VW Arteon viertürige Coupé-Limousine 10 Bilder Zoom
Foto: VW

Fahrbericht VW Arteon: Wolfsburgs next Topmodel

Mit dem neuen Arteon meldet sich VW in der gehobenen Business Class zurück. Ob sich der Wechsel vom Passat ins edle Topmodell für Dienstwagenfahrer lohnt, klärt der Fahrbericht.

Alles, bloß das nicht: Dass der neue VW Arteon nun den CC oder gar den ehrwürdigen Phaeton beerben soll, davon möchten die Mannen aus Wolfsburg partout nichts hören. Das neue Topmodell wird von ihnen nicht gerne als Nachfolger für irgendeine bisherige VW-Baureihe gesehen. Eher als viertürige Coupé-Limousine, oberhalb des Passats angesiedelt und auf der lang gezogenen MQB-Plattform (Modularer Querbaukasten) basierend. Okay, wir einigen uns schließlich irgendwo in der Mitte. Die Niedersachsen stimmen freudig zu und fügen noch ein: der Arteon sei ein Grand Turismo. Für mich aber ist er der legitime CC-Nachfolger.

Die neuen Assistenzsysteme mit intelligenter Vernetzung

Tatsache ist, der Arteon geriet breiter als ein gewöhnlicher Passat und ist mit einem um fünf Zentimeter auf 2,84 Meter gestreckten Radstand gesegnet. Auch ist er mit 4,86 Metern Länge gut zehn Zentimeter länger als der Passat in der Stufenheckausführung. Nun könnte man meinen, der Konzernbruder Skoda Superb lässt Grüßen, doch spannt sich die coupéhaft geschwungene Dachlinie beim Arteon mit nur 1,45 Metern verhältnismäßig niedrig. Dementsprechend stämmig kauert die Coupé-Limousine auf dem Asphalt. Mit seinen scharf geschnittenen Konturen bringt das neue Topmodell viel Eigenständiges mit. Hier die imposant weit nach unten gezogene Motorhaube, dort der opulent-breite Chromgrill und die serienmäßigen LED-Scheinwerfer. Insgesamt wirkt die neue Formensprache von VW stimmig, doch schaut der Arteon auch grimmiger in die Welt als etwa ein BMW 4er Gran Coupé oder Mercedes CLS.

Zoom VW Arteon viertürige Coupé-Limousine Foto: VW

Ein schräger Typ ist der Arteon jedoch nicht. Im Gegenteil, er ist sogar ziemlich clever. Dafür sorgen drei neue Assistenzsysteme. So „denken“ die markanten LED-Scheinwerfer vorausschauend mit. Sie sind mit der Windschutzscheibenkamera, dem radargestützten Tempomaten sowie den GPS-Daten aus dem Navi vernetzt. Dadurch erkennen die Frontscheinwerfer nicht nur andere Verkehrsteilnehmer und passen sich automatisch an, sie wissen zudem schon im Vorfeld über den Straßenverlauf Bescheid. Ist der Arteon beispielsweise auf einer kurvenreichen Landstraße unterwegs, wird der Lichtkegel nicht erst beim Erreichen einer Kehre hineingeleitet, sondern wesentlich früher hell erleuchtet.

Der radargestützte Tempomat kennt die Strecke noch genauer

Ein weiterer Sicherheitsgewinn ist die neue automatische Distanzregelung (ACC). Sie passt sich an die Gegebenheiten an und bremst nun die Geschwindigkeit bei Tempolimits, Kreisverkehren, Kurven und Abzweigungen selbstständig herunter. Auch der aus dem Passat bekannte Emergency Assist leistet jetzt mehr. Bekommt der Arteon-Fahrer ein gesundheitliches Problem, stoppt der elektronische Retter das Fahrzeug nicht nur, sondern lenkt es vorher auch auf die rechte Fahrspur herüber. Hierbei schaut der Emergency Assist achtsam auf den rückwärtigen Verkehr, um andere nicht zu gefährden. Wir haben sowohl die neue Distanzregelung als auch den Notfall-Assistenten ausgiebig getestet, beide Systeme funktionieren einwandfrei und zuverlässig.

