So fährt sich Alfa Romeos Giulietta Zoom

Firmenauto: So fährt sich Alfa Romeos Giulietta

Alfa ist nicht gerade eine Marke, bei der ständig die Sektkorken knallen. 2001 baute die sportliche Fiat-Tochter noch 213.000 Autos pro Jahr. Seit dem haben sich die Produktionszahlen halbiert. Aber ein Delikatessenladen war Alfa immer. Graubrot wurde nie angeboten. Auch der jetzt vorgestellte Nachfolger des Alfa 147 ist alles andere als Alltagskost. Er heißt Giulietta. Ein Name (man sagt die Giulietta), den Alfa schon in ferner Vergangenheit benutzte. Der dreieckige Alfagrill, das so genannte Scudetto, schnüffelt so tief auf dem Boden, als sei er auf der Suche nach einem Fahrerlager. Nur schade, dass der vor anderthalb Jahren vorgestellte Alfa Mito diesen Bug mit den glubschäugigen Scheinwerfern schon etwas vorweg genommen hat. Zu Verwechselungen dürfte es trotzdem nicht kommen, zumal die Giulietta mit 4,35 Meter Länge und 1,80 Meter Breite der Golf- und nicht der Polo-Klasse angehört. Wobei Golf-Klasse auch nicht ganz richtig ist. Denn in Länge und Radstand überragt der Italiener den Wolfsburger um 15 bzw. fünf Zentimeter. Ein Golf und eine Giulietta nebeneinander ist übrigens wie Jutta Speidel neben Ornella Muti. Schon wie der ausschließlich viertürige Alfa seine hinteren Türgriffe und damit die Familientauglichkeit verbirgt, seine Fensterlinie ansteigen und seine Dachlinie abfallen lässt, hat etwas Rassiges, das aus Wolfsburg eher selten kommt. Kein Auto für RiesenVorn sitzt man auf gut geformten, straffen Sitzen mit starken Seitenwülsten. Nur die Drehgriffe für die Lehnenverstellung sind schlecht zu erreichen. Die Mittelkonsole ist schön schmal und engt nicht ein. Große Ablagemöglichkeiten gibt es aber so gut wie keine. Da bleibt nur das tiefe, zerklüftete Handschuhfach. Die Sicht nach schräg hinten ist so miserabel wie in einem Coupé. Im Fond sollte man nicht größer als 1,75 Meter sein, sonst leiden Knie und Hinterkopf. Im Golf wäre klarerweise mehr Platz. Nur in der Kofferraumgröße (350 Liter) unterscheiden sich der VW und der Alfa nicht. Wobei die Ladekante beim Alfa aber ein gutes Stück höher liegt und ein Griff an der Kofferraumklappe fehlt. Das Cockpit erinnert an Zeiten, als Alfa es an Instrumenten so wimmeln ließ wie in einer Flugzeugkanzel. Es gibt vier richtige Rundinstrumente und sechs Bedientasten, die Rundinstrumenten nachempfunden wurden. Dazu ein paar schöne Kippschalter und viele Tasten und Hebel, mit denen man sich als Giulietta-Neuling erst einmal vertraut machen muss. Harte und weiche, raue und glatte Kunststoffe lösen einander ab. Einige Teile sind mit Klavierlack überzogen, andere im Carbon-Look gehalten. Start-Stopp-Automatik ist SerieDas knackig schaltbare Sechsganggetriebe und die gut funktionierende Start-Stopp-Automatik sind Serie. Eine Schaltanzeige fehlt ebenfalls nicht. Auch das Fahrdynamiksystem, mit dem sich Lenkung, Sperrdifferenzial, ESP und Motoransprechverhalten sportlicher oder sanfter einstellen lassen, kostet keinen Aufpreis. So hat man es mit einem gut liegenden, äußerst agilen Fronttriebler zu tun, dessen Räder rundum einzeln aufgehängt sind und dessen Federung ausreichend schluckfreudig ist – also eine  Menge Fahrspaß inklusive. Die elektromechanische Servolenkung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Sie ist einerseits angenehm direkt, hat andererseits aber einen etwas zu starken Hang in Geradeausstellung. Auch auffallend: beim Lastwechsel treten Geräusche auf, die auf Spiel in den Antriebswellen schließen lassen. Zur Wahl stehen drei Turbo-Benziner mit 120, 170 und 235 PS. Der 170-Benziner arbeitet mit Multi-Air, einer Technik, die eine Einlassnockenwelle überflüssig macht. Sie macht ihn zum sparsamsten Vertreter des Trios – Normverbrauch 5,8 Liter/100 km. Nur die Diesel mit 105 und 170 PS sind mit 4,4 und 4,7 Liter noch genügsamer. Selbst mit dem 1,4-Liter-Diesel mit 105-PS lässt sich flott reisen. Schon dieser Motor verfügt über hohe Laufkultur und ein sattes Drehmoment. Die Diesel müssen alle 35.000, die Benziner alle 30.000 Kilometer  zum Kundendienst. Beim Vorgänger, dem Alfa 147 war schon alle 20 000 Kilometer eine Wartung fällig. Die Preise beginnen bei 16.723 Euro für den 1,4-Liter-Benziner mit 120 PS. Mit 170 PS sind 18.824 Euro fällig. Der 1,8-Liter-Benziner mit 235 PS, zu erkennen an zwei Auspuffrohren, verlangt stolze 23.782 Euro. Der 1,6-Liter-Diesel mit 105 PS kostet 17.983 Euro, für den 2,0-Liter-Diesel mit 170 PS zahlt man 21.260 Euro.Verkaufsstart ist am 19. Juni. Bis Jahresende will Alfa noch 5.000 Giulietta in Deutschland verkaufen. 2011 sollen es 10.000 sein, also fast so viel wie die Marke 2009 vom gesamten Programm abgesetzt hat. Wenn das gelingt, werden sicher die Sektkorken knallen.

Foto

Bild: Alfa Romeo

Datum

10. Mai 2010
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