Fuhrpark-Benchmark 2026: Lücken bei TCO und Daten

BBM Fuhrpark-Benchmark: 142 Firmen im Check
Car Policy steht, die Kostenrechnung wackelt

Fast jeder Fuhrpark hat eine Car Policy, doch nur jeder vierte rechnet mit vollständiger TCO. Der aktuelle BBM Fuhrpark-Benchmark 2026 zeigt, wo es bei Kosten, Datenintegration und E-Quote noch hakt.

Fuhrparkmanager am Laptop mit Fuhrpark-Dashboard, Car-Policy-Unterlagen und Firmenparkplatz mit E-Auto an Ladesäule im Hintergrund
Foto: KI-generiert/Open AI

Die Car Policy steht, die Tank- und Ladeabrechnungen laufen, der Führerschein wird digital kontrolliert. Auf dem Papier sind die meisten Fuhrparks ordentlich aufgestellt. Wer aber genauer fragt, was ein Dienstwagen das Unternehmen tatsächlich kostet, bekommt oft keine saubere Antwort. Diese Lücke hat der Bundesverband Betriebliche Mobilität (BBM) jetzt vermessen. Für den „BBM Fuhrpark-Benchmark 2026“ hat der Verband die Angaben von 142 Fuhrparkbetreibern aus zwölf Branchen ausgewertet, vom Mittelständler bis zum Großkonzern.

Car Policy ist Standard, TCO die Ausnahme

93 Prozent der befragten Unternehmen haben eine schriftliche Car Policy. Das Regelwerk gehört also längst zur Grundausstattung. Ob ein Fuhrpark wirklich professionell gesteuert wird, entscheidet sich aber an anderer Stelle: bei den Kosten. Und da wird es dünn. Nur 26 Prozent nutzen eine vollständige Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung (TCO). 57 Prozent erfassen zwar ihre Gesamtkosten, belastbar beziffern kann seine Kostenstruktur aber nur gut jeder Dritte (38 Prozent). Entsprechend entscheiden viele Fuhrparkverantwortliche über Fahrzeugwahl, Laufzeiten, Energieverbrauch und Investitionen ohne solide Zahlenbasis.

Hausordnung steht, jetzt fehlen die Daten

„Viele Fuhrparks haben ihre Hausordnung geschrieben. Jetzt müssen sie den nächsten Schritt gehen und mit belastbaren Daten steuern“, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des BBM. Seine Warnung: Wer seine Gesamtkosten nicht kenne und seine Systeme nicht miteinander verbinde, könne weder den Kostendruck noch die anstehende Transformation des Fuhrparks zuverlässig beherrschen.

Viele Tools, wenig Durchblick

An digitalen Werkzeugen mangelt es nicht. Tankkartenportale, elektronische Führerscheinkontrollen und Fuhrparksoftware decken zahlreiche Einzelprozesse ab. Ein integriertes System nutzen laut Studie nur 53 Prozent der Befragten. Viele Anwendungen laufen also weiter nebeneinander her: Daten werden doppelt erfasst, per Hand übertragen oder für Auswertungen mühsam aus verschiedenen Quellen zusammengesucht. Die Schlussfolgerung des Verbands: Ein weiteres Einzeltool bringt wenig. Was fehlt, sind funktionierende Schnittstellen, konsistente Daten und ein Reporting, das bei Entscheidungen tatsächlich hilft.

E-Autos erlaubt, aber selten auf dem Hof

Am deutlichsten zeigt sich die Lücke bei der Elektrifizierung. 90 Prozent der Car Policies lassen batterieelektrische Fahrzeuge bereits zu. Im tatsächlichen Bestand liegt deren Anteil im Median aber bei gerade einmal 20 Prozent. „Zwischen der Freigabe in der Car Policy und der Umsetzung im Fuhrpark liegt noch eine erhebliche Lücke“, sagt Prinzing. Ladeinfrastruktur, Budget, Wirtschaftlichkeitsrechnung und Nutzerakzeptanz müssten zusammen gedacht werden. Für ihn ist Elektromobilität damit keine Frage des passenden Modells mehr, sondern eine Managementaufgabe.

Zahlen für das Gespräch mit der Geschäftsführung

Konkret nutzen soll der Benchmark vor allem den Fuhrparkverantwortlichen selbst. Die Studie untersucht neben dem Reifegrad unter anderem Kostenstruktur und TCO, Personalausstattung, Compliance, Digitalisierung, Ladeinfrastruktur, Elektrifizierung sowie CO₂-Erfassung und -Steuerung. Quartile, Größenklassen und ein Vergleich mit besonders reifen Fuhrparks zeigen, wo das eigene Unternehmen steht und wo der größte Handlungsbedarf liegt. BBM-Geschäftsführer Axel Schäfer sieht darin vor allem Argumentationshilfe: Der Benchmark helfe, Investitionen in Software, Ladeinfrastruktur oder zusätzliches Personal gegenüber der Geschäftsführung sachlich zu begründen.

So wurde befragt

Grundlage des Benchmarks ist eine Onlinebefragung von 142 Fuhrparkbetreibern aus zwölf Branchen, durchgeführt im Mai und Juni 2026. Berücksichtigt wurden Unternehmen unterschiedlicher Größe, vom Mittelstand bis zum Großkonzern.

Weitere Informationen zur Studie „BBM Fuhrpark-Benchmark 2026“ und Bestellmöglichkeiten: https://mobilitaetsverband.de/beratung-und-services/bbm-fuhrpark-benchmark-2026