Neun Jahre sind für ein Automodell eine lange Zeit. Seit 2017 steht die zweite Generation des Volvo XC60 auf der Straße, zweimal haben die Schweden ihren Bestseller bereits aufgefrischt. Nun folgte die bislang umfangreichste Überarbeitung. Ein komplett neuer XC60 ist das SUV damit noch immer nicht. Doch technisch verändert sich mehr, als das vertraute Äußere vermuten lässt. Vor allem die Plug-in-Hybride T6 und T8 machen einen großen Sprung: Mit 41,2-kWh-Batterie sollen bis zu 200 Kilometer rein elektrisch möglich sein.

Volvo zielt mit dem Long-Range-PHEV ausdrücklich auch auf Flottenkunden. Bis zu 200 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite sollen viele tägliche Dienstwege ohne Einsatz des Benziners ermöglichen.
41,2 kWh machen aus dem PHEV fast ein E-Auto
Bisher musste sich der XC60 Plug-in-Hybrid mit 18,8 kWh Batteriekapazität und rund 80 Kilometern elektrischer Reichweite begnügen. Nun stecken 41,2 kWh brutto im Fahrzeugboden. Das Ergebnis: Der T6 Long Range kommt nach WLTP kombiniert auf 188 bis 200 Kilometer, innerorts sind sogar 223 bis 230 Kilometer ausgewiesen. Beim stärkeren T8 sind es bis zu 189 Kilometer. Damit verschiebt Volvo die Rolle des Plug-in-Hybrids. 100 oder 150 Kilometer Tagesfahrleistung lassen sich zumindest auf dem Papier komplett elektrisch bewältigen. Gleichzeitig bleibt der 68 Liter große Benzintank erhalten. Volvo nennt für den T6 eine Gesamtreichweite von mehr als 1.200 Kilometern. Das ist gerade für Dienstwagenfahrer eine interessante Kombination: Pendel- und Regionalstrecken elektrisch, die lange Autobahnetappe ohne zwingenden Ladestopp.
Dazu passt eine kleine, aber wichtige Änderung bei der Software. Wählt der Fahrer den elektrischen Pure-Modus, merkt sich der XC60 diese Einstellung künftig. Beim bisherigen Modell sprang das Auto standardmäßig wieder in den Hybridmodus zurück. Mit der größeren Batterie bleibt der Wagen nun auf Wunsch elektrisch, bis der Akku leer ist. So konsequent Volvo den XC60 beim Fahren in Richtung Elektroauto schiebt, so deutlich hält der Hersteller beim Laden Abstand zum reinen Stromer.
Ausgerechnet Schnellladen spart sich Volvo
Eine Konsequenz aus dem deutlich größeren Akku wäre eigentlich naheliegend: höhere Ladeleistung. Beim AC-Laden passiert das auch. Statt maximal 6,4 kW verarbeitet der XC60 nun 11 kW dreiphasig. Rund vier Stunden sind für eine vollständige Ladung vorgesehen. Einen CCS-Anschluss bekommt er dagegen nicht. DC-Schnellladen ist nicht möglich. Gerade bei fast 38 kWh nutzbarer Batteriekapazität ist das ein bemerkenswerter Verzicht. Wer nach 150 oder 200 elektrischen Kilometern unterwegs schnell nachladen möchte, kann die Batterie nicht wie bei einem Elektroauto wieder füllen.
Die Entscheidung ist laut Volvo bewusst gefallen. Akhil Krishnan, Product Line Owner XC60, sagte im Gespräch mit firmenauto: „Wir wollen keinen Plug-in-Hybrid bauen, der sich wie eine Ausrede fürs Elektrofahren anfühlt.“ Kunden, die auf öffentliche Schnellladeinfrastruktur angewiesen seien, verweist Volvo auf den vollelektrischen EX60. Die Modellabgrenzung ist nachvollziehbar, für Vielfahrer bleibt die Einschränkung trotzdem bestehen. Wer zu Hause oder am Firmenstandort laden kann, dürfte mit 11 kW gut zurechtkommen. Wer überwiegend öffentlich lädt, kann das Potenzial des großen Akkus deutlich schlechter ausschöpfen.

Volvo setzt beim XC60 nicht allein auf neue Hardware. Software-Updates Over-the-Air sollen das Fahrzeug auch über einen langen Lebenszyklus aktuell halten – ein Punkt, den die Schweden auch mit Blick auf Restwerte betonen.