Aber wie sieht es mit den inneren Werten aus? Der Einstieg über die rahmenlosen Türen erfolgt ohne Verrenkungen und ist durchaus bequem. Das Cockpit wirkt optisch mit seinen längs laufenden Lüftungsschlitzen und dem 9,2 Zoll großen Multimediasystem samt Gestensteuerung und Online-Diensten wie eine Mischung aus Passat und geliftetem Golf. Schade, da hat die Wolfsburger wohl der Gestaltungsmut verlassen. Es ist solide, aufgeräumt und funktionell, aber verglichen mit dem expressiven Äußeren auch ziemlich langweilig. Auf Wunsch gibt es digitale Instrumente für den Fahrer oder ein Head-Up Display.

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Bis zu fünf Personen haben im Arteon Platz. Vorne sieht es gut aus mit der Bewegungsfreiheit und auch hinten bietet der flache Wolfsburger seinen Gästen üppige Beinfreiheit. Doch durch das flach verlaufende Dach reicht die Luft über den Köpfen von 1,85 Meter großen Kollegen gerade noch aus. Längere Mitfahrer haben im Fond dagegen das Nachsehen. Ganz hinten wendet sich das Blatt, denn der Wolfsburger nimmt überraschend viel Reisegepäck mit. Die große Heckklappe schwingt weit nach oben und stellt großzügige 563 Liter Volumen bereit. Wer die Rücksitzlehnen nach vorne legt, kann sogar bis zu 1.557 Liter mitnehmen. Zum Vergleich: Zwar packt die Passat Limousine mit 586 Litern eine kleine Tasche mehr ein, wird hingegen der Stauraum erweitert, sind es nur verhältnismäßig bescheidene 1.152 Liter.

Drei Motoren zum Verkaufsstart

Mit dem 150 PS starken TDI sowie dem Biturbo mit 240 PS sind anfangs nur zwei Diesel erhältlich. Auf der Benzinerseite steht der durchzugsstarke Zweiliter-TSI mit 280 PS bereit. Das Siebengang-DSG ist hier wie dort Serie, die beiden Topmotorisierungen haben ab Werk zusätzlich Allrad. Kurz nach der Markteinführung folgen der neuentwickelte 1,5-Liter TSI mit Zylinderabschaltung und 150 Pferden sowie ein weiterer TSI und TDI mit jeweils 190 PS.

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Für unsere erste Verabredung mit dem Edel-VW wählten wir den kräftigen Biturbo-TDI, der satte 500 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmt. Genauso wie im Passat zeigt sich der Selbstzünder auch im Arteon überaus leistungsbereit, sorgt bei Bedarf für vehementen Vortrieb und erklimmt innerhalb von nur 6,5 Sekunden die 100er-Marke. Der laufruhige Top-TDI kann aber nicht nur sprinten, sondern auch sparen. So schluckte das Triebwerk auf unserer anschließenden ruhig angegangenen Runde erfreulich genügsame 6,2 Liter – damit liegen wir gerade einmal 0,3 Liter über der Werksangabe.

Der Arteon nimmt´s sportlich

Der Arteon fährt sich genauso wie es die athletische Optik verspricht. Grundsätzlich geriet die Fahrwerksabstimmung spürbar straffer als beim Passat. Unser Testwagen ist mit dem serienmäßigen adaptiven Dämpfersystem, aber auch optional mit großen 20-Zoll-Rädern bestückt. Für den Komfort sind die breiten Walzen nicht gerade vorteilhaft doch bleibt der Arteon selbst auf geflicktem Asphalt noch angenehm ruhig. Wechselt der Fahrer in die Sport-Stellung, spannt der Arteon seine Muskeln und räubert fahraktiv durch sämtliche Kurven. Aber selbst dann ist noch ein gewisses Maß an Restkomfort vorhanden.

Na, liebe Außendienstler, haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann reden wir jetzt mal über den Preis. Unser 240 PS starker Testwagen kostet in der neu geschaffenen Elegance-Ausstattung mindestens 43.361 Euro (alle Preise netto). Damit ist der Arteon stolze 3.000 Euro teurer als die Passat Limousine mit gleichem Motor. Die Wolfsburger Coupé-Limousine als nächsten Dienstwagen beim Fuhrparkmanager durchzudrücken, wird also schwer. Es sei denn, Sie erzählen ihm von den vorbildlichen Assistenzsystemen – die kosten zusammen im Paket aber 1.374 Euro Aufpreis. Andere Extras sind nicht einberechnet. Auch wenn es User-Chooser aus den Führungsetagen wesentlich einfacher haben, probieren sollten Sie es trotzdem. Ein Versuch kostet ja schließlich nichts.

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Datum

7. Juni 2017
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