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Diesel-Zukunft

So tickt die Branche

Wie geht es weiter mit dem Diesel? FIRMENAUTO hat sich bei Branchen-Vertreter umgehört, wie sie die Zukunft des Selbstzünders einschätzen.

Das erste Diesel-Fahrverbot kommt 2018, mit dem Image des Selbstzünders steht es gar nicht gut und die Verkaufszahlen gehen in den Keller. Steht der Diesel auf der Kippe? Wir haben uns bei Flottenmanagern und in der Branche umgehört. Hier lesen Sie, wie Vertreter von Industrie und Dienstleistern die Zukunft des Diesels einschätzen.

Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement

Wie steht’s mit der Planungssicherheit in Sachen Diesel?

Leider lässt die Politik keinen klaren Kurs erkennen. Der Verkehrsminister vertritt die Auffassung, dass Mobilität bezahlbar bleiben muss. Dafür lässt er aber ungesagt, was bezahlbar heißt. Fuhrparks haben durch Faktoren wie Maut, Blaue Plakette und eine Vielzahl von Vorschriften ohnehin genügend Unsicherheiten.

Sollen Fuhrparks weiter auf den Diesel setzen?

Hier entscheiden die konkreten Anforderungen an die Fahrzeuge. Wir müssen uns aber der Tatsache stellen, dass die Umweltbelastung, speziell die Feinstaubbelastung, nicht akzeptabel ist. Unternehmen dürfen hier gerne eine Vorreiterrolle übernehmen und in alternative Techniken investieren. Das gilt aber auch für den Staat.

Nehmen Fuhrparks für sauberere Dieselmotoren mehr Geld in die Hand?

Das wäre zumindest wünschenswert. Es wird aber stark davon abhängen, was mit dem Thema Mobilität und Mobilitätskosten im politischen Kontext geschieht. Begeht die Politik den Fehler, schlechtere Emissionen zu bestrafen ohne erkennbare Alternativen aufzuzeigen, wird die Bereitschaft, Mehrkosten für saubere Technologie zu tragen, generell nicht zu wecken sein.

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Rüdiger Hüttemann, Leiter Fleet Sales bei Volvo.

Rüdiger Hüttemann, Leiter Fleet Sales bei Volvo

Hat der Diesel noch technisches Potenzial?

Die aktuellen Lösungen machen eine optimale Abgasreinigung und niedrige Verbräuche möglich. Auch die Anpassung an restriktivere und strengere Rahmenbedingungen lässt sich lösen. Der technische Mehraufwand bedeutet höhere Kosten, die die Hersteller nur bedingt kompensieren können. Trotzdem wird der Diesel auf viele Jahre hinaus seine wichtige Position in den Fuhrparks behalten.

Welchen Zeitrahmen sehen Sie hier?

Wir erwarten, dass etwa ab 2025 Verbrennungsmotoren, Diesel und Benziner immer mehr in den Hintergrund treten und neuen Antrieben weichen. Man braucht auch die Elektrifizierung, um die geforderten niedrigen Grenzwerte zu erreichen. Volvo stellt übrigens 2019 den ersten rein elektrisch betriebenen Volvo Pkw vor. Bis 2025 sollen eine Million elektrifizierter Pkw der Marke weltweit auf den Straßen rollen.

Welche Rolle spielen politische Institutionen in der Übergangsphase?

In der automobilen Zukunft wird nicht alles zu hundert Prozent den Wunschvorstellungen entsprechen. Das gilt auch für die Politik, die den Weg dorthin nicht mit spontanen, möglicherweise realitätsfremden Rahmenbedingungen versperren darf.

Mattias Rotzek, Geschäftsführer HLA Fleet Services

Wirkt sich Dieselgate auf die Akzeptanz des Diesels in den Flotten aus?

Er trägt dazu bei, dass zunehmend alternative Antriebskonzepte in Erwägung gezogen werden. Dies ist jedoch eher ein evolutionärer Prozess, da aktuell noch keine Klarheit besteht, welches das Antriebskonzept der Zukunft sein wird.

Welche Antriebskonzepte könnten den Diesel ersetzen?

Wir sehen eine deutliche Zunahme von Hybrid-Modellen. Diese Fahrzeuge lassen sich problemlos in der aktuellen Infrastruktur nutzen. Mittel- und langfristig könnten reine Elektrofahrzeuge oder solche mit Brennstoffzellentechnologie an Bedeutung gewinnen. In Fuhrparks mit hoher Laufleistung bieten sich wasserstoffbetriebene Modelle an. Der bereits in Serie gegangene Toyota Mirai hat beispielsweise eine Reichweite von 550 km.

Sollen Fuhrparks weiter auf den Diesel setzen?

Für die nächsten fünf Jahre bestimmt. Wir glauben aber, dass sich der Diesel in den kommenden Jahren zu einer Run-Off-Technologie entwickeln wird. Fuhrparkbetreiber sollten die Entwicklung sehr genau beobachten und alternative Antriebs- oder gar Mobilitätskonzepte analysieren, um zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

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Michael Velte, Vorstandsvorsitzender des Verbands der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF).

Michael Velte, Vorstand des  Verbands markenunabhängiger Fuhrparkmanagement Gesellschaften (VMF)

Hat der Diesel noch eine Perspektive im Fuhrpark?

Der Diesel erzielt mit den heutigen Möglichkeiten sehr gute CO2 Werte. Wenn es gelingt, diesen positiven Aspekt in den Vordergrund zu stellen und das auch unter TCO betrachtet, dann hat der Dieselmotor weiterhin eine sehr gute Zukunft.

