Ein SUV-Coupé mit britischen Anleihen
4,74 Meter lang, 1,91 Meter breit und mit einer zum Heck hin abfallenden Dachlinie: Der Actyon markiert für KGM den Einstieg ins Segment der SUV-Coupés und soll die Designphilosophie „Powered by Toughness" auf eine neue Stufe heben. Das horizontale LED-Leuchtband an der Front, die blitzförmigen Tagfahrleuchten und die kantige, sich nach unten verbreiternde C-Säule sorgen für einen unverwechselbaren ersten Eindruck. Wer im mächtigen Heck mit seiner Trapezform und der schwarzen Namensplakette Anleihen an britische Nobel-SUVs erkennt, liegt nicht ganz falsch – ein Vergleich, den sich der Actyon auch auf unseren Testfahrten immer wieder gefallen lassen musste. 206 Millimeter Bodenfreiheit und eine Unterfahrschutz-Optik unterstreichen den robusten Anspruch der Marke, auch wenn der Actyon in erster Linie ein Straßenfahrzeug bleibt. Auffällig sind zudem die schwarzen, hakenförmigen Zierelemente am Übergang von Motorhaube zu A-Säule, die entfernt an Festmacher-Klampen auf Sportbooten erinnern. Eine echte Funktion erfüllen sie nicht, sie sollen aber zusätzlich Abenteuer- und Offroad-Flair vermitteln.

Leder, Rautensteppung und rote Kontrastnähte prägen die Vordersitze des Actyon. Seitlich bieten sie ordentlichen Halt, die Verarbeitung wirkt hochwertiger als der Einstiegspreis vermuten lässt – ein optischer und haptischer Pluspunkt im Innenraum des KGM-SUV.
1.568 Liter Kofferraum und großzügiger Innenraum
Mit 2,68 Metern Radstand geht es im Innenraum großzügig zu. Auch großgewachsene Passagiere finden im Fond ausreichend Kopf- und Beinfreiheit, die Ledersitze sind vorn wie hinten beheizbar. Der Kofferraum fasst serienmäßig 668 Liter und wächst durch Umklappen der 60:40 teilbaren Rückbank auf bis zu 1.568 Liter – ein starker Wert im Wettbewerbsumfeld. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich allerdings, dass nicht jedes Bauteil dem hochwertigen ersten Eindruck standhält: Kunststoffe unterhalb der Sichtlinie wirken einfacher verarbeitet.
Zwei Displays, aber kaum echte Tasten
Zwei 12,3-Zoll-Displays verschmelzen zu einem Panoramadisplay, das Betriebssystem Athena 2.0 soll für intuitive Bedienung sorgen. In der Praxis dauert es aber, bis man sich zurechtfindet: Klimafunktionen, Fahrmodi und viele weitere Einstellungen laufen über den Touchscreen, echte Tasten sind rar gesät. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich zuverlässig einbinden, das Multifunktionslenkrad ist dagegen mit Tasten überfrachtet und wirkt im ersten Moment eher wie eine Fernbedienung als wie ein klassisches Volant.

Das große Touchdisplay im Actyon zeigt eine übersichtliche Menüführung mit klar strukturierten Kacheln. Grafik und Reaktionsgeschwindigkeit wirken zeitgemäß, auch wenn die Menütiefe bei manchen Funktionen etwas Eingewöhnung erfordert. Insgesamt ein solider Auftritt, der Anschluss an gängige Konkurrenzsysteme hält.
