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Fahrbericht Lexus RX: Noble Grill-Party

Mit seinem riesigen Kühler fällt der neue Lexus RX mächtig auf. Dahinter sitzt wahlweise ein überarbeiteter Hybrid oder ein nagelneuer Benziner. Auf unserer ersten Runde mit dem Luxus-SUV lautet aber die eigentliche Botschaft: entspannen und genießen.

Der Sommer ist zwar längst vorbei, dennoch geht die Grill-Saison in eine weitere Runde. Zumindest bei Lexus, denn Ende Januar 2016 rollt der neue RX in die Showrooms. Mit geschärften Kanten sowie markanten Radhäusern tritt er wesentlich progressiver gestylt auf als sein Vorgänger. Dabei sticht ganz besonders sein trapezförmiger Kühlergrill in Erscheinung. Der wurde so ausladend geformt, als wolle er gleich eine ganze Fußballmannschaft zum gemeinsamen Teriyaki-Barbecue einladen. Die weit ins Heck verlaufende Fensterlinie erweckt zudem den Eindruck, als würde das Dach scheinbar frei schweben. Soviel Mut müsste eigentlich belohnt werden.

Hierzulande trat der Lexus RX aber bislang kaum in Erscheinung, obwohl er mit Abstand das erfolgreichste Modell der Marke ist. Seit seinem Debüt 1998 verkaufte Toyotas-Nobeltochter weltweit mehr als 2,2 Millionen Fahrzeuge, bei uns fanden dagegen im letzten Jahr nicht einmal 300 Käufer Gefallen an ihm. Vielleicht hat die vierte Generation jetzt mehr Glück. Das Zeug dazu hätte er. Neben seinem extrovertierten Design ist der 4,89 Meter lange RX um zwölf Zentimeter gewachsen. Er wartet mit effizienteren Motoren sowie einem gründlich renoviertem Fahrwerk auf. Aber der Reihe nach.

Kein Diesel, Update für den Allrad-Hybrid

Einen wirtschaftlichen Diesel wird es auch weiterhin im Lexus RX nicht geben, dafür aber einen überarbeiteten Hybridantrieb im 450h. Dort sorgt ein V6-Benziner im Verbund mit zwei spontaner ansprechenden Elektromotoren für den Antrieb. Der 3,5-Liter Direkteinspritzer leistet 262 PS, die erste E-Maschine mit 123 kW (167 PS) befindet sich vorn, Nummer zwei treibt mit 50 kW (68 PS) die Hinterachse an. Als Elektro-Allradler mit variabler Kraftverteilung mutiert der 49.496 Euro teure RX 450h (alle Preise netto) zwar nicht zum Extrem-Kraxler, aber zumindest auf rutschigem Straßen sorgt sie für eine bessere Traktion.

Plug-in Hybrid ist nicht geplant

Die Gesamtsystemleistung wurde von 299 auf 313 PS erhöht. Auf einen Plug-in Hybriden, der externen Strom nachladen kann, verzichtet Lexus allerdings auch beim neuen Modell. Er wäre zu teuer, so heißt es aus den japanischen Reihen. Deshalb schafft es der Lexus rein elektrisch nur bis zu drei Kilometer weit. Kraft hat der RX 450h genug, da die beiden Elektromotoren tatkräftig den Verbrenner beim Boosten unterstützen. Wesentlich eindrucksvoller ist jedoch das permanente Wechselspiel der Antriebe untereinander. Der V6-Benziner schaltet sich kaum wahrnehmbar ab oder dazu und ist, wenn überhaupt, nur unter Volllast hörbar.

Angenehme Ruhe an Bord

In der Regel ist der Lexus flüsterleise unterwegs, die Außengeräusche bleiben weitgehend draußen. Dazu trägt neben einer gekonnten Geräuschisolierung mit mehr Dämmmaterialien auch die stufenlose Automatik (Planetengetriebe) bei. Sie simuliert sechs Fahrstufen und lässt den Verbrenner beim Tritt aufs rechte Pedal in Richtung Bodenblech nicht mehr so stark aufheulen. Grundsätzlich ist der Hybride zum Konsumverzicht erzogen und soll nur 5,2 Liter Sprit schlucken. Doch bei unserem Ausflug durch das bergige Hinterland Portugals notierte der Bordcomputer im Schnitt 7,8 Liter.

