Rohstoffe für Batterien

Schmutzige Geschäfte

Auch das entsprechende Zubehör darf auf der Historischen Baustelle nicht fehlen. Foto: Jürgen Hoffmann

Um Mineralöl gibt es seit Jahrzehnten viele Kriege, die Gewinnung verschmutzt die Umwelt – Umstände, die bei E-Autos besser werden könnten. Allerdings gibt es hier ähnliche Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung.

Die Elektromobilität senkt zwar den Mineralölverbrauch, bei anderen Rohstoffen steigt jedoch der Bedarf. Und damit häufig auch der Preis. Doch das ist nicht das einzige Problem mit den immer stärker gefragten E-Auto-Zutaten.

Schon Mitte des kommenden Jahrzehnts dürfte die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien nach Expertenschätzungen bei knapp 700 GWh jährlich liegen – rund zehn Mal so hoch wie noch 2017. Entsprechend stark wird der Bedarf an Rohstoffen steigen. Diese lagern zwar in der Regel in ausreichender Menge in der Erdkruste, doch bis eine Mine ihr volles Produktionsniveau erreicht, kann es sieben bis zehn Jahre dauern. Die Förderung dürfte also zumindest in den kommenden Jahren Schwierigkeiten haben, mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten.

Das Verzögerungsmoment durch den langsamen Ausbau der Minenkapazitäten ist aber nicht das einzige Problem. Einige wichtige Akku-Zutaten werden unter fragwürdigen Bedingungen gefördert, was im Endeffekt die soziale Akzeptanz des Elektroautos bedroht. Der wichtigste Batterie-Rohstoff Lithium etwa wird zu großen Teilen in Trockenregionen Südamerikas abgebaut – unter massivem Wasserverbrauch und Eingriff in die lokalen Ökosysteme. Noch berüchtigter: Kobalt. Das Metall wird unter anderem von kleinen Kindern aus illegalen Gruben im Kongo abgebaut.

Die Auto- und Batteriehersteller reagieren. So arbeiten fast alle führenden Unternehmen – auch nach Druck durch Organisationen wie Amnesty International - an der Zertifizierung ihrer Lieferketten, um nachhaltigere Bedingungen vor Ort zu schaffen. Zusätzlich wird nach alternativen Rohstoffvorkommen in westlichen Ländern gesucht. Unternehmen wie Keliber aus Finnland etwa wollen Lithium und Co. künftig in Europa fördern. Die erste Lithium-Mine soll 2021 in Betrieb gehen und jährlich genug Rohstoffe für bis zu 400.000 E-Autos fördern.

Nicht zuletzt sucht die Branche immer auch nach Alternativen zu teuren, seltenen oder ethisch umstrittenen Stoffen. Panasonic etwa hat bereits angekündigt, langfristig auf Kobalt in seinen Akkus verzichten zu wollen. Auch andere Konzerne verfolgen solche Pläne. Kurzfristig soll zumindest der Kobalt-Anteil reduziert werden, etwa indem stattdessen Nickel verwendet wird.

Gängige Stoffe wie Nickel oder auch Kupfer werden oft vergessen, wenn es um den Rohstoffbedarf von E-Autos geht. Gerade das orangefarbene Halbedelmetall ist aber unverzichtbar, wird es doch nicht nur beispielsweise für den Elektromotor im Fahrzeug selbst, sondern auch für Stromerzeugung und -transport benötigt. Ein Problem, hatte die Kupfer-Branche doch während einer Nachfragekrise 2016 und 2017 die Produktion und die Entwicklung neuer Vorkommen zurückgefahren. Nun ist das Angebot dünn, die Preise sind hoch. Entsprechend attraktiv ist vor allem in diesem Fall Recycling. Und auch bei anderen E-Auto-Grundstoffen wird die Wiederverwertung wohl eine immer wichtigere Rolle spielen.

Von dem komplexen Spiel aus Förderkapazitäten, Rohstoffnachfrage und technischer Entwicklung hängt am Ende nicht zuletzt der Preis von Elektroautos ab. Viele Fahrzeughersteller versuchen sich gegen die schwer vorhersehbaren Schwankungen mit langfristigen Lieferverträgen abzusichern, prognostizieren langfristig aber trotzdem eher steigende als sinkende Batteriekosten. Andere Experten gehen vom Gegenteil aus und rechnen für die Jahre zwischen 2025 und 2030 mit niedrigeren Preisen – zumindest für die einkaufenden Hersteller. Wie sich die Preissituation auf dem Endkundenmarkt entwickelt, ist noch schwieriger vorauszusehen. Zuletzt profitieren sie zumindest kaum von den gesunkenen Kosten pro Kilowattstunde.

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