VW Amarok 10 Bilder Zoom

VW Amarok: Im Rekordtempo zum Platzhirsch

Er kam erst vor zwei Jahren auf den Markt und ist schon Marktführer unter den Pick-ups. Der Modellcheck nennt die Stärken und Schwächen des VW Amarok.

Mit der VW-Rückkehr ins Pick-up-Segment 2010 wirbelte der Amarok eine gehörige Menge Staub auf. Schon ein Jahr später übernahm er das Zepter in der Ein-Tonnen-Klasse. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent behauptet er seine unangefochtene Führungsposition.

In zwei Karosserieversionen gibt es den Amarok: seit Kurzem als Einzelkabine (Single Cab) für zwei Personen oder als fünfsitzige Doppelkabine (Double Cab). Letztere stammt nicht mehr aus dem argentinischen Werk bei Buenos Aires, sondern kommt neuerdings aus Hannover. Zwar schrumpft bei der viertürigen Version die Ladefläche von sonst 3,57 auf 2,52 m2, Europaletten schultert der Pickup trotzdem quer.

Fahren mit offener Ladeklappe möglich

Um das Be- und Entladen bei Dunkelheit zu erleichtern, ist in der dritten Bremsleuchte eine zuschaltbare Beleuchtung integriert. Wird Längeres transportiert, kann alternativ auch mit geöffneter Ladeklappe gefahren werden. Einzige Bedingung ist ein zusätzlicher Kennzeichenhalter, da das Nummernschild sonst nicht mehr lesbar ist.

Um die Pritsche vor unschönen Kratzern und Dellen optimal zu schützen, sollte die abriebfeste Beschichtung (575 Euro) geordert werden. Oder noch besser die kratzfeste Aluminiumauskleidung (650 Euro). Einen Schutz vor Langfingern gewährt die abschließbare Laderaumabdeckung. Sie ist in Alu (1.570 Euro) oder in Wagenfarbe lackiertem Kunststoff (2.390 Euro) erhältlich.

Hardtop gegen Aufpreis

Für 2.660 Euro extra schrauben die Monteure in Hannover sogar ein lackiertes Hardtop auf den Amarok. Wer nur kleinere Gegenstände vor Regen schützen muss, kann auch das geräumige Fondabteil nutzen. Hierzu lässt sich die geteilte Rückbank wie bei einem Kinositz mit wenigen Handgriffen hochklappen.

Darunter befinden sich Staufächer, die sichtgeschützt allerhand Kleinkram aufnehmen. Überhaupt bietet der VW viele durchdachte Ablagen, die auch größere Utensilien klaglos unterbringen. Auch die beiden höhenverstellbaren Vordersitze sind komfortabel. Man sitzt angenehm aufrecht und selbst in der zweiten Reihe gibt es genügend Bewegungsfreiheit. Ist aber gleich ein ganzer Arbeitstrupp mit dem Amarok unterwegs, kann es hinten eng werden. Dafür gewährt die Rückbank selbst langen Beinen reichlich Oberschenkelauflage.

Achtgang-Automatik aus dem Porsche Cayenne

Für den Antrieb sorgen zwei Turbodiesel mit 122 und 180 PS, wahlweise auch als Blue-Motion-Technology-Ausführung mit Start-Stopp, Rekuperation und rollwiderstandsarmen Reifen. Wer statt der Sechsgangschaltung lieber den Vorteil eines Wandlergetriebes genießt, sollte auf jeden Fall zur Achtgang-Automatik greifen.

Die sonst in Modellen wie dem VW Phaeton oder Porsche Cayenne eingesetzte Automatik wurde speziell für den Amarok abgestimmt und erhöht mit sanften Schaltwechseln den Komfort an Bord maßgeblich. Ihr erster Gang ist extrakurz übersetzt. So greift der Wandler früher und man kann extrem langsam mit Schlupf durchs Gelände kriechen oder prima am steilen Berg anfahren.

Knapp drei Tonnen Zugkraft

Auch den Hängerbetrieb – der Amarok kann 2,8 Tonnen ziehen – erleichtert der kurze erste Gang. Im Test genehmigte sich der Bi-TDI rund zehn Liter und übertraf damit die Werksangabe um gut zwei Liter. Doch angesichts des beträchtlichen Gewichts von über 2,1 Tonnen sowie der hohen Motorleistung ist das durchaus angemessen.

Je nach Einsatzgebiet kann der Amarok entweder heckgetrieben, mit zuschaltbarem Allradantrieb oder permanentem Allrad bestellt werden. Für den ganz schwierigen Einsatz im Gelände bietet VW neben einem zusätzlichen Unterfahrschutz (150 Euro) und zwei speziellen Offroad-Paketen für 575 Euro eine mechanische Differenzialsperre hinten an.

Wattiefe leigt bei 50 Zentimetern

Bei der Karosserie nutzt VW bewährte Technik. Die Karosserie ist auf einem separaten Leiterrahmen aufgeschraubt. Große Böschungswinkel von vorne 28 und hinten knapp 24 Grad sorgen für Bewegungsfreiheit abseits befestigter Wege. Und bei einer Wattiefe von 50 Zentimetern stellen kleine Flüsse und Bäche kein wirkliches Hindernis dar.

Auch Steilhänge oder Kuppen nimmt der Amarok mit Bravour – das gilt selbst für die Doppelkabine mit serienmäßig permanentem Allradantrieb und Automatik, obwohl sie auf eine Geländeuntersetzung verzichtet. Auf Gefällstrecken regelt das ABS dank der Offroad-Funktion spürbar langsamer, damit sich vor den Reifen ein bremsender Geröllkeil aufbaut.

Aber auch auf asphaltierten Straßen macht es Spaß, den Amarok zu bewegen. Er fährt sich handlich und problemlos. Seine Lenkung arbeitet exakt genug und die Bremsen packen energisch zu. Bei 22.610 Euro startet die Basisausführung der Amarok-Doppelkabine, die von uns getestete 180 PS starke Automatikversion ist ab 28.650 Euro zu haben. Wobei Basis auch wirklich Basis bedeutet.

Trendline-Ausstattung bringt alles Nützliche mit

Elektrische Helfer sucht man vergebens. Hier wird noch mit Muskelkraft gekurbelt und der Außenspiegel muss mit der Hand justiert werden. Natürlich lassen sich diese Dinge einzeln oder im Paket werksseitig nachrüsten. Besser aber, man greift gleich zur rund 3.000 Euro teureren Trendline-Ausstattung, die schon alles Nützliche mitbringt.

Da der hohe Amarok beim Einparken recht unübersichtlich ist, bestellt man die akustische Parkhilfe (ab 325 Euro) am besten gleich mit. Die Aufpreisliste ist VW-typisch ellenlang, aber dafür auch wirklich auf den gewerblichen Einsatz abgestimmt. So kann man beispielsweise gleich einen digitalen Tachografen bestellen.

Mit Klimaautomatik, Navigation oder WLAN-Router lässt sich der Pick-up schnell zum komfortablen Fernreise-Laster hochrüsten, was das Budget des Flottenmanagers aber entsprechend belastet. Billig ist der Amarok ohnehin nicht, dennoch hat VW mit dem Pick-up ein gelungenes, modernes Fahrzeug auf die Räder gestellt. Und wieder einmal allen anderen Herstellern bewiesen, dass sich auch ein verspäteter Einstieg lohnt: Der späte Bär fängt eben mehr.

*Bei 20.000/40.000 km pro Jahr, 60/36 Monate Laufzeit.

Quelle Betriebskosten: Dekra, Stand: Oktober 2012

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

13. November 2012
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