Datenquelle Firmenwagen

Wie vernetzte Autos den Alltag erleichtern

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Werkstätten und Hersteller nutzen Fahrzeugdaten heute schon, um Service und Qualität zu verbessern. Doch auch der Fahrer kann von den Daten profitieren.

Durch die Vernetzung übertragen Autos schon heute unfassbare Mengen an Daten. Der von der Bundesregierung einberufene IT-Gipfel geht etwa davon aus, dass zwischen den Fahrzeugen und deren Umfeld rund 27 Megabyte an Daten pro Stunde fließen. Die Hersteller reden das Datenthema gerne klein. Exemplarisch für die Herstellerseite schätzt etwa BMW, dass dieser Wert wohl eher auf den Monat zutreffe. Die Zahlen liegen nicht ohne Grund auseinander. Wer wie die Bundesregierung für den Breitbandausbau wirbt, setzt sie etwas höher an. Autohersteller wiederum wollen nicht in den Verdacht einer Überwachung der Kunden geraten und kalkulieren daher konservativer. Über eines sind sich aber alle Beteiligten einig: In den nächsten Jahren vervielfacht sich die Menge der Daten, die zwischen Auto und Umfeld hin- und herfunken.

Optimale Auslastung in den Werkstätten

Die Vernetzung ist in jedem Fall längst Realität. So wissen die Hersteller vernetzter Fahrzeuge den Kilometerstand und für jedes einzelne Auto das dynamisch berechnete Intervall bis zur nächsten Wartung. Um Vertragswerkstätten enger an den Hersteller zu binden, liegt es nahe, diese Daten mit ihnen zu teilen. Vergisst ein Fahrer oder Flottenmanager eine anstehende Inspektion, kann die Werkstatt eine freundliche Erinnerungs-E-Mail schicken oder anrufen.

Doch angesichts der Möglichkeiten, die in einigen Jahren zur Verfügung stehen, muten solche Abläufe wie Faustkeil und Schiefertafel im Vergleich zu einem Tablet-PC an. Denn bereits die Daten über Routinewartungen sind ein hervorragendes Planungs- und Kundenbindungs-Instrument. Schon in den kommenden Jahren wird es die Regel sein, dass Werkstätten ihre Auslastung und die Kundenbindung über die Borddisplays der vernetzten Fahrzeuge steuern und den Autofahrer so direkt ansprechen: "In 2.500 Kilometern steht die große Inspektion Ihres Fahrzeugs an. Vereinbaren Sie Ihren Termin innerhalb der nächsten acht Tage und erhalten Sie zehn Prozent Rabatt auf alle Arbeitsleistungen."

Schon vorher wissen, wann ein Schaden am Fahrzeug auftritt

Noch weit über solche Konzepte hinaus geht die Idee der präventiven Wartung: Mit Big-Data-Analysen lassen sich aus Statusmeldungen des Motor-Managements Vorhersagen über die Wahrscheinlichkeit möglicher Ausfälle treffen. Eine Nachricht der Werkstatt an den Fahrer könnte in etwa so aussehen: "Stromstärke und Spannungsverlauf Ihrer Starterbatterie legen nahe, dass die Batterie mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten vier Wochen ausfällt. Vereinbaren Sie noch heute einen Werkstatt-Termin." Auch für Fahrzeuge, die sich noch innerhalb der Herstellergarantie befinden, sind solche vorausschauenden Datenanalysen sinnvoll. Denn ein frühzeitig erkannter und im Vorfeld behobener Fehler vermeidet einen unvorhergesehenen Fahrzeugausfall und hilft auch, teurere Folgeschäden zu verhindern.

Datenanalysen, die Auskunft über mögliche Ausfälle oder Störungen geben, sind genauso für die Fahrzeughersteller hochinteressant. Sie könnten so Schwachstellen in der Hardware und zunehmend auch in der Software erkennen und sie zumindest bei der Weiterentwicklung der Modelle berücksichtigen.

Ohnehin spielt Software in modernen Fahrzeugen eine immer wichtigere Rolle. Sofern bestimmte Hardware-Voraussetzungen wie Kameras und Lidar-Sensoren verbaut sind, lassen sich zusätzliche Fahrzeugfunktionen allein per Software realisieren. Tesla hat dies mit seinem Autopiloten längst vorgemacht. Für 3.300 Euro lässt sich dieses Feature allein per Softwareupdate nachträglich aktivieren. Auch VW schaltet die Sprachsteuerung aktueller Infotainmentsysteme gegen Bezahlung nachträglich frei. Und selbst so komplexe Ausstattungsmerkmale wie intelligente LED-Lichtsysteme hängen häufig nur von der Aktivierung entsprechender Software-Module ab.

Schon kursieren im Internet Codierungs-Anleitungen, wie findige Tüftler solche Extras allein durch das Einspielen der korrekten Einstellungen nachträglich – und in diesem Fall für die Fahr­zeug­besit­zer kostenlos – aktivieren können. Um sich das Geschäft nicht verderben zu lassen, halten die Hersteller mit immer aufwendigeren Schutzmaßnahmen wie dem Einsatz verschlüsselter Zertifikate dagegen. Denn auch hier liegt in der Zukunft ein Geschäftsmodell für Händler und Werkstätten: So sollen Kunden mit mäßig ausgestatteten Neuwagen mit der Zeit kostenpflichtige Extras aktivieren. Natürlich sind auch hier Rabatt- oder Paketangebote als zusätzliche Motivation der Kunden denkbar.

Datenanalysen gegen Bezahlung

Die Fahrzeughersteller kommen bei der Verwendung von Daten auf immer neue Ideen. Bord-Steuergeräte sind so flexibel und leistungsfähig, dass sie abgesehen von ihrer eigentlichen Aufgabe weitere Berechnungen nebenher mit ausführen können. Daher planen viele Hersteller, gezielt komplexe Fragestellungen zu beleuchten, die außerhalb des Fahrzeugs viel umständlicher zu analysieren wären. Beispielsweise wie sich eine Änderung der Kraftstoff-Luft-Mischung in verschiedenen Lastsituationen auf die Konzentration einzelner Schadstoffe ­auswirkt.

So eine Datenanalyse könnte dann zum Beispiel auf 500 auserwählten Fahrzeugen laufen, deren Fahrer täglich mehr als 100 Autobahnkilometer zurücklegen. Analyse-Software und Auswertungsauftrag lassen sich via Cloud ins Fahrzeug einspielen. Unterschiedlich bewerten die Hersteller allerdings die Frage, ob solche Forschungen in der Praxis ohne Wissen der Fahrer rechtlich zulässig sind. Eine naheliegende Lösung des Dilemmas wäre, den Fahrer einfach zu fragen: "Dürfen wir in den nächsten 14 Tagen zur Unterstützung unserer Entwickler eine außerplanmäßige Software-Analyse für interne Zwecke zum Katalysator Ihres Fahrzeugs ausführen? Klicken Sie ‚Ja‘ und erhalten Sie 20 Prozent Rabatt auf Ihren nächsten Werkstattaufenthalt." Wie würden Sie sich entscheiden?

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