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Fahrbericht BMW 7er: Her mit dem Wisch

Sein Infotainmentsystem reagiert auf Handzeichen, er parkt ferngesteuert ein und mit Laserlicht macht er die Nacht zum Tag: Der nächste 7er zeigt die neue Technikwelt von BMW.

Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen BMW 7er-Fahrer künftig zuwinken. Sie grüßen nämlich gar nicht. Sie geben ihrem Wagen lediglich ein paar Kommandos. Mit der flachen Hand nach links und rechts wischen, den Zeigefinger kreisen, mit zwei Fingern "in die Augen stechen": Das Infotainmentsystem im 7er reagiert auf allerlei Gesten. Der Fahrer kann so beispielsweise mit nur einer Handbewegung Lautstärke regeln, Radiosender wechseln oder im Büro anrufen. Auf welche Handzeichen der BMW welche Funktion ausführt, kann der Fahrer individuell festlegen.

Etwas Übung braucht es allerdings schon, bis man das gewisse Händchen dafür entwickelt hat. Ein 3D-Sensor oberhalb des Rückspiegels entziffert die Gesten. Wenn wir den Ellenbogen auf der dicken Ledermittelarmlehne ablegen und die Bewegungen langsam durchführen, versteht der BMW unsere Handzeichen ganz gut.

Touch-Funktion und verbesserte Sprachsteuerung

Sie haben keine Lust auf das Rumgefuchtel? Dann können Sie im 7er neuerdings direkt auf das Display tippen und sich über den Touchscreen durchs gesamte Menü wühlen. Touchscreens liegen Ihnen auch nicht? Keine Sorge: Seinen praktischen iDrive-Controller hat BMW nicht aufgegeben. Und die Sprachsteuerung im 7er zudem verbessert. Ähnlich wie Apples Spracherkennung Siri versteht der 7er jetzt einfache Kommandos wie "fahr mich nach Hause", um beispielsweise die Heimatadresse als Naviziel aufzurufen.

Auch wenn wir bei einem BMW am liebsten hinterm Steuer sitzen, vom Platz hinten rechts mussten uns die BMW-Kollegen im 7er regelrecht wieder wegzerren. Mit nur einem Tastendruck faltet der 7er den Beifahrersitz vor uns zusammen und verwandelt unseren Fondplatz in eine Wellness-Liege. Während wir entspannt in den tiefen Sitz versinken, den Sternenhimmel im Panorama-Glasdach beobachten und klassischer Musik aus der Sound-Anlage von Bowers & Wilkins lauschen, massiert uns der BMW vom Nacken runter bis zu den Waden und sprüht uns sogar noch Duftaromen um die Nase. Gestresste Manager kommen hier definitiv zur Ruhe.

In puncto Luxus hat BMW den neuen 7er ohnehin noch einmal eine Stufe höher gestellt. Das serienmäßig über Sitze, Armaturen und Seitenverkleidungen gestülpte Leder fühlt sich wertig an. Sämtliche Details im Cockpit sind mit massivem Aluminium umrahmt und mit glanzvollem Edelholz aufgehübscht. Auch der Alcantara-Dachhimmel sorgt im 7er für edlen Flair. Die beheizbare Armauflage an den Türen mag da nur eine kleine Randnotiz einnehmen, zeigt aber wie umfassend und detailverliebt BMW bei der Auffrischung seines Flaggschiffes vorgegangen ist.

Induktives Laden von Smartphones

Technisch zeigt der 7er mit induktiver Smartphone-Lademöglichkeit und berührungssensitive Tasten statt öder Knöpfe für die Klimaregelung wo die Reise der Münchner hingeht. Auf dem Weg zum autonomen Fahren gibt BMW mit dem 7er ebenfalls die Richtung vor: Auf der Autobahn hält er nun nicht nur den von uns gewünschten Abstand zum Vordermann, sondern auch selbst die Spur. Die Hände müssen wir allerdings trotzdem am Lenkrad lassen. Ein großes digitales Instrumentenfeld mit Navianzeige wie es Audi und VW in ihren neuen Modellen verbauen, das hat der BMW nicht. Dafür haben die Münchner die Projektionsfläche des Head-up Displays um 75 Prozent vergrößert. Der BMW zeigt uns noch detaillierter gewünschte Informationen direkt auf der Scheibe an.