Wie entwickeln sich die Restwerte von Dieselfahrzeugen?

Der VW Abgasskandal hat in der Vermarktung von klassischen Leasingfahrzeugen mit eher hoher Laufleistung deutliche Bremsspuren hinterlassen. Deshalb gehen wir kurz- und mittelfristig eher von einer Seitwärtsbewegung aus. Langfristig wäre eine Prognose reine Spekulation.

Gibt es den politischen Willen zum Diesel auch über 2030 hinaus?

Betrachtet man den Umweltaspekt, ist der Diesel auf lange Sicht kein Selbstläufer mehr. Schon deutlich vor 2030 werden wir veränderte Antriebstechnologien im Einsatz haben. Gut möglich, dass der Diesel bis dahin bereits zum Sammlerstück mutiert ist. Es ist übrigens nicht anzunehmen, dass die Hersteller in den Diesel weitere Entwicklungskapazitäten investieren, wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen.

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Claudia Vogt, Direktorin Gewerbe- und Großkundengeschäft von Ford.

Claudia Vogt, Direktorin Gewerbe- und Großkundengeschäft von Ford

Wie wirkt sich der Diskurs über den Diesel auf seine Akzeptanz im Fuhrpark aus?

Unsere Fuhrparkkunden setzen sich mit alternativen Antriebskonzepten auseinander. Das bezieht sich aber eher auf die mittel- bis langfristige Zukunft. Heute sehen wir vor allem im Bereich der User-Chooser eine stärkere Hinwendung zu unseren EcoBoost-Benzinmotoren. Das hat aber schon vor dem öffentlichen Diesel-Diskurs angefangen.

Sollen Fuhrparks weiter auf den Diesel setzen?

Für Vielfahrer ist der Diesel momentan immer noch die beste Wahl. Dass es noch Entwicklungspotential gibt, belegt die unlängst in den Transit eingeführte Ford EcoBlue-Motorengeneration mit SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung. Diese Motoren werden in modifizierter Form auch im PKW-Bereich Einzug halten.

Wie entwickeln sich künftig die Restwerte von Dieselfahrzeugen?

Grundsätzlich werden Dieselfahrzeuge aufgrund der stetig steigenden Anforderungen an Fahrzeugemissionen teurer werden. Immerhin ist der Aufwand bei innermotorischen Maßnahmen und Abgasnachbehandlungstechnologien nicht unerheblich. Wir sehen aber aktuell eine gute Restwertstabilität.

Andre Janssen-Timmen, Leiter BMW-Vertrieb an Flottenkunden

Bleibt der Diesel in den Fuhrparks künftig weiter die erste Wahl?

In den nächsten zwei, drei Jahren erwarten wir keine signifikante Veränderung der Nachfragestruktur. Auch kurzfristige politische Maßnahmen wie die Sperrung von Innenstädten aufgrund der Stickoxidbelastung sind derzeit nicht absehbar. Der Diesel bleibt noch länger die erste Wahl. Je höher die Laufleistung, je mehr Einsatz auf Landstraße und Autobahn, desto besser die Perspektiven des Diesels.

Verändert sich in den Fuhrparks die Beurteilung der TCO beim Diesel?

Die TCO wird für jede Antriebstechnologie ein wichtiger Faktor sein. Es gibt aber Betrachtungsweisen und Entwicklungen, die zumindest eine hundertprozentige TCO-Gläubigkeit in Frage stellen. Fuhrparkverantwortliche sollten sich heute auch Gedanken um die Umwelt, die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter machen.

Nehmen Fuhrparkbetreiber höhere Kosten für einen Diesel in Kauf?

Da bin ich mir sicher. Die Mehrkosten müssen sich natürlich in engen Grenzen halten. Dann wird sich in der Gesamtbetrachtung kurzfristig aber nichts am TCO-Vorteil von sauberen Dieseln bei Vielfahrern ändern.

Prof. Ferdinand Dudenhöffer, CAR-Center Automotive Research, Duisburg

Können Fuhrparks künftig weiter auf den Selbstzünder setzen?

Bei Leasingfahrzeugen mit Kilometer-Vertrag dürfte das Risiko sehr überschaubar sein. Allerdings macht sich ein Diesel nicht gut, wenn ein Unternehmen mit einer „Green Strategy“ nach außen treten will. Beim Kauf von Dieselfahrzeugen besteht ein klares Risiko.

Wie steht es aus Ihrer Sicht mit den Kosten? Glauben Sie, dass der Unterhalt eines Diesels im Fuhrpark teurer wird?

Die Weichen stellt vor allem die Politik. Nach der nächsten Bundestagswahl ist das Risiko jedenfalls groß, dass der Steuervorteil für den Diesel fällt. Vielleicht geht man dann ja auch in die gleiche Besteuerung, was durchaus vernünftig wäre.

Welche Alternativen gibt’s für Fuhrparks mit hohen Kilometerlaufleistungen?

Vielleicht sollten sich Fuhrparkverantwortliche einfach auch mal einen Toyota anschauen. Wer in fünf, sechs Jahren einen modernen und zukunftsfähigen Fuhrpark haben will, sollte auf Benzin und Hybrid umstellen. Ab 2018, wenn Tesla und die anderen im Markt sind, bietet es sich an, stärker in Elektroautos zu gehen.

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Datum

7. März 2017
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