120 Kilogramm zusätzlich müssen mit
Die zusätzliche elektrische Reichweite gibt es zudem nicht gewichtslos. Die größere Batterie bringt nach den vorliegenden Angaben rund 120 Kilogramm Mehrgewicht mit. Volvo konnte die Zuladung dennoch um 38 auf 548 Kilogramm erhöhen. Der Kofferraum fasst beim Plug-in-Hybrid 468 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen werden daraus bis zu 1.519 Liter. Auch als Zugfahrzeug bleibt der XC60 interessant: 2.250 Kilogramm Anhängelast sind möglich, die Dachlast beträgt 100 Kilogramm. Damit bleiben wesentliche Nutzwertqualitäten trotz des deutlich größeren Akkus erhalten.
357 PS dürften den meisten Dienstwagen reichen
Für den typischen Dienstwageneinsatz dürfte vor allem der T6 interessant sein. Er hat dieselbe 41,2-kWh-Batterie, kommt elektrisch sogar etwas weiter und bringt bereits 357 PS mit. Hinzu kommt die steuerliche Seite. Der T6 ist mit 23 g CO₂/km homologiert und überschreitet mit seiner elektrischen Reichweite die für Plug-in-Hybrid-Dienstwagen relevante Schwelle deutlich. Volvo weist das Modell entsprechend für die 0,5-Prozent-Regelung aus.
Dass diese Konstellation kein Zufallsprodukt ist, macht Krishnan deutlich. Bei der Entwicklung seien Rückmeldungen von Flottenkunden, Händlern und Restwertpartnern eingeflossen. Volvo positioniert den Long-Range-PHEV ausdrücklich für Unternehmen, die noch nicht vollständig auf batterieelektrische Fahrzeuge wechseln wollen. Der T6 startet in der Ausstattung Core bei 69.990 Euro, der Plus kostet 75.990 Euro, Ultra 79.990 Euro (alle Preise brutto). Wer die 461 PS des T8 möchte, muss mindestens 78.990 Euro für die Plus-Version investieren. Als Ultra werden 82.990 Euro fällig. Einen T8 Core gibt es nicht. Der weiterhin angebotene B5-Mildhybrid startet bei 59.990 Euro.
11,4 Meter Wendekreis helfen im Parkhaus
Mit rund 4,71 Metern Länge bleibt der XC60 bei seinen bekannten Abmessungen. Interessant für Parkhäuser und Innenstadttermine ist der Wendekreis von 11,4 Metern zwischen den Bordsteinen, von Wand zu Wand sind es 11,8 Meter. Mit ausgeklappten Außenspiegeln misst das SUV allerdings rund 2,12 Meter in der Breite.

Großer Akku, kleine Ladeambition: 41,2 kWh stehen den neuen Plug-in-Hybriden zur Verfügung, geladen wird aber nur mit maximal 11 kW AC. Einen CCS-Anschluss und damit DC-Schnellladen gibt es nicht.
Auch die Assistenztechnik wird umfangreich erneuert. Frontkamera und Frontradar arbeiten mit einer neuen Rechnerplattform zusammen, hinzu kommen Radarsensoren an den Fahrzeugecken und zwölf Ultraschallsensoren. Unter anderem sind Türöffnungswarner, Notbrems- und Notlenkfunktionen sowie eine 360-Grad-Kamera mit 3D-Ansicht verfügbar.
Echte Tasten und neue Materialien statt Display-Show
Innen erkennt man den XC60 weiterhin sofort. Volvo überarbeitet allerdings Armaturentafel und Türverkleidungen und setzt neue Holz-, Aluminium- und Textildekore ein. Zentral sitzt ein 11,2 Zoll großer Touchscreen, dahinter arbeitet Android Automotive. Google Maps und weitere Google-Dienste sind integriert, neu kommt der KI-Assistent Google Gemini hinzu.
Beim ersten Kontakt fallen auch Dinge auf, die inzwischen keineswegs selbstverständlich sind: Am Lenkrad sitzen weiterhin physische Tasten, und das Panorama-Glasdach lässt sich tatsächlich öffnen. In höheren Ausstattungen gibt es elektrisch verstellbare Sitze mit Memory, Lenkradheizung, Pilot Assist samt Lane Change Assist und Harman-Kardon-Soundsystem. Ultra ergänzt unter anderem Head-up-Display und 360-Grad-Kamera.
