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Optima, Mondeo, Talisman und Mazda 6: Vier Mittelklasse-Kombis im Vergleichstest

Vom ersten Mittelklasse-Kombi der Firmengeschichte erhofft sich Kia viel im Flottengeschäft. Ob die Konkurrenz einpacken kann, klärt der Vergleich des Kia Optima Sportswagon mit Ford Mondeo Turnier, Mazda 6 Kombi und Renault Talisman Grandtour.

Dass gut Ding Weile haben will, weiß der Volksmund schon sehr lange. Hin und wieder halten sich sogar Automobilhersteller daran. Mercedes etwa, gewiss ein Treiber des Fortschritts im Automobilbau, brauchte nach der Firmengründung genau 94 Jahre, um 1977 mit dem T-Modell der 123er-Reihe seinen ersten in Großserie gebauten Mittelklasse-Kombi vorzustellen. Er wurde bei Gewerbekunden ein grandioser Erfolg und zeigt, dass blinder Eifer nur schaden kann.

Kia legt da mit seinem ersten Mittelklasse-Kombi fast schon einen Raketenstart hin. Kaum ist das Unternehmen 1944 gegründet, zack: Schon steht 2016 der Optima Sportswagon beim Händler. Was legt diese Premiere näher als einen Vergleichstest mit bekannten und noch relativ neuen Konkurrenten, zumal Kia speziell die Fahrer von Geschäftswagen als potenzielle Käufer anpeilt?

Ford und das Übergewicht

In seinem Visier hat Kia zum Beispiel den Ford Mondeo. Die Leichtigkeit der frühen Jahre ist dem aktuellen Modell zwar ein wenig abhandengekommen (die aus Konzern-Räson genutzte US-Plattform, Sie wissen schon). Doch er ist noch immer ein großer Kurvenversteher mit sehr neutralem Fahrverhalten und praktisch arbeitslosem ESP. Nur die Lenkung agiert aus der Mittellage heraus etwas eckig – mit Folgen für den ­Geradeauslauf.

Mit großen, komfortablen Sitzen und gut gedämmten Fahrgeräuschen versteht sich der getestete Mondeo Titanium (29.252 Euro) als Komfortschaffender. 500 bis 1.605 Liter Stauraum bietet er, und wie beim Talisman sind sie gut für Transportzwecke nutzbar durch Ösen fürs Trennnetz auch hinter den Vordersitzen. Das sind zwar keine Traummaße für einen Kombi dieses Kalibers, doch angesichts 552 Kilogramm Zuladung darf der tägliche Krimskrams eines Außendienstlers auch gerne etwas schwerer sein.

Mit adaptiven Dämpfern (1.470 Euro im Paket mit Abstandsregeltempomat und mehr) bügelt der Kölner Kombi Fahrbahnun­ebenheiten routiniert glatt. Über die Hinterachse gerät er zwar auf dauergewellten Straßen etwas ins Wanken um die Längsachse. Wirklich störend ist das aber nicht, zumal derbe Stöße ausbleiben. Wenig zukritisieren gibt’s auch an Komfort- und Sicherheitsassistenz. Eine Auffrischung wäre eher bei den überfrachteten Instrumenten und dem Bedienkonzept für Navigation und Nebenfunktionen angeraten. Potenzial schlummert auch bei Motor und Getriebe. Der 150-PS-Diesel läuft doch ziemlich brummig und leidet unter der viel zu langen Auslegung der fluffig schaltbaren Gänge. Zum flotten Vorankommen muss man ihn drehen lassen, und das treibt den Testverbrauch auf 7,1 Liter.

Renault und die Nüchternheit

Als Sparkönig entpuppte sich der Talisman dCi 130, dessen 1,6-Liter für 160 PS zwei, für die 130 PS des Testwagens nur einen Turbo bemüht. Der Hubraumzwerg braucht schon Zeit, um aus ganz tiefen Drehzahlen loszulegen, doch dann erfreut er mit Laufkultur, Drehfreude und Leistungsbereitschaft. 6,6 Liter sind für das Gebotene absolut angemessen.

Im Gegensatz zum Topmodell Initiale Paris haben die billigeren Ausstattungen wie der von uns getestete Life einen kleineren, weniger brillant strahlenden Monitor auf der Mittelkonsole. Die Bedienung, angefangen beim Ausrichten der Karte übers Ändern des Maßstabes bis zum Beenden einer Zielführung, erschließt sich nicht auf Anhieb. Doch nach etwas Eingewöhnung wird ein taugliches System mit Direktwahltasten erkennbar, das ordentlich handhabbar ist.

Ohne das Initiale-Paris-Chichi (Holz, metallener Glanz) wirkt der Talisman zwar reichlich nüchtern, doch er bleibt natürlich geräumig und praktisch. Weiche Sitze (für den Fahrer mit Massagefunktion) mit guter Passform, die nur auf Querrinnen und bösen Fugen schroff ansprechende Federung und ein gutes Raumgefühl zeichnen ihn ebenso aus wie der große Kofferraum und die üppige Zuladung von 562 Kilogramm.
Ein breiteres Assistenzangebot und besser gedämmte Windgeräusche wären allerdings nett, denn es rauscht ganz ordentlich bei Eilritten im Bereich der 200er-Spitze. Dummerweise gibt es Abstandstempomat, Notbremsassistent oder Kollisionswarner nur für die teureren Versionen.

Fleißig Punkte sammelt der Talisman Life wiederum bei den Kosten: Fünf Jahre Garantie sind ebenso ein Wort wie der günstige Grundpreis von knapp 26.000 Euro.

