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Fahrbericht: Opel Ampera

Vergessen Sie die Vorurteile zum Thema Elektroauto. Bei unserer Testfahrt zeigt sich der Opel Ampera ausdauernd. Ein Reichweitenproblem hat er jedenfalls nicht.

150, 100 oder gar nur 80 Kilometer? Beim Thema Elektromobilität grassiert die Reichweitenangst. Die Furcht, mit leerem Akku in der Wallachei zu stranden, erstickt bei vielen Dienstwagenfahrern das Interesse am E-Auto im Keim. Doch jetzt kommt der Opel Ampera und fährt und fährt und fährt. 500 Kilometer Reichweite verspricht Opel vorsichtig, denn obwohl man den 36.000 Euro teuren Stromer seit Juli kaufen kann, hat er noch nicht die endgültige Typprüfung bestanden. Wir wissen aber schon jetzt: mindestens 600 Kilometer sind drin, bis der Opel am Netz wiederbelebt werden muss.

Dabei hat der Ampera keine Super-Batterie an Bord. Im Gegenteil, die in einem eigenen GM-Werk produzierten 16-kWh-Lithium-Akkus sind sogar nur für 40 bis 80 Kilometer gut. Doch dann kommt der Trick: Sobald die 288 Zellen der Batterie keinen Saft mehr an den 150 PS starken Hauptmotor liefern, schaltet sich ein 1,4-Liter-Benziner zu.

Also doch kein E-Auto? Je nachdem. KBA sagt: Zwei verschiedene Antriebe, also handelt es sich um einen Hybriden – deshalb verlangt der Fiskus 24 Euro Steuer pro Jahr. Trotzdem fährt das Auto immer elektrisch. Sein Benziner treibt nämlich nicht die Räder, sondern einen zweiten Elektromotor an, der dann als Generator Strom erzeugt. Dieser Strom fließt direkt an den Hauptmotor. Bei Volllast wiederum unterstützt der Generator den Zentralmotor mit bis zu 73 PS und dient so als Zusatzaggregat.

Die Kraft der drei Herzen: zwei E-Motoren und ein Vierzylinder

Klingt kompliziert? Ist es auch, doch das System funktioniert unaufgeregt und unauffällig: 370 Nm Drehmoment sind ein Pfund, entsprechend stramm marschiert der Viersitzer los. Wie alle E-Autos zeigt er der benzin- und dieselbetriebenen Konkurrenz nicht nur an der Ampel die Rücklichter. Neun Sekunden braucht der Stromer von Null auf 100, was wir nach wenigen Metern gerne glauben. 160 km/h soll er rennen, doch wir belassen es bei 130 Sachen, schwimmen im Autobahnverkehr mit.

Das Auto ist hervorragend gedämmt und auf Komfort ausgelegt. Die Federung des gut 1.700 Kilo schweren Opels zumindest arbeitet definitiv auf der weichen Seite. In Sachen Raumangebot muss sich der 4,50 Meter lange Ampera ebenfalls nicht verstecken. Er ist ein vollwertiges Reiseauto und keine um einen E-Motor herumgebaute Notlösung, bietet ausreichend Platz für vier und deren Gepäck. Das relativiert die 36.000 Euro, die den Ampera zum aktuell teuersten Opel machen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Mäusekino im – passend zum Konzept – futuristischen Cockpit. In bunten Animationen kann man sich Energiefluss, Ladezustand oder Verbrauchsstatistik darstellen lassen. Auch dass man gleich unter vier Fahrstufen wählen kann, fällt in die Kategorie Spielerei. "Normal" und "Sport" decken den Alltagsbedarf weitgehend ab. Im Bergmodus mobilisiert die Batterie noch ein paar kW mehr, um auch steilste Hügel stramm zu erklimmen.

In der Stellung "Halten" schaltet sich der Vierzylinder dazu, die Batterie speichert ihren aktuellen Ladezustand und behält ihn für späteres emissionsfreies Fahren. Nach 70 Kilometern ist die erste Etappe zu Ende, die Batterie fast leer. Jetzt könnten wir das Auto an einer beliebigen Steckdose in weniger als vier Stunden aufladen. Der Strom für 100 Batterie-Kilometer kostet rund 3,20 Euro. Doch wir haben ja noch 35 Liter Benzin im Tank. Und so darf der kleine Vierzylinder im optimalen Drehzahlbereich schnurren, während wir die nächsten Kilometer elektrisch weiterfahren. Auch Tankstellen lassen wir links liegen. Bei einem Verbrauch zwischen fünf und sieben Litern halten wir erst nach 500 Kilometern Ausschau nach einer Zapfsäule.

Technische Daten Opel Ampera

Karosserie

  • Fünftürige Schräghecklimousine mit vier Sitzplätzen
  • Länge/Breite/Höhe: 4.498/2.126/1.787 mm
  • Gewicht: 1.732 kg
  • Zuladung: 268 kg
  • Kofferraumvolumen: 310–1.005 l

Motor/Batterie/Antrieb

  • Elektromotor mit Range-Extender und Planetengetriebe
  • Leistung Hauptmotor: 110 kW (150 PS)
  • Drehmoment: 370 Nm
  • Zusatzmotor/Generator 54 kW (74 PS)

Benziner

  • Hubraum: 1.398 cm3
  • Leistung: 63 kW (86 PS)
  • Drehmoment: 130 Nm bei 4.250/min
  • Lithium-Ionen-Batterie mit 16 kWh Kapazität
  • Ladezeit: rund 3 bis 4 Stunden bei 220 Volt
  • Stufenloses Getriebe, vier Fahrstufen, Frontantrieb

Fahrleistungen

  • 0–100 km/h 9,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit 161 km/h
  • Reichweite über 500 km

Einsatzbereich

  • Langstrecke
  • Stadt

Preis

  • 36.050 Euro

Autor

Foto

Charlie Magee

Datum

18. Juni 2011
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