Und dann wäre da ja noch der neue Fahrzeugschlüssel mit kleinem Touchscreen. Über den kann der Fahrer alle möglichen Fahrzeuginfos abrufen. Und, er kann über den Schlüssel den Motor des 7er starten und das Fahrzeug zehn Meter weit vor und zurücksetzen. Lenken kann der BMW dabei nur minimal, es reicht aber, um den Wagen in enge Parkbuchten zu bugsieren, in denen der Fahrer nicht mehr aussteigen kann. Wir haben’s probiert und können attestieren: es funktioniert. Allerdings nur, wenn der Fahrer direkt neben dem BMW steht.

Als Höhepunkte technischer Innovation gilt das Laserlicht im neuen 7er. Der Hybride i8 strahlte schon in der Kleinserie mit den tageslicht-ähnlichen Scheinwerfern in die Nacht, beim Siebener kommen sie nun in Großserie zum Einsatz. Im Gegensatz zu den serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern leuchtet das Laserlicht bis zu 600 Meter weit – Gegenverkehr wird natürlich punktgenau ausgespart.

Leichtbau durch Karbon, Plug-in Hybride folgt 2016

Und noch etwas hat sich BMW für den neuen 7er von seinen Elektropionieren abgeguckt. Wie im i3 und i8 verbaut der Hersteller erstmals Karbon in Großserie. Dabei hat BMW der Fahrgastzelle neben Aluminium und Stahl auch den faserverstärkten Kunststoff – beispielsweise am Dachrahmen – beigemischt. Durch die Leichtbauweise verliert der 7er nicht nur 130 Kilo, er ist auch verwindungssteifer als sein Vorgänger. Dadurch senkt BMW den Schwerpunkt seiner dicken Limousine und die Achslastverteilung beträgt genau 50:50. Auch ein Grund, weshalb der 7er noch satter auf der Straße liegt.

Dem Fahrwerk hat sich BMW ebenfalls gewidmet. Erstmals fährt der 7er serienmäßig gleich an beiden Achsen luftgefedert vor. Kompressoren für alle vier Räder sorgen stets für eine gleichmäßige Niveauregulierung. Die ebenfalls serienmäßig elektronisch geregelten Dämpfer kann der Fahrer von sportlich bis komfortabel einstellen. Im Komfort-Modus schluckt der Wagen jegliche Unebenheiten im Boden weg und gleitet geradezu sanft über den Asphalt. Auf Sport aber zeigt auch der 5,10 Meter lange Siebener, dass er um Kurven wedeln kann, wie ein kompakter 1er. Damit er enge Kehren wendig umschifft, lenkt der BMW mit den Hinterrädern mit und gleicht Wankbewegungen elektromechanisch aus.

Bei den Motorisierungen dürfte der 730d (68.823 Euro netto) ganz oben auf den Wunschzetteln vieler Flottenmanager stehen. Der Reihen-Sechszylinder bringt mit 265 PS und einem satten Drehmoment von 620 Nm genügend Kraft mit, um den 1,8-Tonner standesgemäß zu bewegen. Und die Achtgang-Automatik legt dazu stets souverän die benötigte Fahrstufe ein. Wer es dennoch kräftiger mag, dem stehen bis zu 450 PS (750i ab 87.478 Euro) zur Seite – in den immer grüner werdenden Fuhrparks wohl eher eine Ausnahme.

Ganz im Gegenteil zum 740e. Der Plug-in Hybride ergänzt das Motorenprogramm im kommenden Jahr. Ein 258 PS starker Vierzylinder-Benziner wird dann von einem 95-PS-Elektromotor unterstützt. Die rein elektrische Reichweite gibt BMW mit 40 Kilometern an, den Durchschnittsverbrauch mit 2,1 Litern (49 g CO2). Das dürfte wohl jedem Flottenmanager ein Lächeln ins Gesicht zaubern und einen morgendlichen Gruß an die Kollegen Wert sein, die sich für die stromernde Variante entscheiden.

Autor

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BMW

Datum

10. September 2015
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