt mit einer hochauflösenden Grafik und lässt sich gut ablesen. Gleiches gilt für das Head-up-Display im direkten Sichtfeld des Fahrers.

Das Platzangebot in dem Riesen ist schlichtweg feudal. Bei der üppigen Beinfreiheit im Fond könnte es sich selbst der Firmenchef hinten bequem machen, um sich in seine Bilanzen oder Börsenkurse zu vertiefen. Auf Wunsch gibt es den Q7 auch als Siebensitzer mit elektrisch klappbarer hinterster Reihe. Dann schrumpft das opulente Ladevolumen des Kofferraums von regulären 890 bis 2.075 Liter auf immer noch gute 770 bis 1.995 Liter zusammen.

Das MMI-Touchpad beeindruckt mit perfekten Möglichkeiten

Mit dem Druck auf den Start-Knopf surrt der sieben Zoll-Monitor leise aus der Mittelkonsole heraus. Die Handhabung des MMI-Bediensystems über den Dreh-Drück-Regler mitsamt den zwei Kippschaltern erfolgt intuitiv und einfach. Optional lassen sich viele Funktionen auch über ein kleines Touchpad direkt vor dem Wählhebel ansteuern. Die Gestensteuerung per Fingertipp arbeitet zuverlässig und das Durchstöbern von Musiktiteln oder Radiosendern per Touchpad führt prompt zum Erfolg. Über das anthrazitfarbene Bedienfeld aus Echtglas lassen sich auch Navi-Kommandos einwandfrei eingeben. Wird ein Restaurant in der Nähe gesucht, muss dabei nicht umständlich vorher noch der Ort eingegeben werden, das System weiß immer wo es ist und listet sofort die gefundenen Treffer auf.

Musik-Streamen auch per iTunes oder GooglePlay

Ein WLAN-Hotspot verbindet das Auto mit dem Smartphone und der Internet-Welt. Zum schnellen Surfen gibt es eine LTE-Anbindung und für den Fahrer spezielle Online-Dienste wie etwa Google Earth und Google Street View. Über das Smartphone-Interface ist jetzt auch Apple Car Play oder Android Auto (iOS ab 7.1, Android ab 5.0 Lollipop) mit an Bord. Hat der Fahrer sein Telefon mit dem USB-Anschluss gekoppelt, gibt es Zugriff auf die jeweiligen Musik-Plattformen von iTunes oder GooglePlay sowie weitere Online-Dienste, die bis hin zu Terminerinnerungen reichen.

3.0 TDI kommt auch als Plug-in Hybrid

Zum Juni startet der Q7 als 3.0 TFSI mit 333 PS sowie als 3.0 TDI und einer Leistung von 272 PS. Die Kraftübertragung des Allradlers erfolgt dabei immer über eine flotte Achtstufen-Automatik. Im September folgt noch ein kleinerer 3.0 TDI mit 218 PS. Der soll sich laut Werk mit nur 5,5 Litern begnügen, sein Preis steht allerdings noch nicht fest.

Weiter geht’s im nächsten Jahr mit dem Q7 3.0 TDI e-tron quattro. Der Plug-in Hybrid entfaltet eine Gesamtsystemleistung von 373 PS und stemmt 700 Nm auf die Kurbelwelle. Dank seiner 17,3 kWh starken Lithium-Ionen-Akkus im Heck soll der Allrad-Hybrid rein elektrisch 56 Kilometer weit kommen und im Schnitt nur 1,7 Liter Diesel (ca. 50 g CO2 pro km) schlucken. Das bedeutet eine theoretische Reichweite von bis zu 1.410 Kilometern. Klingt nicht schlecht.

Neue Allradlenkung bringt Agilität

Neu im Q7 ist die Allradlenkung. Die sollte unbedingt bei der Bestellung angekreuzt werden. Die 966 Euro sind eine lohnenswerte Investition. Sie verringert den Wendekreis um einen Meter und verbessert die Agilität des schweren Hünen eindrucksvoll. Die gut 2,1 Tonnen Lebendgewicht machen sich auf kurvigen Landstraßen nur wenig bemerkbar, der Q7 schiebt sich überraschend handlich durch das Geschlängel und das im Testwagen verbaute Luftfahrwerk bügelt Unebenheiten gekonnt weg.

