Peugeot 308 SW 16 Bilder Zoom

Kaufberatung Peugeot 308 SW: Innere Größe

In schickem Outfit und mit sparsamen Motoren im Gepäck hat der geräumige Peugeot 308 SW die besten Argumente, um sich bei Flottenmanagern beliebt zu machen. Wenn er nur nicht den Hang zum Anderssein hätte.

Der 308 ist für Peugeot in etwa so wichtig wie der Golf für VW oder der Focus für Ford. Er ist das Volumenmodell, ein Stückzahlbringer. Derjenige also, der dem Hersteller das meiste Geld einfährt. Jedem vierten Auto kleben die Franzosen die Ziffern 3, 0 und 8 auf den Heckdeckel. Doch so richtig zünden wollte der Neue bei seiner Einführung Ende 2013 noch nicht. Und das obwohl der schicke Franzose kein dünnes Facelift, sondern eine komplette Neukonstruktion auf ganz neuer PSA-Konzern-Plattform ist.

Erst als im Sommer 2014 der im Außendienst beliebte Kombi 308 SW folgte, stiegen auch langsam die Absatzzahlen. Aus dem Vorgängermodell, das noch irgendwo zwischen Kombi und Van wanderte, wurde ein waschechter, eleganter Kombi. Acht Zentimeter zogen ihn die Peugeot-Designer in die Länge, fünf Zentimeter in die Breite und dank sportlich abfallender Dachlinie kommt er auch ganze acht Zentimeter flacher daher. Mit 4,58 Meter Länge liegt er nun auf Augenhöhe mit VW Golf Variant und Co. Angesichts der Masse an Auto, die man beim 308 SW (ab 16.554 Euro) im Vergleich zur 33 Zentimeter kürzeren fünftürigen Limousine erhält, sind die 756 Euro Mehrkosten ein wahrer Spottpreis.

Allein dem Kombi ist der Absatzzuwachs auf mittlerweile 15.000 Einheiten in 2015 aber nicht zuzuschreiben. Gleichzeitig mit dem Kombi führte Peugeot nämlich für alle 308-Modellvarianten seine neuen Blue-HDi-Dieselmotoren und Dreizylinder-Turbobenziner ein, was ebenfalls Käufer mobilisierte

Sparsame Motoren

Der Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,2 Liter Hubraum wurde 2014 und 2015 zum "Engine of the Year" gekürt. Natürlich auch aufgrund des geringen Verbrauchs von 4,6 Litern (106 g CO2) bei ordentlichen Leistungswerten von 110 und 130 PS sowie bis zu 199 km/h Höchstgeschwindigkeit. Angesichts der derzeit dauerhaft niedrigen Spritpreise können Fuhrparkleiter mit Außendienstlern im Kurzstreckeneinsatz beim kleinen Ottomotor durchaus ins Grübeln kommen. Immerhin kostet der günstigste Benziner 1.500 Euro weniger als der Einstiegsdiesel Blue HDi 100.

Aber alle, die ihre Mitarbeiter vorwiegend auf lange Reisen oder häufig auf die Straße schicken, kommen nicht am Dieselmotor Blue HDi vorbei. Besonders interessant ist der kleinere 1,6-Liter-Selbstzünder mit 120 PS. Den Normverbrauch gibt Peugeot mit lediglich 3,2 Litern an, was einem CO2-Ausstoß von nur 85 Gramm entspricht. Zumindest auf dem Datenblatt lässt der 308 seine Wettbewerber damit weit hinter sich. Dank Sechsgang-Schaltung ist der 120-PS-Diesel sogar sparsamer als die schwächere 99-PS-Version mit Fünfgang-Box (3,5 Liter/100 km).

In die Entwicklung der Dieselmotoren steckte Peugeot mehrere hundert Millionen Euro und meldete etwa einhundert Patente an. Das Kernstück der Abgasreinigung bildet der SCR-Katalysator, den Peugeot direkt vor dem Partikelfilter einbaut. Das soll den Stickoxidausstoß auf das Niveau eines Benziners reduzieren. Ja, ja, wir wissen, was Sie nun denken. Bei der aktuellen Dieselgate-Affäre kommen natürlich Fragen bezüglich der Glaubwürdigkeit solcher Angaben auf. Darauf hat Peugeot schon reagiert und den Blue-HDi-Motor in Bezug auf die gesetzlichen Vorschriften von der technischen Kommission des französischen Umweltministeriums nachträglich prüfen lassen. Der Befund: alles im grünen Bereich. Somit ist das Thema auch bei uns vom Tisch.

5,8 Liter Verbrauch im Praxistest

Dass die Normwerte nicht der Realität entsprechen, ist dennoch klar. Der Blue-HDi-Motor in unserem silbergrauen Testwagen schöpft aus zwei Liter Hubraum 150 PS. Auch hier gibt Peugeot mit 3,6 Liter Durchschnittsverbrauch (93 g CO2) einen Wert an, bei dem die Konkurrenz vor Neid erblasst. Auf unserer FIRMENAU­TO-Normrunde schluckte der Peugeot 308 SW knapp zwei Liter mehr. Aber auch 5,8 Liter sind in der Praxis respektabel.

