Mit acht Jahren Bauzeit mag der Toyota Corolla für viele Neuwagenkunden bereits zum alten Eisen zählen. Und doch ist Toyotas Kompaktklassiker derzeit in deutschen Städten als von Uber und Bolt eingesetztes Ride-Hailing-Taxi allgegenwärtig. Und das aus mehr als guten Gründen, wie ein Praxistest mit dem Kombi Touring Sports zeigt.
Überraschend modern trotz seines Alters
Der erste Eindruck: Mit seinem 2018 eingeführten und 2022 dezent überarbeiteten Design sorgt der Japaner zwar längst nicht mehr für Überraschungen. Dennoch wirkt der Corolla noch immer modern und stimmig. Das liegt auch daran, dass Toyota der in Europa entwickelten zwölften Generation erstmals eine deutlich emotionalere Formensprache gegönnt hat, während die elf Vorgänger-Generationen eher graue Maus spielten. Weniger progressiv präsentiert sich das in jeder Hinsicht geräumige Interieur. Dafür überzeugt es mit hoher Funktionalität, guter Ergonomie und einer Bedienung, die keinerlei Rätsel aufgibt. Man muss lediglich den Motor per Knopfdruck starten und den etwas hoch positionierten Wählhebel mit kräftigem Zug in Fahrstufe P bringen – der Rest erledigt sich beinahe von selbst.

Hier findet man sich noch leicht zurecht: Das technisch leicht angestaubte wirkende Cockpit des Corolla TS.
Hybridantrieb zeigt seine größten Stärken
Auf der Straße: Unter der Haube arbeitet der 131 kW/178 PS starke 2,0-Liter-Hybrid, der zu den überzeugendsten Vollhybridantrieben am Markt zählt. Er läuft kultiviert, spricht spontan an und liefert dank kräftiger Elektro-Unterstützung einen erfreulich satten Antritt. Dass Toyota den früher typischen Gummibandeffekt des leistungsverzweigten e-CVT inzwischen weitgehend in den Griff bekommen hat, steigert den positiven Fahreindruck zusätzlich. Drehzahl und Beschleunigung harmonieren deutlich besser als früher miteinander. Dass es weiterhin keine festen Gangstufen gibt, stört jedenfalls nicht.
Sparsam unterwegs – mit kleinen Einschränkungen
Mit 7,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h vermittelt der Familienkombi sogar eine unerwartete Leichtigkeit. Gleichzeitig bleibt der Verbrauch im Alltag niedrig: In der Stadt sind deutlich unter fünf Liter möglich, auf der Autobahn pendelt sich der Wert bei etwas über fünf Litern ein. Selbst längere Etappen mit 180 km/h meistert der Corolla problemlos. Hier schmilzt allerdings der Hybridvorteil dahin. Souveräne Fahrleistungen und vor allem die hohe Effizienz dürften erklären, warum der Corolla vor allem auch in Zeiten hoher Spritpreise im Taxi- und Ride-Hailing-Einsatz so beliebt ist. Das komfortabel abgestimmte Fahrwerk passt bestens zum alltagstauglichen Charakter des Autos. Sportliche Ambitionen verfolgt der Toyota allerdings nicht.

Als Kombi ist der Corolla eine besonders alltagstaugliches und vielseitig nutzbares Auto.
Mehr Leistung kostet überschaubar mehr
Die Kosten: Knapp über 42.017 Euro (alle Preise netto) kostet der Touring Sports als 1.8 Hybrid, der bereits ordentliche 103 kW/140 PS bereitstellt. Rund 4.200 Euro mehr verlangt Toyota für den 2.0 Hybrid, der mit dem Aufpreis neben mehr Leistung auch die umfangreichere Ausstattung Teamplayer mitbringt. Wer häufig längere Strecken fährt und einen Hauch mehr Fahrspaß sucht, wird die Mehrinvestition in den 2.0 Hybrid nicht bereuen.
Konkurrenz bleibt derzeit Mangelware
Die Konkurrenten: Als klassischer Kombi mit Vollhybridantrieb steht der Corolla derzeit nahezu allein auf weiter Flur. Gut möglich, dass Volkswagen den für den Golf angekündigten Vollhybriden ab 2027 auch im Golf Variant anbieten wird. Rein elektrische Kombis, die hinsichtlich Energiekosten eine starke Alternative sind, bleiben dagegen rar und sind deutlich teurer. Ein Opel Astra Sports Tourer Electric startet bei 33.613 Euro. Die früher verfügbaren Elektro-Kombis von MG und Nio sind derzeit nicht mehr bestellbar. Als sparsamer und im Unterhalt sowie bei der Anschaffung günstiger Allrounder bleibt der Corolla damit nahezu alternativlos.
Warum der Corolla noch lange nicht zum alten Eisen zählt
Fazit: Ausgewogen, maximal unkompliziert, effizient und als 2.0 Hybrid auch noch unterhaltsam flott – kein Wunder also, dass der eigentlich betagte Corolla derzeit als Taxi in Deutschland zu einer späten Karriere durchgestartet ist. Und trotz seiner guten Anlagen, die der TÜV Report mit guten Bewertungen bestätigt, übertreibt der Japaner es nicht mit den Preisen.
Toyota Corolla Hybrid 2.0 Touring Sports – Technische Daten
Fünftüriger, fünfsitziger Kompaktkombi, Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,79 Meter, Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 596 – 1.606 Liter2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner + Elektromotor, Systemleistung: 131 kW/178 PS, maximales Drehmoment: 190 Nm bei 4.400 – 6.000 U/min, stufenloses CVT-Getriebe, 0-100 km/h: 7,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 4,7 l/100 km, Testverbrauch: 4,6 Liter, CO2-Ausstoß: 107 g/km (WLTP), Abgasnorm: Euro 6e, Preis: ab 29.286 Euro (Teamplayer)