Auch die präzise ansprechende Lenkung und das geringe Geräuschniveau sind beim Ingolstädter-SUV richtig klasse und steigern gleichermaßen die Agilität wie den Komfort. Und der gefahrene 272 PS starke Turbodiesel gefällt mit guter Durchzugskraft. Nur das Verbrauchsversprechen von 5,7 Litern schafften wir nicht, zwei Liter mehr entsprechen da schon eher der Realität.

So viele Helfer hat kein anderes SUV

Assistenzsysteme bietet der Audi Q7 in Hülle und Fülle. Die Liste der elektronischen Helferlein ist lang und das Angebot derart umfassend, dass da derzeit (noch) kein anderer SUV-Wettbewerber mithalten kann. Darunter befindet sich der Stauassistent, der bei Stop-and-go-Verkehr automatisch Gas gibt, bremst und auch selbsttätig sanfte Lenkkorrekturen vornimmt. Er ist sozusagen ein kleiner Vorgeschmack auf das autonome Fahren.

Sie hätten gerne weitere Beispiele? Kein Problem. So warnt der längs eingeparkte Q7 über den Ausstiegsassistent vor herannahendem Verkehr. Ist dies der Fall und die Passagiere möchten den Audi verlassen, schlägt ein roter LED-Leuchtstreifen in den Türen Alarm, um so einen drohenden Unfall zu vermeiden. Kostenpunkt inklusive Spurwechsel-Warner: 504 Euro.

Richtig hilfreich – und nicht nur für professionelle Gespann-Fahrer – ist der Anhänger-assistent, den es immer zusammen mit der elektrisch schwenkbaren Anhängerkupplung für 1.134 Euro gibt. Anders als beim Konzernbruder VW Passat arbeitet das System im Q7 nicht mit einer Kamera, sondern einem aufwendigem Sensor im Kugelkopf. Das Rangieren ist keine Hexerei, obwohl das Gespann dabei über den kleinen MMI-Regler auf der Mittelkonsole gelenkt wird. Was Anfangs noch gewöhnungsbedürftig war, klappt mit etwas Übung gut. Ziehen darf der Q7 übrigens bis zu 2,7 Tonnen, mit aufpreispflichtiger Luftfederung sind es sogar dreieinhalb Tonnen.

Innovativer Spritspar-Assistent

Nicht minder frisch im Q7 ist der Effizienzassistent. Den gibt es zusammen mit dem radargestützen Tempomaten für 1.588 Euro. Hinter der sperrigen Bezeichnung steckt ein ausgeklügeltes Spritspar-Programm, welches in Verbindung mit der Windschutzscheiben-Kamera den Verbrauch senken kann. Der Assistent kennt sämtliche Streckendaten sowie abzusehende Tempolimits im Voraus. Bei Kurven, Kreuzungen oder Gefälle erhält der Fahrer frühzeitig Hinweise vom Gas zu gehen.

Verführerische Luxus-Extras

Die meisten Assistenten sind optional zu Paketen zusammengefasst. Aber auch bei den weiteren Extras bleiben fast keine Wünsche unerfüllt. Angefangen beim Infotainment-System mit zwei Bildschirmen im Fond (1.824 Euro netto) über die Audioanlage von Bang & Olufsen (5.168 Euro) mit 3D-Hörgenuss, sind ebenso im Programm wie der Nachtsichtassistent für 1.765 Euro oder die Matrix-LED-Scheinwerfer aus dem A8. Das Angebot für den Q7 ist einfach riesig. Sie merken, wer so richtig zulangt, kann den Grundpreis von 51.176 Euro nahezu spielerisch verdoppeln. Dabei muss es nicht unbedingt das exklusive Valcona-Leder für 9.664 Euro sein. Aber das dürfte wohl niemanden aus den solventen Führungsetagen stören.

Autor

Foto

Graeme Fordham

Datum

24. Mai 2015
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