Zumal der Selbstzünder nicht nur beim Verbrauch punktet, sondern auf ganzer Linie überzeugt. Er ist laufruhig und kultiviert. Weder im untertourigen Bereich noch unter Volllast wird der Diesel wirklich laut. Im Gegenteil: Der 308 schottet seine Insassen von allen Außengeräuschen beflissen ab. Der Turbodiesel erreicht sein maximales Drehmoment von 370 Nm zwar erst ab 2.000 Umdrehungen, er hängt aber bereits im Drehzahlkeller bei 1.000 Touren gut am Gas und arbeitet sich mit Leichtigkeit das Drehzahlband nach oben. Im Stadtverkehr nimmt der Schaltknauf deshalb des Öfteren eine Statistenrolle ein. Obwohl auch die Gangwechsel mit kurzen, präzisen Wegen richtig Laune machen. Das straff abgestimmte Fahrwerk passt zum sportlichen Charakter des 308. Wer ganz aufs Schalten verzichten möchte, der bekommt für 1.260 Euro ein Sechsstufen-Automatikgetriebe.

Um den kompakten Peugeot zu erleben, muss man ihn natürlich fahren. Doch so mancher, der sich das erste Mal hinters Steuer des Franzosen klemmt, rümpft schon mal die Nase. Was ist denn das? Der 308 hat ja ein Mini-Lenkrad. So klein, dass der Fahrer über den Lenkradkranz auf die Instrumente blickt. Die Erklärung aus Frankreich: Dadurch bleibe der Blick des Fahrers näher am Straßengeschehen. Papperlapapp. Ein Head-up-Display wäre deutlich hilfreicher und das kleine Lenkrad bringt beim Handling nur Nachteile mit sich. Übergreifen? Geht kaum. Schnelles kurbeln? Nur schwer, weil das 35 Zentimeter breite Lenkrad auch noch unten abgeflacht ist. Das Gokart-Lenkrad passt vielleicht zum kleineren 208, in einer gestandenen Kompaktklasse, die in manchen Fuhrparks schon Mittelklasse-Modelle ersetzt, wirkt es zu verspielt. Warum haben französische Marken nur immer den Hang, ihr Cockpit etwas anders zu gestalten

Innenraum und Ausstattung

Der Rest im 308 hinterlässt wieder einen tadellosen Eindruck. Die Oberfläche des Armaturenbretts besteht aus reichlich Softtouch-Materialien. Luftauslassdüsen, Instrumente und andere Details am Armaturenträger funkeln mit schickem Chrom umrandet. In unserer GT-Line (1.848 Euro) stülpt sich der 308 sogar weiches Kunstleder über die Türverkleidung. Ablagen für jede Art von Krimskrams sind ebenfalls vorhanden. Das Smart­phone und andere externe Geräte beispielsweise lassen sich direkt vor dem Schaltknauf einstöpseln und so in guter Sicht- und Reichweite verstauen.

Auf überflüssige Knöpfe und Direkttasten verzichtet Peugeot. Nur die wichtigsten wie für Warnblinker oder Zentralverriegelung haben ihren Platz gefunden. Alle anderen Funktionen, auch die Klimaautomatik, werden über den 9,7-Zoll-Touchscreen gesteuert. Mit etwas Eingewöhnungszeit finden wir uns im Menü schnell zurecht, obwohl dem 308 eine Sprachsteuerung fehlt.

Der große Touchscreen inklusive Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Navi ist übrigens im 150-Diesel-PS starken 308 SW serienmäßig. Er startet ab 22.100 Euro in der mittleren Ausstattungslinie Active. Trotzdem sollten Sie gleich zur Topausstattung Allure (1.500 Euro Aufpreis) greifen. Dann sind Extras wie LED-Scheinwerfer an Bord. Und fast alle Assistenzsysteme sind erst ab Allure buchbar.

Platzverhältnisse und Kofferraum

Seinen Längenvorteil von 33 Zentimetern gegenüber der Limousine spielt der 308 Kombi vorzugsweise an seiner Heckpartie aus: Allein 22 Zentimeter gehen auf den hinteren Überhang. Mit 610 Liter Kofferraumvolumen lässt er somit Laderaumspezialisten wie VW Golf Variant (424 Liter) und Skoda Octavia Combi (480 Liter) weit hinter sich. Ein Fingerzug an den Kofferraumseiten und die Rücksitzlehnen klappen vor. Auf topfebenem Boden passen bis zu 1.660 Liter Gepäck hinein. Das Gepäckraumrollo rutscht derweil passgenau diagonal unter den doppelten Ladeboden. Aluminium-Schienen mit Verzurrösen und ein spezielles Laderaumsystem mit Teleskopstange (70 Euro) sorgen dafür, dass nichts verrutscht.

Der Radstand des Kombis ist gegenüber dem Fünftürer elf Zentimeter größer. Weil Peugeot zudem die Rückbank etwas nach hinten versetzt hat, bleibt uns im Fond mehr Beinfreiheit und wir sitzen bequemer. Auch die Fondtüren sind größer ausgeschnitten, weshalb das Einsteigen leichter fällt.

Plus

Durchzugsstarker und sparsamer Diesel, ausgewogenes Fahrwerk, präzise Sechsgang-Schaltung, aufgeräumtes Cockpit, ordentliche Materialqualität, gute Verarbeitung, ausreichend Ablagen, gute Platzverhältnisse vor allem im Fond, bequeme Sitze, großer Kofferraum, praktische Ladungssicherung, umfangreiche Ausstattung

Minus

Teilweise unübersichtliche Rundumsicht, kleines Lenkrad, seltenes Poltern auf der Vorderachse, Sprachsteuerung fehlt, viele Paketpreise für Sonderausstattung, nur zwei Jahre Garantie

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

22. Februar 2016
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