Der T8 Ultra zeigt die luxuriösere Seite des XC60: Forest Lake außen, 21-Zoll-Räder und innen belüftetes Nappaleder in Kardamom mit Brown-Ash-Holzdekor, dazu Panorama-Glasdach und Bowers-&-Wilkins-Anlage. Für die neue Modellgeneration bietet Volvo außerdem Nordico und Textilbezüge aus Recyclingmaterial an.
Software-Updates sollen auch den Restwert stützen
Für Flotten liegt der interessante Punkt weniger in den längst etablierten Over-the-Air-Updates selbst als in Volvos Argumentation dahinter. Software-Aktualisierungen sollen den XC60 auch nach Jahren technisch und optisch frisch halten – und damit im besten Fall seinen Restwert stützen. Krishnan verweist auf bereits ausgelieferte, mehrere Jahre alte Volvo-Modelle, deren Benutzeroberfläche per kostenlosem Update modernisiert wurde. Für Leasinggesellschaften, Banken und Restwertunternehmen könne die Möglichkeit, ein älteres Auto softwareseitig aktuell zu halten, einen konkreten Wert darstellen. Sein knappes Fazit dazu: „That’s value.“
Große Reichweite verlangt regelmäßiges Laden
Für Dienstwagenfahrer spricht einiges für den T6: bis zu 200 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite, 68 Liter Tank, mehr als 1.200 Kilometer Gesamtreichweite, 357 PS, Allrad, 2,25 Tonnen Anhängelast und 0,5-Prozent-Versteuerung ergeben ein Paket, das elektrische Pendelstrecken mit großer Langstreckenreserve verbindet. Der Preis dafür sind rund 120 Kilogramm zusätzliches Batteriegewicht und eine Ladearchitektur, die nicht ganz zur Größe des Akkus passen will. Wer regelmäßig zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt, kann einen erheblichen Teil seiner Fahrleistung elektrisch absolvieren. Wer dagegen auf öffentliche Ladepunkte angewiesen ist, wird sich bei einer 41,2-kWh-Batterie umso mehr über den fehlenden CCS-Anschluss wundern.
Technische Daten: Volvo XC60
Basisdaten: fünftüriger Mittelklasse-SUV mit Plug-in-Hybridantrieb, Länge: 4,71 Meter, Breite: 1,90 Meter (2,12 Meter inkl. Außenspiegel), Höhe: 1,66 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 468–1.519 Liter, Tankvolumen: 68 Liter, Anhängelast gebremst: 2.250 kg, Wendekreis: 11,4 Meter (Bordstein zu Bordstein)
T6 AWD Long Range (Allradantrieb): Systemleistung 262 kW/357 PS, 2,0-Liter-Turbobenziner mit 132 kW/180 PS plus Elektromotor mit 130 kW/177 PS, Drehmoment: 300 Nm (Benziner) plus 309 Nm (E-Motor), 8-Gang-Automatik, 0–100 km/h: 5,7 s, Vmax: 180 km/h, Lithium-Ionen-Batterie mit 41,2 kWh, max. AC-Ladeleistung: 11 kW, kein DC-Schnellladen, elektrische Reichweite: 188–200 km, innerorts: 223–230 km, Verbrauch gewichtet: 1,0 l/100 km plus 16,8 kWh/100 km, CO₂-Ausstoß: 23 g/km (WLTP), Verbrauch bei entladener Batterie: 6,5 l/100 km. Preis: ab 69.990 Euro.
T8 AWD Long Range (Allradantrieb): Systemleistung 339 kW/461 PS, 2,0-Liter-Turbobenziner mit 184 kW/250 PS plus Elektromotor mit 130 kW/177 PS, Drehmoment: 360 Nm (Benziner) plus 309 Nm (E-Motor), 8-Gang-Automatik, 0–100 km/h: 4,8 s, Vmax: 180 km/h, Lithium-Ionen-Batterie mit 41,2 kWh, max. AC-Ladeleistung: 11 kW, kein DC-Schnellladen, elektrische Reichweite: 177–189 km, innerorts: 212–218 km, Verbrauch gewichtet: 1,1 l/100 km plus 16,8 kWh/100 km, CO₂-Ausstoß: 26 g/km (WLTP), Verbrauch bei entladener Batterie: 6,5 l/100 km. Preis: ab 78.990 Euro.
Mildhybrid B5 AWD (Allradantrieb): 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 184 kW/250 PS, 48-Volt-Mildhybridsystem, 8-Gang-Automatik. Preis: ab 59.990 Euro.