Wenn die Handtasche als Beifahrer zählt
Positiv fällt zunächst auf, wie umfangreich KGM den Actyon bereits in der Basisversion mit Fahrerassistenzsystemen ausstattet: automatisches Notbremssystem, Spurverlassenswarner, Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner und Fernlichtassistent gehören zum Serienumfang, in höheren Linien kommen Totwinkelassistent und Querverkehrswarner hinzu. Im Alltag zeigt sich jedoch, dass es der Actyon mit der Fürsorge übertreibt. Auf einer Fahrt durch die Schwäbische Alb etwa bestand der Spurhalteassistent auf der Landstraße derart konsequent darauf, exakt mittig in der Spur zu bleiben, dass die kurvige Strecke zur echten Anstrengung wurde – wer selbst leicht korrigierend lenkt, bekommt spürbaren Gegendruck zu spüren. Auch der Gurtwarner reagierte im Test nicht immer plausibel: Eine auf dem Beifahrersitz abgelegte, zugegebenermaßen recht schwere Handtasche wurde vom System nicht erkannt. Stattdessen meldete der Actyon hartnäckig einen nicht angeschnallten Beifahrer. Kurios auch: Bei sommerlicher Hitze ließen sich die Fenster nicht komplett per Funkschlüssel von außen öffnen oder schließen – eine Komfortfunktion, die man sich an heißen Testtagen gewünscht hätte, um das Fahrzeug vorab lüften zu können.

Wird eine Tasche auf den Beifahrersitz gelegt, registriert der Actyon dies als Person und aktiviert prompt den Gurtwarner. Ein kleines Ärgernis im Alltag, das zeigt: Die Sitzbelegungserkennung reagiert empfindlich. Wer nicht dauerhaft bimmeln hören will, sollte Taschen besser auf die Rückbank legen - oder anschnallen.
8,0 Liter versprochen, über 9 Liter gemessen
Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung, der 120 kW/163 PS und 280 Nm Drehmoment leistet, die bereits bei 1.500 Touren anliegen. Wahlweise übernimmt ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine Sechsstufen-Automatik die Kraftübertragung, Allradantrieb ist gegen Aufpreis erhältlich. Die Fahrleistungen bewegen sich im Mittelfeld des Segments, mehr als souveränes Vorwärtskommen darf man nicht erwarten. Beim Verbrauch bestätigt sich, dass der Actyon ohne Elektrifizierung auskommen muss: KGM gibt 8,0 bis 9,0 Liter im WLTP-Zyklus an. Auf unseren Testfahrten, die überwiegend auf der Autobahn und mit zügigem Tempo stattfanden, pendelte sich der Bordcomputer zwischen 8,56 und 9,28 Litern ein – solide im Rahmen der Herstellerangabe, aber für ein Fahrzeug dieser Klasse ohne Hybridunterstützung kein Wert, der beim Blick auf die Konkurrenz beruhigt. Wer überwiegend Landstraße und Stadt fährt, dürfte tendenziell darunterliegen, spätestens bei höherem Autobahntempo zieht der Verbrauch aber spürbar an.
Ab 35.790 Euro: Hybrid nur in der teuersten Linie
Der Actyon startet bei 35.790 Euro für die Einstiegslinie „Core", die bereits LED-Scheinwerfer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, beheizte Ledersitze und das komplette Panoramadisplay mitbringt. Ab 39.450 Euro folgt „Bliss" mit Automatikgetriebe, Totwinkelassistent und Keyless-Go, das Topmodell „Lux" rundet ab 42.250 Euro mit 360-Grad-Kamera, elektrischer Heckklappe und adaptivem Tempomat das Angebot ab. Wer den Allradantrieb wünscht, zahlt 2.200 Euro Aufpreis. Fünf Jahre Garantie bis 100.000 Kilometer sowie eine europaweite Mobilitätsgarantie runden das Paket ab und sollen die Kaufentscheidung zusätzlich erleichtern. Seit einiger Zeit steht zudem eine Hybridversion mit BYD-Technik und einer Systemleistung von 150 kW/204 PS zur Wahl, die im Testverbrauch spürbar günstiger abschneidet, allerdings ausschließlich als Fronttriebler in der teuersten Ausstattung angeboten wird.

Das Heck des Actyon zeigt eine schmale Lichtleiste und schlanke, "vergitterte" Rückleuchten, die ihm eine eigenständige Note verleihen. Mit 4,74 Meter Länge, 1,91 Meter Breite und 1,67 bis 1,68 Meter Höhe sowie 2,68 Meter Radstand zählt das SUV-Coupé zu den größeren seiner Klasse. Der Kofferraum fasst 668 bis 1.568 Liter.