Neuer Downsizing-Turbo im Angebot

Sie mögen keinen Hybrid? Okay. Für die rigorosen Verweigerer dieser Antriebsform halten die Japaner sozusagen als Alternative zur Alternative wieder einen konventionellen Benziner bereit. Anstelle eines sonor klingenden V6 werkelt jedoch ein Vierzylinder im RX 200t. Der 238 PS starke Zweiliter-Turbo ist der erste aufgeladene Antrieb in der Historie von Lexus. Er glänzt mit hoher Laufkultur, ist ebenfalls sehr leise und bringt den immerhin gut zwei Tonnen schweren RX 200t recht munter Schwung.

Auch die konventionelle Sechsstufen-Automatik im RX 200t arbeitet geschmeidig. Warum ihr aber nicht mehr Fahrstufen spendiert wurden, begründet der Lexus-Entwicklungsleiter Naohisa Hatta mit einem sanften Ansprechverhalten. Noch mehr Fahrstufen, so der Japaner, würden wesentlich mehr Gangwechsel bedeuten und den hohen Anforderungen der RX-Kunden nicht gerecht. Eigenartige Logik. Auf jeden Fall hinterlässt die gewählte Kombination einen harmonischen Eindruck. Mit Frontantrieb startet der RX 200t bei 41.933 Euro netto, für 43.067 Euro gibt es den neuen Zweiliter-Turbo auch mit Allrad. Gegenüber dem Hybrid spart man also über 6.000 Euro. Interessenten sollten allerdings jeweils gut zehn Liter beim Verbrauch einkalkulieren.

Fahrwerk mit adaptiver Dämpfung

Aber egal auf welche Motorisierung die Wahl letztendlich fällt, beim Komfort und der Agilität haben beide RX-Modelle gewonnen. Lexus hat das Fahrwerk ausführlich überarbeitet und ihr eine Variante mit adaptivem Dämpfersystem und Wankstabilisierung zur Seite gestellt. Die gefällt besonders gut, da der RX Kurven mit weniger Seitenneigung durcheilt und die Lenkung präziser arbeitet. Zusätzlich stehen verschiedene Fahrmodi von Eco über Sport bis hin zu Sport+ zur Verfügung. Ist die letzte Stufe eingelegt, fährt sich der Lexus merklich handlicher. Trotzdem bleibt er weiterhin ein komfortabler Gleiter, der derbe Unebenheiten und Bodenwellen einfach glattbügelt.

Mehr Platz und ein riesiges Navi

Wie von Lexus gewohnt, geht es im Innenraum edel zu. Anschmiegsames Leder an Cockpit, Türen und Sitzen gepaart sorgen für ein gediegenes Ambiente an Bord des Japaners. Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der Radstand um fünf Zentimeter auf 2,79 Meter. Davon profitieren vor allem die Passagiere im Fond, die jetzt mehr Knieraum vorfinden. Am besten ist man jedoch vorne auf den kommoden Sitzen untergebracht. Der Fahrer blickt auf ein kontrastreiches Head-up Display oder auf den breiten Multimedia-Bildschirm. Der fällt mit 12,3 Zoll nicht nur riesengroß aus, sondern lässt sich selbst bei Sonneneinstrahlung noch sehr gut ablesen. Bedient wird der Monitor über ein Art Touchpad auf der Mittelkonsole. Das erfordert zwar Eingewöhnung, funktioniert aber jetzt wesentlich zielgenauer als beim Vorgänger. Das Premium-Navi kostet 2.647 Euro extra, bei den Topmodellen F-Sport oder Luxury Line gehört es werksseitig zum Lieferumfang.

Einzigartig und überragend: das Premium-Soundsystem

Für die Sicherheit sorgen jede Menge Fahrerassistenten und für den Komfort zahlreiche Features. Angefangen von den elektrischen Rücksitzen, die sich zur Erweiterung des Kofferraums (539 – 1.612 Liter) nicht nur galant umlegen lassen, sondern ebenso auf Knopfdruck wieder aufstellen. Selbstverständlich können Smartphones im Lexus über eine induktive Ladestation kabellos aufgeladen werden und für HiFi-Enthusiasten halten die Japaner ein ganz besonderes Schmankerl bereit. Das Premium-Soundsystem von Mark Levinson hat insgesamt 15 Lautsprecher und verwandelt den Lexus in einen klanggewaltigen Konzertsaal. Eine lohnenswerte Kaufempfehlung, zumal der Aufpreis beim RX F-Sport mit 924 Euro recht maßvoll ausfällt. Für die Basisversion sowie die zweite Ausstattungsstufe Executive Line kann die beeindruckende Audioanlage nicht geordert werden, beim RX Luxury Line ist sie hingegen serienmäßig.

Autor

Foto

Lexus

Datum

27. November 2015
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