Mazda und der Spaß am Motor

Angesichts neuer Konkurrenz frischte Mazda den 6 auf. Messbarer Erfolg: Er bremst besser als bisher. Zudem erhielt er eine wirksamere Geräuschdämmung und – potz Blitz! – Schwingungstilger in den Kolbenbolzen für mehr Laufkultur. Beides spürt wohl nur, wer es weiß: Noch immer sind Reifen und Wind gut zu hören, und Laufkultur war ja schon ohne tilgende Kolbenbolzen vorhanden. Daher loben wir den niedrig verdichteten 2,2-Liter wie immer für Durchzugsvermögen, Drehfreude, Performance sowie den mit 6,8 Litern angemessenen Testverbrauch.

Ach ja: G-Vectoring ist auch neu an Bord und soll das Einlenken durch dosierte Beeinflussung des Motormomentes optimieren. Nun ja. Das freudige Einlenken war ja immer eine Stärke des leichten 6. Doch dann kam er schnell ins Untersteuern und ging wenig später dem harsch regelnden ESP ins Netz. Daran hat sich, sorry, nichts geändert. Der 6 verspricht mehr, als er halten kann.

Ansonsten alles wie gehabt: Viel Platz und klare Instrumente hat der bedienfreundliche Mazda, weniger gelungene Sitze und eine auf gehäuften Wellen stößige Federung allerdings auch. Auffällig ist ein großer Mangel an Komfort-Assistenz. Da lässt der Mazda als Dauer-Sondermodell Nakama viele Punkte liegen, wie auch in der Ausstattungspolitik nicht alles stimmig ist: LED-Scheinwerfer, Totwinkelwarner und Rückfahrkamera sind für 28.900 Euro zwar Serie. Lederbezüge zum Aufhübschen des etwas schlicht gemachten Innenraumes gibt es jedoch ebenso wie die Spurhalteassistenz nur in Kombination mit dem 175-PS-Top-Diesel oder dem 192-PS-Benziner.

Kia und die neue Einfachheit

Solche Ungereimtheiten gibt es beim Kia nicht. Was an Wichtigem nicht ohnehin an Bord ist, lässt sich dazukaufen. Und was bei der mittleren  Ausstattungslinie Spirit für knapp 29.500 Euro an Bord ist, ist gut.

Im Cockpit sieht man zwar kaum eine Lösung aus der weiten Welt der Bedien­elemente, die man sehr ähnlich nicht schon anderswo gesehen hätte. Doch dem Bedienkomfort tut dieses Kopieren durchaus gut. Schließlich liegt der große, hochauflösende Navi-Monitor im BMW-Style sehr gut im Blick, und die Schalterleiste in der Mittelkonsole serviert die Tasten für Nebenfunktionen ohne Ablenkung. Auch am Gesamtkomfort lässt sich wenig meckern: Das Fahrwerk verwechselt Straffheit nicht mit Härte, und dazu gibt es erfreulich große, körper­gerecht geformte Vordersitze, die sich überdies optional auch kühlen lassen (1.672 Euro mit Leder und Sitzheizung hinten). Mitreisende freuen sich im Fond über reichlich bemessenen Beinraum und können allenfalls anmerken, dass die Sitzfläche einen Tick zu hart gepolstert ist und die Lehnen etwas zu flach stehen.

Davon abgesehen vereiteln die sehr schräg verlaufende Windschutzscheibe und stark gewölbte Dacheinzüge einen Raumeindruck, der den durchweg guten Messwerten entspricht. Das kann integrierend, aber auch beengend rüberkommen. Keine Diskussionen gibt es um den Kofferraum: Der ist richtig groß, praktisch ausgestattet mit einem serienmäßigen Schienensystem und sehr variabel durch drei einzeln klappbare Lehnensegmente.

Da weht also viel frischer Wind durch die Mittelklasse, auch dank des leichtfüßig-stabilen Handlings. Allerdings sitzt unter der Haube des Optima mit dem 1,7-Liter-Diesel ein alter Bekannter, der niemanden vor Begeisterung kreischen lässt. Brummig obenheraus und turboloch-zögerlich untenherum sind seine 141  PS – und mit 7,3 Liter Testverbrauch ist dieser Diesel auch noch ziemlich durstig. Egal: Unterm Strich reicht es nicht ganz zum Sieg. Den fährt das Allroundtalent Ford Mondeo als Kombinationsmeister souverän ein.

1 Ford Mondeo

Die Eigenschaftswertung geht trotz etwas zäher Fahrleistungen an den komfortablen und fahraktiven Mondeo. Ihn zu fahren macht nach wie vor viel Freude, speziell auf kurvigen Straßen. Die Kosten verhelfen ihm letztendlich sogar zum Gesamtsieg.

2 Kia Optima

Der Optima Sportswagon ist ein gut
gemachter Kombi. Wer etwas zu kritisieren sucht, wird beim Motor fündig. Der Preis geht angesichts der Ausstattung in Ordnung, und die lange Garantie kommt bei Flottenmanagern sehr gut an.

3 Renault Talisman

Auch mit dem mittleren Diesel und in Basisausstattung bestätigt der agile Talisman Grandtour seine Qualitäten. Lobenswert sind der günstige Preis sowie die fünf Jahre Garantie, die ihm den Sieg im Kostenkapitel bescheren.

4 Mazda 6

Das Beste am 6 ist eindeutig der großvolumige Diesel, der kultiviert leise läuft, kräftig Druck macht und trotzdem wenig verbraucht. Bei Fahrdynamik, Komfort und Assistenz kann der Mazda dieses hohe Niveau jedoch nicht ganz halten.

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

17. März 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft Firmenauto 05/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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