Ein Auto für den zweiten, kritischeren Blick
Der KGM Actyon ist ein Fahrzeug der zweiten Blicke: Optisch macht er ordentlich etwas her, das Platzangebot stimmt und das Ausstattungspaket ist für den Preis großzügig geschnürt. Im Detail – bei Verarbeitung, Bedienlogik und vor allem bei den teils übereifrigen Assistenzsystemen – zeigt sich aber, dass hier noch nachjustiert werden könnte. Wer mit einem bisweilen bevormundenden Spurhalteassistenten und kleineren Bedien-Eigenheiten leben kann, bekommt für sein Geld ein geräumiges, gut ausgestattetes SUV-Coupé. Als reiner Genussfahrer über kurvige Landstraßen wird man mit dem Actyon dagegen nicht restlos glücklich.
Technische Daten des KGM Actyon
Basisdaten: fünftüriges SUV-Coupé, fünf Sitzplätze, Länge: 4,74 Meter, Breite: 1,91 Meter, Höhe: 1,67 Meter (1,68 Meter inkl. Dachreling), Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 668–1.568 Liter (VDA-Norm), Wendekreis: 10,86 Meter, Bodenfreiheit: 206 mm (Hybrid: 193 mm), Tankkapazität: 50 Liter
Actyon 1.5 GDI Turbo-Benziner (Frontantrieb, Schaltgetriebe): 120 kW/163 PS bei 5.000–5.500 U/min, Drehmoment 280 Nm bei 1.500–4.000 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Vmax: 194 km/h, Leergewicht: 1.550 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.050 kg, Anhängelast: 1.500 kg (gebremst)/750 kg (ungebremst), Verbrauch: 8,0 l/100 km (WLTP kombiniert), CO₂: 181 g/km. Preis: ab 35.790 Euro (Core) - alle Preise brutto
Actyon 1.5 GDI Turbo-Benziner (Frontantrieb, 6-Stufen-Automatik): 120 kW/163 PS bei 5.000–5.500 U/min, Drehmoment 280 Nm bei 1.500–4.000 U/min, Vmax: 191 km/h, Leergewicht: 1.580 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.080 kg, Anhängelast: 1.500 kg (gebremst)/500 kg (ungebremst), Verbrauch: 8,5 l/100 km (WLTP kombiniert), CO₂: 194 g/km. Preis: ab 39.450 Euro (Bliss, Automatik serienmäßig; bei Core optional gegen 2.200 Euro Aufpreis)
Actyon 1.5 GDI Turbo-Benziner (Allradantrieb, 6-Stufen-Automatik): 120 kW/163 PS bei 5.000–5.500 U/min, Drehmoment 280 Nm bei 1.500–4.000 U/min, Vmax: 191 km/h, Leergewicht: 1.670 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.170 kg, Anhängelast: 1.500 kg (gebremst, optional aufgelastet auf 1.800 kg)/500 kg (ungebremst), Verbrauch: 9,0 l/100 km (WLTP kombiniert), CO₂: 205 g/km. Aufpreis: 2.200 Euro (nur i. V. m. Automatikgetriebe, ab Core verfügbar, nicht für Hybrid)
Testwagen Actyon Hybrid (Ausstattungslinie LUX): Systemleistung 150 kW/204 PS (Verbrennungsmotor: 110 kW/150 PS bei 5.500 U/min, 220 Nm; E-Motor: 130 kW/177 PS, 300 Nm, Batterie 1,83 kWh), Vmax: 175 km/h, Leergewicht: 1.725 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.290 kg, Anhängelast: 1.300 kg (gebremst)/500 kg (ungebremst), Verbrauch: 6,1 l/100 km (WLTP kombiniert), CO₂: 138 g/km. Preis: 44.890 Euro








