Citroen Grand C4 Picasso, Opel Zafira Tourer, Ford Grand C-Max 15 Bilder Zoom

Vergleichstest Vans: Drei mit Format

Sind Kombis zu klein, schlägt die Stunde der Vans. Der Citroën Grand C4 Picasso richtet sich an komfortbewusste Vielfahrer. Was macht er anders als Opel Zafira Tourer und Ford Grand C-Max?

Dieser Test ist all jenen Frauen und Männern gewidmet, die auf ihren Firmenwagen keine "Kevin-an-Bord-Sticker" kleben, weil eine quäkende Kinderschar mit Wochenendausflügen bespaßt werden will. Der Test richtet sich einfach an alle, die keinen Kombi, sondern einen vielseitigen, variablen Van zu noch stemmbaren Kosten fahren wollen. In dieser Liga ist nun auch Citroën wieder vertreten, mit Option auf zwei Zusatzsitze im Heck (588 Euro Aufpreis).

Grand C4 Picasso lautet der etwas umständliche Name des 4,60 Meter langen Fronttrieblers, der mit seiner relativ ­flachen Motorhaube gar nicht so Van-­typisch beginnt. Was folgt, ist aber ganz klar Großraum, lichtdurchflutet, darüber hinaus sauber verarbeitet und mit hochwertigen Materialien eingekleidet. Mit vier Kollegen verreisen? Das geht locker, wenngleich große Mitfahrer auf den hinteren Außenplätzen mit ihrem Kopf der Dachkante sehr nahe kommen.

Ford und Opel sind luftiger geschnitten als der Citroën

Auch der Sitzkomfort könnte besser sein: Die vorderen Polster, in der getesteten Topversion Exclusive sogar mit Massagefunktion versehen, stützen den Oberkörper in Kurven wenig ab. Die Fond-Einzelsitze wiederum sind zu niedrig montiert, um lange Beine genügend zu stützen. Und die gewaltigen Erste-Klasse-Kopfstützen des Exclusive drücken großen Menschen auf die Schultern wie ein schlecht sitzender Rucksack.

Das können der enger geschnittene Ford Grand C-Max und der bekannt luftige Opel Zafira Tourer besser. Vorn wie hinten sitzt man selbst auf Langstrecken kommod, abgesehen vom schmalen und hart gepolsterten Mittelplatz. Er lässt sich bei Bedarf in den rechten Außensitz falten, um freien Zugang zur dritten Sitzreihe zu bieten. Eine klappbare Beifahrersitzlehne (Serie im Citroën, 138 Euro bei Opel), die praktisch sein kann, nicht nur beim Transport des Weihnachtsbaums, gibt es allerdings nicht.

Das Tännchen kommt im Citroën begleitet vom körnigen Brummen des neuen, nach Euro 6 sauberen Zwei-Liter-Diesels und bestens gefedert nach Hause. Querrinnen mag der große Picasso zwar nicht wirklich, doch Wellen bügelt er noch sanfter weg als der Zafira, selbst wenn der mit Adaptiv-Dämpfern (823 Euro) gepimpt ist.

Der Citroën ist ein Komfort-Typ

Beide sind in dieser Disziplin dem Grand C-Max überlegen, der auf richtig miesen Strecken schon mal mit seinen Schiebetüren klappert. Er ist nicht unkomfortabel, aber jenen Hauch straffer ausgelegt, der schon im Stadtverkehr viel Spaß auf der Landstraße verspricht. Wie ein Kompakter lässt sich der Ford in die Kurven werfen, noch williger und präziser als der beachtlich gute Zafira Tourer.

Der Grand C4 Picasso dagegen will in Kurven gezwungen werden, liegt geradezu sperrig in der Hand und signalisiert, dass ihm Tempomachen trotz seiner 150 PS nicht gerade im Blut liegt. Als Gleiter outet er sich vollends in lang gezogenen Autobahnkurven, in welche die Konkurrenten wie von selbst hineinstechen. Mit sehr bewussten Lenkbefehlen und etwas Nachdruck am überladenen Multifunktionslenkrad dagegen muss der Citroën hier auf Kurs gezwungen werden und bewirbt sich so um den Vorsitz im elitären Club der Highspeed-Untersteurer.

Grand C-Max und Zafira Tourer erweisen sich nicht nur deshalb als die agileren, handlingfreudigeren Vans. Ihre Stabilitätsprogramme greifen sanfter ein, wenn es einmal eng wird, sie vermitteln dem Fahrer mehr Gefühl für die Interaktion zwischen Reifen und Piste und ihre nicht minder kräftigen Bremsen lassen sich viel feiner dosieren als die des Citroën.

Gewöhnungsbedürftige Bedienung

Der Grand C4 Picasso macht also vieles anders. So auch beim Bedienkonzept, was schon der zierliche Wählhebel der Sechsstufen-Wandlerautomatik hinterm Lenk- rad zeigt (Citroën konnte uns keinen 1.008 Euro günstigeren Schaltwagen liefern). Nicht selten aktiviert der Fahrer beim Schalten von D nach P oder R erst einmal die Scheibenwischer.
Und die zwei großen Monitore sind auch nicht das Ei des Kolumbus: Auf dem unteren Touchscreen, der die Karte des serienmäßigen Navigationssystems zeigt, während die Abbiegepfeile oben im Drehzahlmesser erscheinen, lassen sich allerlei Dinge regeln bis hin zu Internet-Apps. Doch wenn die Temperatur-Justierung der Zwei-Zonen-Klimaautomatik (serienmäßig sogar mit seitenweise getrennter Gebläseregelung für den Fond) nicht in einem Schritt möglich ist, läuft was in die falsche Richtung.

Der Grand C-Max wirkt hier trotz kleiner Instrumente und verwirrender Menüs schon bedienfreundlicher. Am wenigsten Probleme aber bereitet der Zafira Tourer, trotz der vielen Knöpfe auf der Mittelkonsole. Dass der große Opel mit dem kleinsten und PS-schwächsten Motor antritt, schadet wenig. Der 1,6-Liter-Diesel nervt zwar mit einem tiefen Turboloch, doch später bietet er bei guter Laufkultur absolut ausreichendes Temperament. Dass er nicht 210 km/h wie der dann laut im Wind rauschende Citroën schafft oder wenigstens 200 wie der Ford − geschenkt.

Beim Testverbrauch setzt er sich nämlich mit 6,5 Litern klar vom spritzig-kraftvollen Ford (7,2 Liter, Einziger ohne Start-Stopp-System) ab. Mit 6,7 Litern nah am Opel liegt der brummige Citroën, der für den höchsten Preis mit der üppigsten Ausstattung entschädigt. Auf der genormten Testrunde gibt sich der Ford hingegen als sparsamster der drei Kandidaten und schluckt nur 5,0 l/100 km.

Autor

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Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

28. Februar 2014
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