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Mobilität der Zukunft

Leasingbranche im Wandel

Das Statussymbol Auto bröckelt in der Geschäftswelt. Wenn Leasinggesellschaften in der Mobilität von morgen eine Rolle spielen wollen, müssen sie sich neu erfinden.

Die Aufgaben vieler Fuhrparkleiter reichen heute schon über das klassische Flottengeschäft hinaus. In Zukunft steht nun noch ein weitreichender Kurswechsel in Richtung ganzheitlichem Mobilitätsmanagement an. In dem Verband markenunabhängiger Fuhr­park­manage­ment­gesell­schaf­ten galt noch vor einem Jahr das Credo, dass der Dienstwagen auf viele Jahre hinaus im gewerblichen Bereich die einzige Alternative für mobile Freiheit und Unabhängigkeit bleibt. Mittlerweile trübt sich mit dem Diskurs um Dieselgate, um Kartellverdacht und ­Fahrverbote diese ­Perspektive ein.

Für die Leasingbranche ist der Abgesang auf die Dienstwagen fatal. Schließlich verdient sie einen großen Teil ihres Geldes mit eben diesen Fahrzeugen. Spitzt sich der Skandal weiter zu, könnte es sogar teuer werden für die Leasinggeber. Hinter den Kulissen tüfteln die Experten daher an Strategien, wie die Branche auch in den nächsten Jahren auf Kurs bleiben kann. Hält sie in Nibelungentreue zum Auto? Oder erfinden sie sich neu als Mobilitätsanbieter, der eine bedarfsgerechte Mobilität zur Verfügung stellt?

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Carsharing gehört zu den neuen Mobilitätsformen, auf die sich auch Leasinggesellschaften einstellen müssen.
Leasinggeber müssen selbst andere Verkehrsmittel integrieren

Auf mittlere Sicht geben im Mobilitätsmanagement die Fuhrparkbetreiber den Takt an, die zur Sicherstellung der Mobilität im Unternehmen verschiedene Verkehrsträger kombinieren. Neben Bahn, Bus und Flugzeug kommen auch Dienstfahrzeug, Pool und Carsharing, E-Bike, Taxi und Mietwagen als vollwertige Glieder der Mobilitätskette zum Einsatz. Auch die Nachfrage nach Motivationsfahrzeugen für unverzichtbare Mitarbeiter und das Bedürfnis nach Exklusivität für die Führungsetage spielen in den Car Policies noch längere Zeit eine Rolle. Die Leasingbranche kann hier weiterhin ihre automobile Kompetenz in die Waagschale werfen.

Andererseits birgt die Fixierung auf den automobilen Abschnitt in der Mobilitätskette ein Risiko. Denn Autos verlieren vor allem bei Mitarbeitern in Ballungsräumen zunehmend an Status. Statt sich mit dem fetten Dienstwagen täglich um einen Parkplatz zu bemühen, satteln moderne Großstädter beispielsweise lieber auf das Fahrrad um. Nicht nur, weil es ökologischer ist, die Fahrtzeit ist meist auch kürzer. Firmen sehen in der ganzheitlichen Mobilitätskette daher auch eine Möglichkeit, Mitarbeiter schneller von A nach B zu befördern und somit Zeit und Geld zu sparen. In den Unternehmen wachsen deshalb Fuhrparkmanagement und Travelmanagement immer mehr zusammen.

Allein mit einer perfekten Integration der Fahrzeuge lassen sich für Leasing­geber daher keine Meriten mehr verdienen. Für die Leasingbranche wären es düstere Aussichten, wenn die Mobilitätsmanager in den Unternehmen ihre Fahrzeug-Dienstleister nur noch als Anbieter von Teillösungen in Anspruch nehmen. Die Leasinggesellschaften würden mit zunehmender Differenzierung der Mobilitätsketten als gestaltende Kräfte an den Rand gedrängt. Auf lange Sicht bleiben sie daher nur erfolgreich im Spiel, wenn sie einen eigenen Zugriff auf die Kombination der Verkehrsträger entwickeln.

Leasingrate auch für Smartphone, Kita oder Altersvorsorge einsetzen

Im Prinzip läuft die Umsetzung dieser Strategie auf ein Full-Service-Management der Mobilitätskette hinaus, das den Mitarbeitern im Unternehmen mit höchster Priorität einen einfachen Zugang zur Mobilität ermöglicht. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Verkehrsträger auf intelligente Weise miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig muss das Angebot einer vollständigen Mobilitätskette passgenau den Bedarf eines Unternehmens abbilden. Die Leasinggesellschaften müssen dazu jede Menge Kompetenz für die Beurteilung und den Einsatz der Verkehrsmittel entwickeln. Gefragt sind darüber hinaus Kooperationen mit Automobilherstellern, Carsharing-Anbietern und mit Verkehrsbetrieben. Nur so können Leasinggeber über eigene Plattformen den effizientesten Weg aufzeigen und aus einer Hand umsetzen.

Das Change Management für die nahe Zukunft betrifft daher nicht nur Aufbau und Struktur der Mobilitätsketten. Auch bei den Bezahlmodellen müssen die Leasinggesellschaften neue Wege gehen. Die ersten Ansätze dazu bieten heute die Mobilitätsbudgets, die Dienstwagennutzern eine individuellere Mobilität ermöglichen sollen. Der Mitarbeiter erhält ein Budget, das der bisherigen Vollkosten-Leasingrate entspricht. Bleibt er bei der Auswahl seines Dienstfahrzeugs unter dem Limit, kann er den eingesparten Betrag zum Beispiel in eine Bahncard, ein ÖPNV-Ticket oder ein E-Bike investieren.

Unterm Strich dient dieses Mobilitätsbudget jedoch in erster Linie der Bezahlung der Leasingrate für das in Anspruch genommene Fahrzeug. Der nächste Schritt ist ein Modell, das die Leasingrate nicht mehr an die Hardware koppelt. Als erste Leasinggesellschaft führte Athlon mit My Benefit Kit ein Gehaltsumwandlungsprogramm dieser Art ein. Die Idee: Wer sich bei Motorisierung und Ausstattung seines Dienstwagens etwas zurückhält, kann das Restbudget nicht nur in ein Dienstfahrrad oder den ÖPNV investieren, sondern auch in privates Carsharing, Smartphones und seine Altersvorsorge investieren oder beispielsweise als Zuschuss zur Kindertagesstätte verwenden. Da die Leistungen aus dem Budget oder dem Bruttogehalt finanziert werden, kommt der Kollege steuerlich deutlich günstiger weg. Nun sind wir aber schon im Personalbereich gelandet. Gut möglich also, dass mit Travel- und Flot­ten­manage­ment künftig auch die Personal­abteilungen verschmelzen.

Autor

Datum

27. September 2017
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