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Foto: Hyundai

Fahrbericht Hyundai i30: Hyundai baut jetzt einen Volkswagen

Verärgerte VW-Kunden sollten diese Zeilen gründlich lesen: Hyundai will mit dem neuen i30 endlich auch Golf-Fahrer einfangen. Wir sind ihn gefahren, mit Dieselmotor versteht sich.

Das ging ja flott! Der i30 ist gerade einmal neun Jahre auf dem Markt und geht bereits in die dritte Runde. Weniger als fünf Jahre für eine Modellgeneration? Nirgends dreht sich derzeit die Technik-Welt so schnell wie bei Hyundai. Mit der nächsten Generation seiner Modelle will Hyundai insbesondere Volkswagen den Rang abfahren. Den Weg dahin soll nun der i30 ebnen. Die Wunsch-Vorstellung der Hyundai-Bosse: Golf-Fahrer sollen ins Grübeln kommen, ob der nächste Wagen wieder aus Wolfsburg oder doch lieber aus Fernost kommt. Besser gesagt aus Tschechien. Dort läuft der i30 nämlich vom Band. Hyundai weiß: Europäer kaufen lieber in Europa gebaute Autos – Vertrauen in Qualität, Pluspunkt für Arbeitsplätze und so weiter.

In Deutschland entwickelt, in Europa gebaut

Auch das Image des Autos und der ganzen Marke will Hyundai damit aufwerten, was ja gerade in der Firmenwagen-Welt eine wichtige Rolle spielt. Gerade im Großkunden-geschäft hat Hyundai noch Aufholbedarf. Nur jeder zehnte i30 kommt in Deutschland als Firmenwagen zum Einsatz. Da passt es doch gut, dass der i30 auch ein deutsches Auto ist. Schließlich steht Hyundais Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Dort impften sie dem i30 modernste Technik ein und entwarfen das neue Design. Genug Geschichte. Machen wir uns ans neue Auto ran.

Der riesige Kühler ist neu, er wird künftig jedes Modell zieren. Der imponiert zwar, der Rest am i30 löst dafür kaum Jubelschreie aus. Aber – und das war den Designern viel wichtiger – der i30 schreckt erst recht keinen Autofahrer durch provozierende Formen ab. Modern und schnörkellos steht er da. Zielgruppe jedermann. Zeit, den Neuen von Innen zu begutachten. Moment mal. Verchromte Türgriffe? In Asien und den USA mögen die vielleicht als edel gelten, für uns wirken sie nur billig. Paradox: In den günstigen Ausstattungslinien sind die Griffe in Wagenfarbe lackiert.

Großer Touchscreen mit leichter Bedienung

Knallige Lacktöne gibt’s für den i30 keine, zur Wahl stehen ausschließlich gedeckte Farben. Unser Testwagen hüllt sich in elegantes Dunkelblau. Dezent und unaufdringlich kommt er rüber. Wir schwingen uns auf die weichen Ledersitzbezüge. Die Softtouch-Materialien rund ums Armaturenbrett fühlen sich gut an. Wie bei neuen Autos üblich, kommt der i30 mit wenigen Tasten und Knöpfen aus. Der Fahrer hat die meiste Zeit mit dem acht Zoll großen Touchscreen zu tun, der mit hochauflösender Navikarte, leichter Menüstruktur und Smartphone-Spiegelung alles bietet, was in dieser Klasse zu den Must-haves zählt. Oder andersrum gesagt: Es gibt nichts, was wir im i30 vermissen oder kritisieren könnten. Induktives Smartphone-Laden oder die Sitzventilation sind sogar Extras, die wir gar nicht auf der Liste hatten.

Der richtige Zeitpunkt, um über die Fahrerassistenzsysteme zu sprechen. Denn davon hat der i30 jede Menge und ein paar, die in dieser Liga nicht üblich sind. Der Abstandstempomat verfügt über eine Stop-and-go-Funktion. Über die gleichen Sensoren erkennt der Hyundai Fußgänger, die unachtsam über die Straße huschen. Droht eine Kollision, bremst sich der i30 sogar bis 75 km/h selbstständig in den Stillstand. Auch beim Zurücksetzen aus Parklücken melden uns Sensoren querenden Verkehr hinterm Fahrzeug. Der i30 zeigt uns zudem Verkehrszeichen im Display an, blendet bei Gegenverkehr das Fernlicht automatisch auf und ab und warnt uns im Außenspiegel vor Autos im toten Winkel. Ach ja, kennen Sie den TV-Spot, in dem VW mit einer aufleuchtenden Kaffeetasse im Bordcomputer damit wirbt, müde Autofahrer zu erkennen? Kann der i30 jetzt auch.

Fahrerassistenten schon in der Basisversion

Einen haben wir noch: den Spurhalteassistenten. Bei vielen Autos kritisieren wir, dass der beim Überfahren der Linien nur piepst, sonst nix. Kein Vibrieren im Lenkrad, kein Gegensteuern. Nicht so im i30. Hier steuert er frühzeitig entgegen und hält den i30 gleichmäßig in der Spur, während unsere Hände im Schoß liegen. Es gibt auch Hersteller die uns das schon als teilautonomes Fahren verkaufen würden.

Apropos Verkaufen. Mit 14.697 Euro netto kostet der Einstiegs-Hyundai (1.4 / Pure) nur ein paar Hunderter weniger als der günstigste VW Golf (1.2 TSI ab 15.000 Euro). Bevor Sie nun uninteressiert abwinken: Spurhalte- und Fernlichtassistent bringt der i30 genauso ab Werk mit wie Müdigkeitswarner und City-Notbremsfunktion. Klimaanlage, Radio und Tempomat zählen ebenfalls zum Serienumfang des gut ausgestatteten Basismodells. Fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung und kostenfreies Navikarten-Update auf Lebenszeit sind weitere Argumente.

Im Sommer folgt der Kombi

Mit dem 100 PS starken Einstiegsbenziner werden sich nur die wenigsten Dienstwagen-fahrer zufriedengeben. Diese Kundschaft liebäugelt eher mit dem 1,6 Liter großen Diesel, den Hyundai mit 95, 110 und 136 PS anbietet. Unser Tipp: die 136-PS-Version (ab 20.798 Euro/Trend) kombiniert mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (1.596 Euro). Der Selbstzünder setzt Bewegungen im Gasfuß blitzschnell um, während das Getriebe ruckfrei und flüssig die Gänge durchwechselt.

Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS ist neu, genauso wie der aufgeladene Dreizylinder 1.0 T-GDI, dessen 120 PS sich nur unwesentlich schwächer anfühlen. Zur Sportskanone wird der i30 mit keiner der angebotenen Motorisierungen. Da passt es wiederum, dass auch Fahrwerk und Lenkung mehr auf Komfort ausgelegt sind. Im März startet die fünftürige Limousine, im Sommer kommt der Kombi und ab 2018 legt Hyundai ein komplett neues viertüriges Coupé nach. In Planung sind übrigens auch N-Performance-Modelle mit über 250 PS. Scheint so, als würde Hyundai auch in Zukunft weiter Tempo machen.

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Datum

25. Januar 2017
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