Dr. Georg A. Teichmann, PWC Zoom

Eine Million Elektro-Autos: "Das ist zu schaffen"

Dr. Georg A. Teichmann, Experte für Elektromobilität beim Wirtschaftberater PWC, über teure Batterien, hohe Dienstwagensteuern und die besten Einsatzmöglichkeiten für E-Autos.

Derzeit sind knapp 2.300 Elektroautos in Deutschland unterwegs. Wie realistisch sind die Ziele der Bundesregierung, angesichts hoher Kosten und geringer Reichweiten bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen?

Teichmann: Das ist in der Tat sehr ambitioniert. Doch das war es auch schon vor zwei Jahren. Dennoch halte ich dieses Ziel für machbar. Die Entwicklung wird exponentiell verlaufen. Das heißt, in den nächsten zwei bis drei Jahren werden sich die Zulassungszahlen nur langsam erhöhen. Doch spätestens ab 2015 rechne ich mit einem starken Anstieg. Vorreiter werden sicher Unternehmensflotten oder Carsharing-Anbieter sein. Dies sind Kundensegmente, welche die hohen Anschaffungskosten am ehesten durch hohe Laufleistungen kompensieren können.

Worauf stützen Sie Ihre optimistische Aussage?

Nicht zuletzt darauf, dass nun auch die deutschen Anbieter mit E-Modellen auf den Markt kommen. Die Batteriekosten werden sinken und die Praxis wird zeigen, dass die derzeitige Reichweite für die meisten Fahrer ausreichend ist. Außerdem werden die Betriebskosten deutlich geringer sein als beim Diesel oder Benziner. Verbessert sich dann noch die Ladeinfrastruktur und nimmt damit die Reichweitenangst ab, sind auch Kundengruppen erreichbar, für die Elektromobilität derzeit nicht in Frage kommt.

Liegt es allein an den hohen Kosten, dass der Verkauf von Elektroautos so schleppend anläuft?

Nein, hier spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle. So ist zum Beispiel die Umweltbelastung beim derzeitigen Strommix genauso hoch wie bei herkömmlichen Antrieben. Außerdem gab es für Interessenten bislang kaum Möglichkeiten, praktische Erfahrung zu sammeln. Die Kunden wissen nicht, wie es sich anfühlt, ein E-Auto zu fahren. Problematisch ist auch der Bereich User-Chooser. Unternehmen müssen den Mitarbeitern attraktive Fahrzeugmodelle anbieten. Dazu kommt die Ein-Prozent-Regelung: Der Fahrer wird nicht bereit sein, für einen Kleinwagen mit Elektromotor genau so viel zu bezahlen wie für einen herkömmlichen Mittelklassewagen. E-Autos passen besser in den Poolbetrieb einer Flotte. Hier spielt auch die Reichweite keine Rolle.

Sind maximal 160 Kilometer Reichweite für eine Flotte überhaupt ausreichend?

Das kommt ganz auf die Flotte und den Einsatzbereich an. Fest steht, dass mehr als die Hälfte aller Tagesstrecken deutlich unter 100 Kilometern liegen. Hier liegt das Problem nicht. Es handelt sich eher um ein gefühltes Problem. Die Fahrer machen einen Rückschritt im Vergleich zu dem, was sie heute haben. Sie vergessen dabei aber, das Positive zu sehen. Etwa, dass die lästigen und teuren Tankstellenbesuche wegfallen.

"Die Dienstwagensteuer für private Fahrten passt nicht zur Elektromobilität"

Bleibt das Problem der hohen Steuerlast durch die Ein-Prozent-Regelung. Ist hier eine Lösung in Sicht?

Leider nein. Es gibt einige Vorschläge, aber noch ist offen, wie es mit der Dienstwagenbesteuerung weitergeht. Im Augenblick gilt die Regel, dass Dienstwagenfahrer ein Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil versteuern müssen. Das ist viel zu hoch. Sie bezahlen ihr Umweltbewusstsein teuer. Hier besteht Handlungsbedarf. Die klassische Regelsteuer passt nicht zu dieser neuen Technologie.

Könnten Prämien den Absatz beschleunigen?

Grundsätzlich ja, dies hat die Abwrackprämie gezeigt. Im Hinblick auf einen zielgerichteten Einsatz von Steuermitteln halte ich allerdings die aktuelle Förderung von Entwicklungsleistungen für angemessener. Natürlich sieht man in einigen Teilen Europas, dass hohe Absatzprämien fließen. Doch diese werden von den Verantwortlichen gar nicht ausgeschöpft.

Ein wesentlicher Punkt sind die Kosten für E-Autos. Welche Entwicklungen erwarten Sie?

Das Problem sind nicht die laufenden Betriebskosten, die sind im Vergleich zu herkömmlichen Autos deutlich niedriger. Ausschlaggebend sind die noch hohen Anschaffungskosten, speziell für die Batterie. Das Ganze ist auch noch verbunden mit einer unsicheren Restwertentwicklung. Ich erwarte in den nächsten Jahren deutlich sinkende Batteriekosten – bedingt durch größere Mengen und weiterentwickelte Technologie.

Trotzdem wagt niemand eine Prognose für die Restwerte von Batterien.

In der Tat, hier fehlt es noch an normierten Messverfahren. Wie misst man künftig den technischen Zustand einer Batterie? Und wie bestimmt das Messergebnis den Restwert? Fuhrparkleiter müssen wissen, was ihre Batterie nach drei Jahren und 1.000 Ladezyklen überhaupt noch wert ist. Aber an diesem Thema wird intensiv gearbeitet.

Immerhin setzten bereits einige Flottenbetreiber Elektroautos ein. Welche Motivation steckt Ihrer Meinung nach dahinter? Ist das reines Imagekalkül?

Nein, Imagekalkül ist es nicht. Zumindest nicht ausschließlich. Alle Unternehmen sind mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihren CO2-Footprint zu reduzieren. Und eine Möglichkeit ist der Firmenfuhrpark. Andererseits ist es auch ein Vorteil, sich frühzeitig auf neue Entwicklungen einzustellen. Nehmen diese dann richtig Fahrt auf, sind diese Unternehmen gut aufgestellt.

Vita Georg Teichmann

Dr. Georg Teichmann (44) ist Experte für Elektromobiliät bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC im Bereich Public Sector. Der Diplom-Kaufmann berät die öffentliche Hand und Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten zählen die strategische Entscheidungsberatung, Machbarkeits- und Marktstudien sowie die Finanzierungs- und Fördermittelberatung. Teichmann ist seit 13 Jahren bei PWC.

Autor

Foto

Andreas Beyer

Datum

26. April 2012
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