Firmenflotten sind beim Umstieg auf Strom weiter als private Autofahrer. Unter den befragten E-Auto-Fahrern ist jeder Dritte mit einem Dienstwagen unterwegs (33 Prozent), bei den Verbrenner-Fahrern nur gut jeder Fünfte (21 Prozent).

Melanie Falkenstern, Leiterin Shell Fleet Solutions Deutschland, Österreich und Schweiz: „Für Unternehmen stehen Produktivität, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.“
Der Dienstwagen ist damit einer der wichtigsten Wege ins Elektroauto. Das zeigt die Shell Elektromobilitätsstudie 2026, die der Energiekonzern zum neunten Mal vorlegt. Für Deutschland hat der Forschungspartner Strive 1.500 Personen befragt, davon 1.000 E-Auto-Fahrer. Die Ergebnisse zeigen aber auch: Ohne Ladepunkt am Firmenstandort und verlässliche Säulen unterwegs gerät die Rechnung im Fuhrpark ins Wanken.
Jeder Neunte über 30.000 Kilometer
Das Bild vom Elektroauto als Zweitwagen für die Stadt hält dem Alltag im Fuhrpark nicht stand. 24 Prozent der elektrischen Flottenfahrer kommen auf mehr als 20.000 Kilometer im Jahr, über alle E-Auto-Fahrer liegt der Anteil bei 17 Prozent. Noch deutlicher ist der Abstand bei den echten Vielfahrern: 11 Prozent der E-Flottenfahrer überschreiten 30.000 Kilometer, im Gesamtschnitt sind es 6 Prozent.
Eingesetzt werden die Stromer vor allem für Kunden- und Lieferantenbesuche (54 Prozent) und den Transport von Equipment (51 Prozent). Dahinter folgen die Verteilung von Waren und Dienstleistungen (29 Prozent) sowie Auslieferungen an Endkunden (25 Prozent). Das E-Auto ist damit Arbeitsgerät und kein Imageträger. Laut Shell entscheiden Unternehmen vor allem nach Betriebskosten, Verfügbarkeit und Produktivität.
Zwei Drittel laden beim Arbeitgeber
Wie viel an der Ladeinfrastruktur am eigenen Standort hängt, zeigt eine Zahl besonders deutlich: 65 Prozent der elektrischen Flottenfahrer laden mindestens einmal pro Woche beim Arbeitgeber. Das ist deutlich häufiger als der Durchschnitt aller E-Auto-Fahrer. Die Studie sieht das Laden am Arbeitsplatz als Bindeglied zwischen der Wallbox zu Hause und der öffentlichen Säule. Für Fuhrparkverantwortliche heißt das: Wer elektrifiziert, ohne am Standort Ladepunkte zu schaffen, verlagert die Kosten auf die Straße und auf die Ladekarte.
Unterwegs wählen Flottenfahrer vor allem nach Tempo und Preis. 34 Prozent nennen die Ladegeschwindigkeit als Kriterium bei öffentlichen Ladepunkten, 33 Prozent die Kosten. Für 22 Prozent zählt, ob sich die Säule per App bedienen lässt, 17 Prozent achten auf Prämien und Treueprogramme, 16 Prozent auf die Zahl der Bezahlmöglichkeiten.
Lieber Umweg als defekte Säule
Bemerkenswert ist die Bereitschaft, für Verlässlichkeit Zeit zu investieren: 73 Prozent der elektrischen Flottenfahrer würden einen Umweg fahren, um einen zuverlässigeren Ladepunkt zu erreichen. Für den Außendienst ist eine ausgefallene Säule keine Lappalie, sondern verlorene Arbeitszeit. „Zuverlässige Ladeinfrastruktur ist heute wichtiger als die reine Zahl der Ladepunkte“, sagt Melanie Falkenstern, Leiterin Shell Fleet Solutions für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Entscheidend ist, dass Fahrzeuge jederzeit einsatzbereit bleiben.“ Dass das ein Konzern mit rund 2.400 eigenen Ultraschnellladepunkten betont, überrascht wenig. Die Zahlen stützen es aber.
Immerhin schneidet das öffentliche Netz besser ab als im Vorjahr. 69 Prozent der E-Auto-Fahrer sehen eine bessere Verfügbarkeit, 64 Prozent eine höhere Zuverlässigkeit. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis erkennt dagegen nicht einmal jeder Zweite (47 Prozent) Fortschritte.
Was Verbrenner-Flotten noch bremst
Bei Flottenfahrern, die noch keinen Stromer fahren, sind die Hürden bekannt: 28 Prozent nennen fehlende Ladeinfrastruktur, 25 Prozent die hohen Anschaffungskosten. Wer einmal umgestiegen ist, bleibt dagegen meist dabei: 89 Prozent der E-Auto-Fahrer würden wieder ein Elektrofahrzeug in Betracht ziehen.
Als größte Vorteile nennen elektrische Flottenfahrer niedrigere Energiekosten (33 Prozent), Fahrspaß (32 Prozent) und Umweltaspekte (31 Prozent). Dass der Fahrspaß fast gleichauf mit den Kosten liegt, ist ein Argument für die Car Policy: Für viele Mitarbeiter ist der E-Dienstwagen offenbar kein Verzicht.








